Rabenclan

Verein zur Weiterentwicklung heidnischer Traditionen e.V.

Krokodil
Analyse Gefaerhliches Archiv
28.04.2017, 09:55

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Wer gefährliche Bücher im Schrank hat, dem gehört die Website gesperrt?

Die angeblichen Zusammenhänge zwischen der Filtersoftware von Symantec und dem Literaturarchiv des Rabenclan e.V.

Jorg Stolzenberger trägt in seiner Kommentierung des Rabenclan e.V. (mit dem bezeichnenden Titel „Bücher aus dem Giftschrank des New Age“) verschiedene Belege für okkulte Umtriebe im Rabenclan e.V. zusammen. Dazu gehören unter anderem eine frisierte Darstellung der Kommunikation zwischen den beiden Organisationen, Belege für eine aus seiner Sicht problematische Toleranz gegenüber Satanismus und eine reißerische Interpretation eines Aufsatzes zum Themenfeld Magie eines Vereinsmitglieds. Die jeweiligen Punkte werden formell als Hintergrund für die jeweiligen Fragen eingeführt, die der Sprecher der Gruppierung "Krokodil" dem Rabenclan e.V. stellt.
Im folgenden soll hier geschildert werden, welche Hinweise für seinen Generalverdacht Stolzenberger im angeblich ominösen Archiv des Rabenclan e.V. findet, indem eine Vielzahl an Periodika und Bücher zu unterschiedlichsten Themen der Neuen religiösen Bewegungen, des Neopaganismus, der Esoterik und des Okkultismus gesammelt werden. Er behandelt das Archiv unter der bezeichnenden Zwischenüberschrift: "Jugendgefährdendes Material über Okkultismus und New Age?" (siehe Seite 8 des Textes)

Stolzenberger insinuniert eine interessante Theorie ohne sie explizit auszusprechen: Die US-amerikanische Firma Symantec Corporation sperrt mit ihrer Filtersoftware die Website des Rabenclan e.V. – ein Umstand, der nicht nur im Umfeld des Vereins eher ein gewisses Schmunzeln auslöst. Nicht so bei Stolzenberger. Er kombiniert scharf, dass dies mit dem Archiv des Vereins zusammenhänge könne. Um seinen Verdacht zu belegen, zitiert er nicht nur aus der Selbstdarstellung des Archivs, sondern übernimmt, ohne dies als Zitat eigens zu kennzeichnen auch wortwörtliche Buchbeschreibungen, die der Rabenclan e.V. für die Bücher gebraucht (erkennbar an Verwendung und nicht Verwendung der Anführungszeichen). (1) (Wie auch bei anderen Gelegenheiten scheint das Verständnis für feinere Sinnnuancen nicht Stolzenbergers Stärke zu sein. Es scheint ganz so, als ob er die Beschreibungen für bare Münze nimmt und ihm die deutliche Ironie entgeht.) So muss er dann irritiert feststellen, dass der Rabenclan e.V. nach Eigenaussage ja "Bücher aus dem Giftschrank des New Age" in seinem Besitz wähnt, und da fragt er sich ja schon, "schon allein aus dem Gedanken des Jugendschutzes, was da so bei einem Arbeitskreis der Heiden in Deutschland e.V. los ist." (Zitat aus einer Email zum gleichen Thema)

Die Antwort gibt er selber: Es geht um "fragwürdigen Literatur welche die Firma Symantec meint".

Dabei wäre es so einfach: Es kostet nicht viel Arbeit dazu, im Internet zu ermitteln, wann genau das Archiv des Vereins inklusive seiner Beschreibung der Web-Community überhaupt bekannt gemacht wurde. Es war im Sommer des Jahres 2003. Die Website des Rabenclan wiederum wird seit 2000 von der Symantec Corporation gefiltert - auch das ist, wenn man das Recherche-Handwerk versteht, nicht sonderlich schwer zu ermitteln. So unsinnig Filterlisten im Internet auch sein mögen: Stolzenbergers mit solchen Thesen zu Tage tretenden Ansichten über die angeblichen Abläufe beim Betrieb von Filtersoftware werfen ein interessantes Licht auf seine von unbestimmten Ängsten angeregte Phantasie. Auch für das Mitglied einer Elterninitative sollte es möglich, sich nüchtern über solche Themen zu informieren, bevor im Internet über die Aktivitäten von Symantec Corporation fabuliert wird.

