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20.07.2012, 12:20

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"Götter und Menschen"
Workshop zu Grundlagenfragen
heidnischer Traditionen

8. bis 10. August 2008, Köln


In welchem Sinne ist die Behauptung, dass Griechen und Römer keine Religion kannten, plausibel? Warum gibt es den Begriff "Hindu" als Religionsbezeichnung im heutigen Sinne erst seit Beginn des 19. Jahrhunderts - und wieso gab es zuvor nichts Vergleichbares an seiner Stelle? Und wie kann es sein, dass in einer deutschen Übersetzung eines Verses aus der Bhaghavad-Gita von einer "Wunschkuh" die Rede ist, während es in der englischen Version der gleichen Textstelle sinngemäß heißt, dass "selbstloser Ritualdienst zur Erfüllung des Verlangens führt"? Mit solchen Fragen befassten sich die Teilnehmer eines theoretischen Workshops vom 8. bis 10. August 2008 in Köln, der vom Rabenclan e.V. und der Kulturinitiative "Dritter Ort" veranstaltet wurde.

Wie schon im Oktober des letzten Jahres, in dem ein erster Workshop dieser Art stattfand, führte auch dieses Mal der Kulturtheoretiker Dr. habil. Narahari Rao durch das gemeinsame Nachdenken. Rao, der aus Indien stammt, hat bereits durch seinen eigenen kulturellen Hintergrund auf Phänomene, die man als "heidnisch" oder "naturreligiös" einordnen könnte, einen anderen Blick als die Workshop-Teilnehmer. Darüber hinaus befasst er sich in seinen Arbeiten seit vielen Jahren mit der Frage, inwiefern kulturell vermittelte Kategorien das Verständnis anderer Kulturen prägen und womöglich verzerren.

Während im letzten Workshop die Frage im Zentrum stand, wie Rituale und die für naturreligiöse Traditionen eigentümlichen personalen Beziehungen zu Pflanzen, Tieren und Gegenständen zu einem guten und gelungenem Leben beitragen, lautete das Thema diesmal: "Götter und Menschen". Im Zuge der Esoterik-Welle wurden Götter wieder populär, oft allerdings in verflachter, trivialisierter oder psychologisierter Form. Wir wollten in unserem Workshop folgenden Fragen nachgehen: Was macht Götter aus? In welcher Welt leben Götter und Menschen, wenn wir in einer Welt der Götter leben (oder leben würden)? Warum haben Götter Schwächen und Grenzen? Was heißt es, wenn Götter ihre Grenzen überschreiten? Wie hängt das mit dem zusammen, wenn Menschen ihre Grenzen überschreiten? Eine Auswahl der vielschichtigen Gedankenstränge, die der Workshop nachging, sollen in diesem kursorischen Bericht referiert werden. Der hier skizzierte Gedankengang kann den inhaltlichen Diskussionsverlauf lediglich andeuten.

Am Freitagabend wurde vorbereitend der Grundstein für die weiteren Überlegungen der nächsten beiden Tage gelegt. Die Teilnehmer diskutieren über die Frage wie kulturell überkommene Unterscheidungsgewohnheiten bei der Erzeugung unterschiedlicher Welten, in denen man lebt, eine Rolle spielen und wie das Studium der Vergangenheit oder fremder Kulturen einen Beitrag leisten kann, neue Welten zu erzeugen. Dementsprechend wurden am Samstagvormittag als Einstieg und zum Verständnis von Handlungen zentrale Unterscheidungen der westlichen intellektuellen Tradition untersucht. Als Ausgangspunkt diente ein klassischer Text der philosophischen Diskussion in Deutschland zur ökologischen Ethik (Dieter Birnbacher: "Sind wir für die Natur verantwortlich?", 1980), der solche Unterscheidungen präzise und klar zur Lösung einer ethischen Problematik einsetzt.

