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28.04.2017, 09:55

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Beltane 2006: Rückkehr in den Venushügel
Walpurgisnacht-Fest des Rabenclan e.V.
vom 28. April bis 1. Mai 2006

Vom 28.04. bis zum 01.05.2006 feierte der Rabenclan - Arbeitskreis für Heiden in Deutschland e.V. sein alljährliches Mai-Fest auf dem Rittergut im thüringischen Lützensömmern. Das Festmotto bezog sich auf den nahegelegenen Hörselberg, wo der Sage nach in einer Höhle Frau Venus lebt und dort mit ihren Besuchern "das abenteuerlichste Freudenleben führt".

Zu unserem Fest kamen diesmal 45 Teilnehmer aus allen Himmelsrichtungen angereist. Auf dem Rittergut warteten ein weitläufiges und abwechslungsreiches Gelände und ein bewundernswert ideenreich und stilsicher gestaltetes, mehrstöckiges Haus mit komfortabel bis ausgesprochen luxuriös gestalteten Bädern auf uns und boten nicht nur für die vorgesehenen Programmpunkte günstige Bedingungen, sondern inspirierten uns auch zu einigen spontanen Ideen.

Denjenigen, die als Erste den Festplatz erreichten, schien die Einrichtung eines gemütlichen Chill-Out-Area mit Matratzen, bunten Teppichen, Kissen und weichen Fellen die wichtigste Maßnahme zu Beginn des Treffens zu sein - eine offenbar sehr richtige Intuition, da der Platz umgehend zu einem gut besuchten Rückzugsort und beliebten Treffpunkt wurde. Nachdem im Laufe des Spätnachmittags und des Abends ein Großteil der Teilnehmer angereist war und sich jeweils häuslich eingerichtet hatte, zog es die meisten an die frische Luft. Eine gesellige Begrüßungsrunde um eine der schönen, amphitheaterartig angelegten Feuerstellen lud für erste Gespräche unter einer orangefarbenen Mondsichel ein. Bei Trommeln, Met und vielen interessanten Gesprächen verstrich die erste Nacht.

Die bunte Vielfalt der Rabenclan-Veranstaltungen entsteht traditionell durch die unterschiedlichen privaten Programm-Angebote, mit denen die Festbesucher vor Ort aufwarten. Es gibt so gut wie keine zentralen Programmpunkte und erst recht keine Teilnahmepflicht an irgendetwas. Das Veranstaltungsgeschehen lebt von der Eigeninitiative der Gäste, seien sie nun Vereinsmitglieder oder nicht: Ein jeder und eine jede wirbt für sein Vorhaben und schaut, wieviele Menschen er/sie für seine Idee gewinnen kann. Der Wettbewerb der Angebote ging am Samstagmorgen bereits früh los: Während die meisten nach der langen Nacht gerade erst aus ihren Betten taumelten oder noch schlaftrunken am ersten Kaffee schlürften, trafen sich einige Gesundheitsbewußte noch vor dem Frühstück, um auf der Wiese an TaiChi-Übungen teilzunehmen.

Am späten Vormittag waren die meisten dann doch wach, und so tat sich ein knappes Dutzend unternehmungslustiger Festbesucher zusammen, um einen "Kurztrip" zum 50 km entfernten Hörselberg und der berühmten Venushöhle zu unternehmen. Heinrich Heine hatte in seinem Essay "Elementargeister" die Erzählung von dem Dichter Tannhäuser und der Göttin Venus einem breitem Publikum bekannt gemacht und auch Wagner zu dessen berühmter Oper inspiriert. Allein der prächtige Ausblick zu den ersten Bergen des Thüringer Waldes und die Erkundung der engen, dunklen und glitschigen Höhle war die Fahrt zu diesem magischen und sagenumwobenen Ort wert.