Nun muss man sich ja nicht mit Recherche überfordern, es reicht auch den Dialogpartner Rabenclan e.V. nach dem vermeintlichen Zusammenhang zwischen Filtersoftware und Bucharchiv zu fragen – vorausgesetzt, man traut seine Antworten.

Nicht so Stolzenberger. Er fragte am 30. Dezember 2004 beim Rabenclan e.V. ohne jeden Bezug zum Archiv nach den Gründen für die Einstellung der Filtersoftware, nach dem die Sperrung verursachendem "Material" und nach den Motiven, für den eher spöttischen Umgang mit dem Ganzen. Daraufhin erhielt er folgende Antwort:

Originaltext
Email vom 31. Januar 2004
"Die Symantec-Liste wird in den USA nach dort üblichen Kriterien geführt. Eine unbegründete Denunziation von dritter Seite reicht in der Regel aus, um in diese Liste eingetragen zu werden. Es dürfte insofern eher unwahrscheinlich sein, dass Symantec uns auf Grund der tatsächlichen Inhalte unserer Website auf diese Liste gesetzt hat. Unsere Amüsiertheit über diese "Indizierung" lässt sich leichter verstehen, wenn man sich ansieht, in wessen Gesellschaft wir uns auf dieser Liste u.a. befinden: Harry Potter, Fantasy-Rollenspiele (wie z.B. Dungeons & Dragons), viele Tarot-Seiten, Eso-Shops usw. Eine solche Liste ist für unser Verständnis nicht ernst zu nehmen."

Eine weitere, spätere Nachfrage von Stolzenberger zu dieser Antwort gibt es definitiv nicht, in keiner der Mails nach dem 30. Dezember (schnell einsehbar in dem dokumentierten Emailwechsel). Bei Stolzenberger liest sich das aber anders. Er gibt zwar erfreulicherweise korrekt die obige Antwort wieder, um dann aber zu behaupten:

"Selbst auf Nachfrage zu der fragwürdigen Literatur welche die Firma Symantec meint, erhalte ich keine vollwertige Antwort." (siehe Seite 9)

Eine Falschaussage. Welchen Inhalts die offene Antwort des Rabenclan e.V. sein sollte, damit sie bei Stolzenberger als "vollwertig" gelten kann, wird ohnehin nicht ganz klar. Die Lieblinsantwort wäre wahrscheinlich, wie oben dargelegt, ein Verweis auf die Buchsammlung des Archivs gewesen. Da dies aber leider nicht den Tatsachen entspricht, konnte ihm der Rabenclan e.V. bedauerlicherweise nicht die gewünschte Antwort liefern. Der Grund für die Sperrung dürfte tatsächlich, wie oben zitiert, viel simpler sein.

Nachdem nun bemängelt wurde, dass selbst auf angebliche Nachfrage keine "vollwertige Antwort" erfolgt sei, schildert der Sprecher der "Aufklärungsgruppe Krokodil" im nächsten Satz sein weiteres Vorgehen:

"Wie steht Rabenclan e.V.. zum Jugendschutz? war daher eine andere Frage, die ich im Interview stellte."

Der Satz unterstellt folgende zeitliche Reihenfolge: Stolzenberger hat einen Verdacht, warum die Filtersoftware von Symantec die Website des Rabenclan e.V. sperrt. Grund ist das Archiv des Vereins, mit dem der Verein womöglich jugendgefährdendes Material verbreitet. Auch nach Nachfrage erhält er keine „vollwertige“ Antwort. Daher bekommt er Zweifel an der Haltung des Rabenclan e.V. zum Jugendschutz. Es wird der Eindruck erweckt, dass der Rabenclan e.V.. durch seine angebliche Zurückhaltung bei dieser Frage Anlass für Zweifel an seinem verantwortungsbewussten Umgang mit Jugendschutz gegeben habe. Daraufhin sei der Verein zum Jugendschutz befragt worden.