Die von Birnbacher aufgeworfene Frage lautet: Hat man als Mensch der Natur gegenüber Verantwortung um ihrer selbst Willen oder nur aus anthropozentrischen Erwägungen heraus, etwa aus Verantwortung den zukünftigen Menschengenerationen gegenüber? Die in seinem Text thematisierten Problemfelder kreisten um die Fragen:
1. Hat die Natur überhaupt einen "Wert an sich"? Was ist ein "Wert an sich"? Gibt es überhaupt so etwas wie zweck- und damit nutzlosen, aber dennoch immanenten Wert?
2. Welche Motivation bräuchte der Mensch, um der Natur gegenüber verantwortungsbewusst zu handeln? Erfordert Handeln überhaupt grundsätzlich Motivation?
3. Erliegt, wer der Natur einen Wert an sich zuspricht, einem "naturalistischen Fehlschluss", wird also aus einer Tatsache (Ist) ein Ideal (Soll) abgeleitet?

Die Lektüre des Textes knüpfte damit zwanglos an die Diskussion des vorangegangenen theoretischen Workshops an, in dem unser ethisches Verhältnis zur "Natur" ein zentraler Reflexionsgegenstand war.

Um die grundlegenden begrifflichen Unterscheidungen besser zu verstehen, die den von Birnbacher aufgeworfenen Fragen zugrunde liegen, wurde seine Analyse mit der Lektüre von Texten kontrastriert, die summarisch die Beschreibungen der Fachwissenschaft zu antiken heidnischen Traditionen und zum Hinduismus wiedergeben. Es handelte sich um die Einträge der Encyclopaedia Britannica zur "Griechischen" bzw. "Römischen Religion" und zum "Hinduismus". Vor allem interessierten die dort verwendeten Beschreibungen zu Handeln und Motivation.

Als Destillat dieser Beschreibungen wurde festhalten:

Griechisch-römische Kultpraxis:
Ein Begriff von Religion im modernen Sinne existiert nicht. Bekenntnis und der richtige Glaube an ein Set von Überzeugungen sind nicht relevant für die religiöse Praxis. Richtiges Handeln hat höchste Priorität, wird aus der Beschaffenheit des Menschen ganz selbstverständlich abgeleitet (-->Aristoteles). Die tatsächliche Motivation als auch Überzeugung hinter dem Handeln scheinen weniger zu interessieren, wenn es um die Bewertung einer Handlung geht. In Rom wurde Wert darauf gelegt, dass Kulthandlungen äußerst sorgfältig und ehrfürchtig (siehe Bedeutung des Wortes "religio") und eigentümlich sachlich ("superstitio"!) durchgeführt wurden. Die Handlung wird voller Konzentration zelebriert, ihrer Bedeutung wird wenig bis keine Aufmerksamkeit gewidmet.

Hinduismus:
Bemerkenswerterweise weist die Beschreibung des Hinduismus Ähnlichkeiten mit denen der griechischen und römischen "Religion" auf. Auch hier scheint die Motivation oder ein Set an Überzeugungen nicht zentral für die Beschreibung von "religiösen" Handlungen zu sein: "The core of religion does not depend on the existence or nonexistence of God or on whether there is one god or many. (...) Moreover, the tendency of Hindus to distinguish themselves from others on the basis of practice (orthopraxy) rather than of doctrine (orthodoxy) further de-emphasizes doctrinal differences."
("Hinduism" - Encyclopaedia Britannica Article)