Nach ihrer Rückkehr zum Rittergut stellte die Ausflugstruppe fest, daß Venus ihr Einflußgebiet längst bis zum Rittergut ausgedehnt hatte: Andere Festteilnehmer hatten ein besonders luxuriöses Marmorwannenbad in der mittleren Etage des Herrenhauses mit romantischem, weißem Netz-Baldachin, Rosenblüten, duftendem Potpourri, Kandelabern, Kelim-Teppichen, Ölen, Bade-Essenzen und allerlei weiteren Deko-Objekten liebevoll zu einem Venusbad umfunktioniert.

Die weiblichen Teilnehmer zogen sich nach dem Mittagessen zu ihrer mittlerweile traditionellen Frauenrunde zurück. Prompt wurde dort von einigen Frauen beschlossen, das Venusbad einer seinem Namen entsprechenden Nutzung zuzuführen. Gemeinsam mit einer Fotografin veranstalteten sie unter Ausschluß der männlichen und auch sonstigen Öffentlichkeit eine "erotische Fotosession". Durch die verschlossene Türe drangen dabei geheimnisvolle, sphärische Musik, Gekicher und heiteres Gelächter und erinnerten sehr an Heinrich Heines Worte über den Hörselberg: "Schon von weitem, wenn du dem Berge nahst, hörst du das vergnügte Lachen und die süßen Zitherklänge, die sich wie eine unsichtbare Kette um dein Herz schlingen und dich hineinziehen in den Berg."

Zwar waren diese berückenden Klänge wohl nicht bis in die Hecken und Wälder zu hören, in denen unterdessen einige Männer haufenweise Weidenzweige schnitten, die sie dann aufs Gelände schleppten. Sie hatten sich dem von Lugaddon vorgestellten Vorhaben angeschlossen, einen riesigen Weidenmann zu errichten, der in der Walpurgis-Nacht verbrannt werde sollte. Aber auch bei ihnen sprach sich bald herum, dass das so einladend hergerichtete Venusbad nicht nur zum Bestaunen da war. Was das für Folgen hatte, soll weiter unten berichtet werden.

Während die einen sich mit dem Weidenmann beschäftigten, zog es andere mehr zu schamanisch inspirierten Angeboten, und sie errichteten eine Schwitzhütte, deren Nutzung für die späteren Abendstunden vorgesehen war. Das Thema interessiert offensichtlich: Selbst Gäste einer anderen Tagungsgruppe, die sich das Gelände mit dem Rabenclan teilten, meldeten ihr Interesse an, hier mitzuwirken. Unterdessen nutzten die Leseratten beider Gruppen eine kleine Bibliothek mit ausgewählten Büchern und Zeitschriften, die Malte Brammer, Verwalter des umfangreichen Rabenclan-Archivs, für die Veranstaltung zusammengestellt hatte.
Feinschmecker besuchten dagegen die im Ritterhof eröffnete Frühlingsbar mit Bio-Weinen, Met und nichtalkoholischen Getränken, die sich rasch zum beliebten Raucher-Treffpunkt entwickelte und die passende Kulisse für die eindringlichen Balladen des Barden-Duos Chrys und Birkentochter hergab. Und im Erdgeschoss des Herrenhauses wurde mit wachsender Begeisterung das viele hundert Jahre alte Brettspiel Hnefatafl bzw. Brandubh gespielt.

Passionierte Strategen widmeten sich der Frage, wie man mit den zu Grunde gelegten Regeln das Spiel für die angreifende Partei leichter gewinnbar machen könnte. Eine knifflige Aufgabe, wie sie feststellen mussten. Auf ein richtiges Turnier wurde deshalb verzichtet.

Diese Hnefatafl-Figuren von Monika Sim waren sehr beliebt.

Während sich am späten Abend etwa ein Dutzend Gäste in der von Sven Körner geleiteten und von allen Teilnehmern sehr gelobten Schwitzhütte zusammenfanden, entwickelte sich am anderen Ende des Geländes eine spontane Musik- und Tanzrunde. Gitarren, Flöten, Geige, Djembe und Bodhrán wurden ausgepackt, um sich und die interessierten Zuhörer mit dem immer wieder riskanten Experiment zu konfrontieren, wenn ein Dutzend Musiker, die sich untereinander nicht kennen, das Wagnis unternimmt, einen Rhythmus, einen Sound und eine Harmonie zu finden - ein Experiment, das gelang.