Diese Schilderung der zeitlichen Abfolge ist aber falsch. Vergleicht man diese angeblichen Verlauf mit dem tatsächlichen Emailwechsel, so stellt man fest, dass die Abfolge umgekehrt bzw. die Antworten in ein falsches kausales Verhältnis gesetzt: Das Misstrauen, ob der Rabenclan es mit dem Jugendschutz ernst nehme, wird vor Stolzenberger schon recht früh artikuliert, es passt auch zu seiner Hermeneutik des Verdachts. Und entsprechend findet sich die Frage "Wie steht Rabenclan e.V. zum Jugendschutz?" schon in dem gleichen Fragebogen (vom 30. Dezember 2004) wie die Frage nach den Hintergründen der Sperrung durch Symantec. Ein Geschichte von wachsenden Misstrauen und angeblich unkorrekten Antworten ist also gar nicht gegeben. Die Methode, zeitliche Abläufe zu verändern, um eine bestimmte Kommunikationsgeschichte zu erzählen, die ihm opportuner erscheint, wendet Stolzernberger auch bei anderen Themen an.

Warum versucht Stolzenberger dann diese Reihenfolge zu vermitteln? Er schildert so einen Kommunikationsverlauf, in dessen Fortgang er immer mehr zu der Einsicht kommt, dass das Gesprächsgegenüber sich als Gruppierung outet, die ominöse, sogar "gefährliche" Literatur verbreitet, darüber jedoch hinwegtäuscht und sich harmlos gibt. Das passt zu einer Geschichte investigativer Entdeckungen viel mehr als das Zugeständnis, dass bestimmte Vor-Urteile den Dialog und seine Ergebnisse von vorneherein determinieren. Dies dürfte auch den in den Emails deutlich spürbaren Unwillen erklären, dass die gesamte Kommunikation durch den Rabenclan e.V. veröffentlicht wird. Die Veröffentlichung auf der Website bricht die Deutungshoheit der "Aufklärungsgruppe Krokodil".

Ohnehin scheint hier (wie schon bei anderen Textpassagen der Kommentars ) Stolzenbergers gewisse Neigung zu Dramatisierung aufzuleuchten, wie man sie aus dem paternalistischen Verständnis fundamentalistischer Kreise kennt. Fast müsste bei dem Gewicht, das er dem Ganzen gibt, denken, dass das Archiv des Rabenclan in seinen Hauptbestandteilen aus blutrünstiger, hochproblematischer Okkultliteratur besteht. Dass jede grössere Stadtbibliothek in Deutschland vermutlich brisanteres "Material" beherbergt, die Stolzenbergers Ängste besser bedienen können, sollte man dabei möglicherweise nicht erwähnen. Denn man ahnt schon, wie der Wortführer der "Aufklärungsgruppe Krokodil" die Stirn runzeln würde: "Rabenclan e.V. verharmlost okkulte Literatur!" Die Aussage, dass der Rabenclan e.V. bekanntlich nicht dazu neigt, Jugendlichen Satansbibeln in die Hand zu drücken, dürfte ihm - folgt man seinem misstrauischem Gestus - so oder so nicht glaubwürdig sein. Und es würde in seinen Augen noch verhängnisvoller werden, wenn man nachschiebt, dass noch nie in der Vereinsgeschichte ein Jugendlicher überhaupt Literatur aus dem Archiv angefragt hat, so bedauerlich dies auch unter Bildungsgesichtspunkten sein mag. Denn mit einer solchen Aussage hätte der Rabenclan ja womöglich solche Literatur ausgeliehen, wenn er denn auch nur die Gelegenheit dazu gehabt hätte, usw.

Die ganze Konstruktion hat also eigentlich etwas Amüsantes und Naives. Abschließend sei aber auf einen seltsamen Zungenschlag hingewiesen, der sich durch die ganzen Texte von Stolzenberger zu der Thematik zieht und der weniger amüsant ist:
Für Stolzenberger ist es gar nicht befremdlich, (eher schon natürlich!) den Zugang zur Website einer Institution (2) zu sperren, weil diese ein Bucharchiv betreibt, in dem auch "gefährdende Literatur" zu finden ist. Das hier der Anklang eines repressives Verständnis von Öffentlichkeit vorliegen könnte, kommt ihm nicht in dem Sinn. Es passt jedoch zu seinem auch an anderen Textstellen sichtbar werdendem Misstrauen gegenüber liberalen Grundprinzipien.