Um ein besseres Verständnis dieses Verhältnisses von Handlung und Motivation zu erreichen, untersuchten wir daraufhin einen Dialog zwischen dem Fürsten Arjuna und Krishna aus der Bhagavad-Gita (ein klassisches philosophisches Lehrgedicht, das vermutlich zwischen 500 und 200 v.u.Z. in Indien entstanden ist). Es wurde ersichtlich, dass in diesem für die indische Kultur einflussreichen Text nicht nur davon ausgegangen wird, Handeln ohne Motivation sei möglich, sondern es sogar regelrecht gefordert wird: Opferhandlungen sollen absichtslos ausgeführt werden, also ohne Anliegen, ohne Bitte. Über die absichtslos, aber sorgfältig und regelmäßig vollzogene Handlung wird einem bestimmten Ethos Genüge getan. Dieser Ethos entwickelt sich erst über die Handlung, wird durch sie eingeübt, verinnerlicht. Er ist nicht Vorbedingung für die Handlung. Es wird außerdem ausdrücklich festgestellt, dass alle Wesen ihrer Natur entsprechend handeln (was Ähnlichkeiten mit antiken Verknüpfungen von Ethos und Natur eines Wesens aufzuweisen scheint, wie wir sie etwa von Aristoteles kennen).

Eine weitere Ähnlichkeit findet sich für das Agieren von Göttern und Menschen, wie es in der Textstelle beschrieben wird. Es scheint dem römischen "do ut des" verwandt: Mit dem richtigen Handeln dem anderen gegenüber erwerben sich beide ein Anrecht auf die angemessene Gegenreaktion des anderen. Der Mensch opfert der Gottheit und ernährt sie so, dafür schafft die Gottheit jene Bedingungen, in denen der Mensch für sie und sich selbst zu sorgen in der Lage ist. Es handelt sich um eine gegenseitige Abhängigkeit, eine Symbiose, wenn man so will. Niemand kann den Willen des anderen ignorieren, ohne sich damit selbst zu schaden.

Es geht hier nicht darum, ob diese Rekonstruktionen der antiken bzw. hinduistischen Kultur zutreffend sind oder nicht, sondern lediglich um die Tatsache, daß hier seitens der Forschung eine Spannung zu jenen Beschreibungen menschlichen Verhaltens auftaucht, wie sie in der intellektuellen Reflexion heute verbreitet ist. Nun war besser zu verstehen, wie Birnbacher Handlungen auf eine Weise rekonstruiert, deren Logik aufgrund ihrer Verbreitung heute stillschweigend als gültig vorausgesetzt wird: Seiner Darlegung liegt die unausgesprochene Annahme zugrunde, daß jede Handlung aus einer Norm abgeleitet ist. Doch diese Rekonstruktion muss jedoch nicht generell und in jedem Fall die beste Methode zur Erklärung menschlichen Handelns sein muß: Ein klassisches Beispiel dafür ist der Spracherwerb: Kein Kind lernt seine Muttersprache durch das Lernen grammatischer Regeln; die Regeln werden meist erst in der Schule aufwändig erlernt.

Meisterschaft in einer Fertigkeit besteht darin, komplexe Handlungen auszuführen, die jenseits eines Sets von Regeln sowohl ausgeübt als auch adäquat beschrieben werden können. Es ist sinnvoll, zwischen Handlungen zu unterscheiden, die entweder unseren Dispositionen entsprechen und oder die in Übereinstimmung mit ausdrücklich formulierten Regeln oder Normen stehen, und diese beiden Handlungsarten auch klar voneinander abzugrenzen. Die heute übliche, analytische Trennung zwischen einer Handlung, die sich beschreiben lässt, und einer Norm, an der sich diese Handlung - angeblich "implizit" - orientiert, ist also selbst eine theoretische Konstruktion, die nicht selbstverständlich und auch nicht für jeden Handlungstyp zwingend ist.

Auch eine weitere unhinterfragte Voraussetzung in dem Birnbacher Text konnte nun zum Diskussionsgegenstand werden: Die klassische Unterscheidung und Unüberführbarkeit von Sein in Sollen, die mit dem, wie die Forschung die Denkungsart der griechisch-römischen wie "hinduistischen" Tradition beschreibt, in eigenartigem Konflikt zu stehen scheint. Auch hier ist gar nicht klar, ob diese Unterscheidung immer sinnvoll ist: Anhand von Alltagsbeispielen analysierten die Workshop-Teilnehmer Lebensbereiche, in denen das Diktum der Nichtüberführbarkeit zwischen Sein/Sollen nicht so selbstverständlich und sinnvoll erscheint, wie die neuzeitliche moderne philosophische Tradition behauptet: Rollenzuschreibungen, Begriffe wie krank/gesund und vieles mehr.