Zur späten Stunde gab es schließlich für fast ein Dutzend Unverdrossene auch noch eine Märchenrunde: Nach Mitternacht las Berna Kühne-Spicer in der Kuschelecke des Herrenhauses nach kurzem Einführungsvortrag die lange angekündigten Märchen der heidnischen Mari (früher:Tscherkessen), einem finno-ugrischen Volk am Mittellauf der Wolga, vor. Ein Teil der Zuhörer entschwand nach diesem ereignisreichen Tag innerhalb weniger Minuten ins Land der Träume.

Den sonnigen Sonntagvormittag nutzten die Rabenmütter und -väter des Vereins, um sich über naturreligiöse Pädagogik und deren Nöte wie Freuden auszutauschen und der vereinseigenen Arbeitsgemeinschaft Rabeneltern neues Leben einzuhauchen. Anschließend wurde in der Festhalle das Projekt Sagaspiel gestartet. Hans Schuhmacher hatte zunächst eine einleitende Vorgeschichte verfaßt, die - orientiert an historischen Vorbildern der Island-Sagas - Tücken und Dynamiken der Saga-Welt illustrieren sollte. In einer Ausgangsituation mit zunächst 20 Charakteren und unter Berücksichtigung wesentlicher Informationen über Sozialstruktur, Wertehorizont und Rollenverständnis wurde ein Szenario geschaffen, das von den interessierten Teilnehmern eine eigene Ausgestaltung verlangte. Die weitere Handlung war vollkommen ungewiss und hing einzig und allein von der gänzlich improvisierten Interaktion der Beteiligten ab - ein wichtiger Unterschied etwa zum Rollenspiel. Mit viel Spaß und Gelächter entwickelte sich die Handlung, obwohl es mit heftigen Wortwechseln, Rivalität, Weissagungen, Verdächtigungen, Zweikampf, Entführung, Mord und Verfluchung schnell sehr dramatisch wurde.

Vigdis und Thorunn tanzen mit ThorgrimThorbjörn und seine Familie beim Jul-Festmahl

Die Handlung wird von Hans Schuhmacher im Stil einer Isländersaga aufgeschrieben und hier auf der Rabenclan-Website im Rahmen der Projekt-Dokumentation veröffentlicht. Die Fortsetzung des Spiels und damit der Saga ist für Samhain 2006 am gleichen Ort geplant.

Der restliche Sonntagnachmittag verging mit den Vorbereitungen für das allen Teilnehmern offenstehende abendliche Frühlingsmahl, das von der AG Bioessen organisiert worden war. Unter Bardengesang und weiterer musikalischer Untermalung wurde gegrillt, gekocht, gebacken und gebraten, was das Zeug hielt, während andere im Festsaal die Tische deckten und dekorierten. Wer sich nicht um das Festmahl sorgte, der ließ sich von der Idee faszinieren, dem Weidenmann zu einem mächtigen Aussehen zu verhelfen: Er erreichte unter Mithilfe vieler geschickter Hände die stattliche Höhe von 5m. Gleichzeitig erfreute sich das Venusbad zunehmender Beliebtheit - die Pärchen standen geradezu Schlange, um für unbestimmte Zeit in dieser "Höhle" zu verschwinden: Das große Fenster war weitgehend verdunkelt, Kerzen waren angezündet, exotische Düfte erfüllten den hohen Raum, erneut erklang sphärische Musik, und in der schönen Badewanne mit den goldenen Armaturen lockte wohlig warmes Wasser ...