Projektgruppe "Schnappi-sucht-okkulte-Raben"



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Fußnoten

(1) In der aktuellen Selbstbeschreibung des Archiv heisst es:

"Das Rabenclan-Archiv umfasst mehr als 700 Bücher und Periodika rund um die Themen Alchemie, Astrologie, Esoterik, Magie, Heidentum, Ufos, Verschwörungstheorien, Geheimgesellschaften und Heilkunde.
Darunter finden sich Originalperlen der esoterischen Grundlagenliteratur wie James Churchward: "The lost Continent of Mu" (1974), Verschwörungsklassiker wie Peter Moons "Die Schwarze Sonne" oder nie wieder aufgelegte Glaubensbekenntnisse einer liberalen Erkenntnistheorie wie die "Die neue Inquisition" von Robert Anton Wilson.
Der berüchtigte magisch-alkoholische Gesundheitsratgeber "Das Aceton" von Dr. Christian August Becker ist ebenso archiviert wie eines der ersten Bücher über das deutschsprachige Heidentum ("Die alten Götter sind nicht tot" von Frank Janssen) - oder Günter Lanczkowskis: "Die neuen Religionen" - eine oft genannte, aber selten gelesene Beschreibung der neuen religiösen Bewegungen aus den 70er Jahren.
Selbstverständlich findet sich auch so manches Buch aus dem Giftschrank des New Age - Werke für deren einstige Veröffentlichung sich selbst die heutige Esoterikszene schämt.
Das Rabenclan-Archiv kann online über diesen Link aufgerufen werden. Es steht jedoch ausschließlich Mitgliedern des Vereins zur Verfügung. Die Zugangsdaten erhalten Vereinsmitglieder auf Anfrage über Email. Die Konditionen für eine Ausleihe der Bücher können über den Archivar erfragt werden."

Stolzenberger schreibt:
"Das Rabenclan-Archiv umfasst, nach Eigendarstellung auf der Rabenclan-Webseite, mehr als 470 Bücher und Periodika und etwa 250 PDF-Dokumente von Büchern rund um die Themen Alchemie, Astrologie, Esoterik, Magie, Heidentum, Ufos, Verschwörungstheorien, Geheimgesellschaften und Heilkunde.
Darunter finden sich „Originalperlen“ der esoterischen Grundlagenliteratur wie James Churchward: "The lost Continent of Mu" (1974), Verschwörungsklassiker wie Peter Moons "Die Schwarze Sonne" oder nie wieder aufgelegte Glaubensbekenntnisse einer liberalen Erkenntnistheorie wie die "Die neue Inquisition" von Robert Anton Wilson.
Der berüchtigte magisch-alkoholische Gesundheitsratgeber "Das Aceton" von Dr. Christian August Becker ist ebenso archiviert wie eines der ersten Bücher über das deutschsprachige Heidentum "Die alten Götter sind nicht tot", von Frank Janssen - oder Günter Lanczkowskis: "Die neuen Religionen" - eine Beschreibung der neuen religiösen Bewegungen aus den 70er Jahren.
Rabenclan e.V. erklärt auf seiner Homepage:
„Selbstverständlich findet sich auch so manches Buch aus dem Giftschrank des New Age - Werke für deren einstige Veröffentlichung sich selbst die heutige Esoterikszene schämt - im Rabenclan-Archiv.

Der Unterschied in der Zahlenangabe erklärt sich durch eine Aktualisierung des Textes. Alle anderen Textunterschiede ergeben sich aus Kürzungen des Textes durch Jörg Stolzenberger. Der zitierte Text ist aber weder von ihm als solcher gekennzeichnet, noch sind die Kürzungen durch Auslassungszeichen angezeigt. Lediglich das Wort "Originalperlen" ist durch Anführungszeichen markiert. Bedenkt man die sonst exzessive Verwendung von Anführungszeichen bei Stolzenberger, mit denen er auch in Kleinigkeiten Antworten des Rabenclan e.V. von Informationen absetzt, die er für glaubwürdig hält, dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass hier kein Zitat vorliegt, sondern Stolzenberger die Buchbeschreibungen ohne kritischen Vorbehalt einfach übernommen hat. Die aristotelische Fähigkeit der rechten Unterscheidung (hier hinsichtlich ironischer Äusserungen) gehört anscheinend nicht zu seine Stärken.

(2) Ja, liebe Mitglieder der „Aufklärungsgruppe Krokodil“, auch neuheidnische Vereine sind eine "Institution".



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