Im Fortgang der Diskussion wurde dann untersucht, inwieweit die ernüchternde Konsequenz des Birnbacher Textes, daß nur eine anthropozentrische Version ökologischer Ethik möglich ist - "Natur" also niemals einen Wert an sich hat - unweigerliche Folge der verwendeten zentralen Unterscheidungen ist.

Der zweite Tag des Workshops konzentrierte sich auf die Frage, wie das Vorgehen eines Handwerkers beim Herstellen eines Gegenstands auf verschiedene Weise beschrieben und als Modell benutzt werden kann, um kulturell unterschiedliche Verhältnisse zwischen Menschen und einem Gott/mehreren Göttern zu analysieren. Dies sollte dazu dienen, die an diese Verhältnisse gebundenen Kosmologien, Weltsichten und Umgangsweisen mit der Welt zu verstehen. Es wurden zwei Beschreibungsarten herausgearbeitet, beide uns wohlvertraut sind. Die erste Beschreibungsart handwerklicher Schöpfung geht davon aus, dass vor der Schöpfung die Idee steht, der gemäß dann das Produkt geschaffen bzw. (um-)geformt wird. Es liegt gewissermaßen ein fertiges Design im Geist des Schöpfers vor, das dann 1:1 umgesetzt wird. Der Gestaltungsprozess ist abgeschlossen, wenn die vorliegende Idee vollständig umgesetzt ist.

Ohne die Materie jedoch kann sich die Idee nicht manifestieren. Eine Idee, die sich nicht in Materie manifestieren kann, ist sinnlos, weil sie nicht wirken kann. Die Idee ist also auf die Materie angewiesen. Zum Formen der Materie nach dem Vorbild der Idee wird als Instrument der entsprechende Wille notwendig. Bei der Übertragung der Idee auf die Materie wird ein gestalterischer Wille durchgesetzt. Die Materie wird hier als Objekt betrachtet, die Idee als fest vorgegeben und unbeeinflussbar. Diese Beschreibung kann als das Designermodell der Herstellung beschrieben werden.

Das zweite Schöpfungsprinzip beruht auf der Annahme, dass bei der Gestaltung der Materie keine fertige Idee als Vorlage diente, sondern Idee und Materie sich im Gestaltungsprozess fortwährend gegenseitig inspirieren. Es findet keine einseitige Willensdurchsetzung seitens des Schöpfers statt, sondern das Material kommuniziert mit seinem Gestalter und andersherum. Das Ende des Gestaltungsprozesses ist unbestimmt, es kann unter Umständen als unendlich angenommen werden. Als Beispiel können der (Kunst-)Handwerker und der Künstler dienen, deren zu schaffendes Objekt seine Form erst in Kommunikation mit dem Material während des Schaffensprozesses entwickelt. In manchen Fällen liegt nicht einmal eine Ausgangsidee vor, sondern es wird rein intuitiv gearbeitet. Es ist schwierig, diesen Prozess mit jener Rekonstruktion menschlichen Handelns in Einklang zu bringen, die Handeln als grundsätzlich normgeleitet ansieht.