Auf diese Weise kam dann der eine oder die andere leider, leider etwas später zum Frühlingsmahl. Wer rechtzeitig da war, der wurde mit gelassener Live-Musik von Flöte (Anette) und Geige (Larissa) begrüßt und erhielt aus einem großen Trinkhorn Holunderwein als Willkommenstrunk. Zu essen gab es Bio-Fleisch und Bio-Wurst von Demeter, russische Blini mit Sauerrahm, dem Anlass entsprechend obszön geformte Brotlaibe von unserem "vereinseigenen" Haus- und Hofbäcker, grandios leckeren, spanischen Ziegenkäse, Oliven, Nudelsalat, Pfannen voll gedünstetem Gemüse und als Nachtisch köstlichen Griespudding. Das Barden-Duo erfreute die Schmausenden mit zweistimmigem Gesang und Gitarrenspiel.

Als schließlich alle pappesatt waren, war die Verbrennung des Weidenmannes die Attraktion des weiteren Abends. Fast die gesamte Festgesellschaft zog es hinaus zu jenem Feuerstellenrund, das im hintersten Teil des Rittergutes mit Sitzstufen in einen künstlichen Hügel eingelassen ist. Dahinter stand der Weidenmann und wartete darauf, mit allem gefüttert zu werden, was wir Menschen an Hindernissen loswerden wollten. Ein fackelbeschienener Spiralgang führte jeden, der dem Weidenmann etwas zu übergeben hatte, in die Tiefe hinab und wieder heraus. Trommeln und tief vibrierende Didgeridoo-Töne begleitete ihn auf seinem Weg zum Weidenmann, und wer dem Weidenmann Frust oder Wut entgegenschrie, dem antwortete vielfach verstärkt das Rund der Mitfeiernden. Bei der anschließenden Verbrennung des Weidenmannes leistete dieser zwar erheblichen Widerstand, doch es nutzte ihm nichts - am Ende war nur noch Asche von ihm übrig.

Es wurde noch eine lange, sternklare Nacht voller seltsamer Vorgänge rund um die Feuerstelle, in deren Widerschein über dem Hügel man bemalte Gestalten in aufreizendem Trommelrhythmus ekstatisch tanzen sah. Noch am Montagmorgen um sieben war das Venusbad in Benutzung ...

Der Montagvormittag verging mit den üblichen profanen Aufräumarbeiten. Es fiel schwer, diese angenehme Gemeinschaft von Gleichgesinnten zu verlassen. Manch einer zögerte seine Abreise so lange wie nur möglich hinaus, selbst um den Preis eigentlich verhasster Arbeiten, die noch zu erledigen waren.

Unser herzlicher Dank gilt allen Teilnehmern dieses Festes, Vereinsmitgliedern wie Gästen. Es war offensichtlich, dass sich jeder einzelne als Teil der Festgemeinschaft begriff und sich überall entsprechend seinen Möglichkeiten, Fähigkeiten und Interessen einbrachte. Es waren unvergessliche Tage voller wunderbarer Momente, intensiver Gespräche und inspirierender Begegnungen, an denen jeder einzelne Teilnehmer seinen unverzichtbaren Anteil hatte.

Nicht weniger Dank verdienen Stefan Weniger und sein nettes Team vom Rittergut Lützensömmern, die uns entspannte, freundliche und sehr entgegenkommende Gastgeber waren. Die innenarchitektonischen Lösungen des Herrenhauses und der rusikale Fachwerk-Charme des Festsaals bewirkten so manches Ah! und Oh!, die gärtnerische Hofgestaltung stieß bei den anwesenden Fachleuten auf enthusiastische Zustimmung, das Essen war reichlich und lecker – für uns jede Menge Gründe, wie geplant zu Samhain 2006 zurückzukehren. Wer wie wir nicht nur vielfältige Aktivitäten an der frischen Luft unternehmen und dabei sehr individuell untergebracht sein möchte, sondern auch alternatives Wirtschaften und liebevolle Fachwerk-Restaurierung unterstützen möchte, dem sei das Rittergut Lützensömmern (Tel.: 036041 - 41914) wärmstens empfohlen!


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