Um den Schöpfungsprozess zwischen einem Gott und der Welt besser zu verstehen, können nun diese Herstellungsmodelle herangezogen werden. Während in dem einen Modell der Schöpfer das Design einer Welt entwirft, dessen Regeln sowohl in Kultur wie in Natur ein für allemal gesetzt sind ("Naturgesetz"), ist gemäß des anderen Modells ein Schöpfungsprozess am Werk, bei dem die Welt mit dem Schöpfer "kommuniziert" und interagiert. Die Verschiedenheit der beiden beschriebenen "Schöpfungsverfahren" schlägt sich im Verhältnis der Menschen zu ihrem Schöpfer nieder. Sind der Mensch und die Welt, in der er lebt, im zuerst beschriebenen Fall als Objekte auf den guten Willen ihres Schöpfers angewiesen, ohne mit ihrem eigenen Willen auf die Gestaltung Einfluss nehmen zu können, so ist folgerichtig das menschliche Verhalten auch eher passiv angelegt. Der Schöpfergott ist hier ein Herrscher, dessen Wille immer Vorrang hat vor dem der Menschen. Er macht die Regeln. Die Menschen haben sich daran zu halten, er selbst jedoch nicht. Man kann von diesem Schöpfergott zwar Wohlwollen erbitten und erhoffen - aber ein Anrecht darauf erlangt man nicht einmal durch strengstes Wohlverhalten. Das Verhältnis ließe sich als ein autokratisches charakterisieren.

Im zweiten beschriebenen Fall dagegen ist nur festgelegt, was bereits geschehen ist. Die weitere Entwicklung ergibt sich aus der Interaktion von Idee und Materie, also z.B. von Gottheit und Mensch. Offenkundig wäre eine Weltsicht, die sich an diesem dynamischen Modell orientiert, eine andere als jene, in der es jene ewigen Gesetze der Natur gibt, wie sie bei der Geburt der modernen Wissenschaft im 17./18. Jahrhundert angenommen wurden.

Die Metapher "Kommunikation mit der Materie" leitet zu einer weiteren Möglichkeit über, das Verhältnis Mensch versus Götter nachzuvollziehen. Wenn gesagt wird, daß Materie mit dem Handwerker/Künstler "kommunziert", so wird hier eine Beschreibung des Verhältnisses zwischen Ding und Mensch verwendet, die auch schon im ersten Workshop (Bericht siehe hier) eine zentrale Rolle spielte: Etwas, was in unserer modnernen Weltsicht nur eine Sache sein kann, wird mit Zuschreibungen versehen, wie wir sie bei Personen verwenden.

Kommunikation ist eine wechselseitige Handlung, die eigene Absichten und ein eigenes Verständnis der Worte auf beiden Seiten der Kommunikation voraussetzt. In heidnischen Kulturen begegnete die Welt dem Menschen in personifizierter Form und kommunizierte mit ihm. Es waren jene Kräfte/Mächte, die zugleich als selbstbestimmte Personen agierten als auch für Phänome standen, die wir als Aspekte der Funktionsweise der Welt betrachten: Sexualität, Kultur, Tod, Meeresstürme usw. beeinflussen das Leben der Menschen ganz entscheidend.

Die wechselseitige Abhängigkeit zwischen den rechten Handlungsweisen der Menschen und Götter, wie wir sie oben in Bezug auf Passagen in der Bhaghavad-Gita thematisierten, kann ein Hinweis darauf sein, daß in Kulturen, in denen solche Kräfte/Mächte eine Rolle spielen, ein fundamental anderer Dingbezug und auch eine andere Art und Weise, Welt zu erzeugen, vorhanden war. Ist der Bezug des Menschen zur Welt und zu den Dingen in polytheistischen Kulturen also ein grundsätzlich anderer als der in monotheistischen Kulturen? Setzt unsere moderne Weltsicht und Wissenschaft nicht nur historisch, sondern auch ontologisch einen monotheistischen Schöpfergott voraus? Wie fremd sind uns polytheistische Kulturen wirklich?

Wenn wir fragen, wie unser fundamentaler Bezug zu den Dingen in der Welt oder (wie Birnbachers Frage war) zur "Natur" aussieht, so ist das eng verküpft mit der Frage nach einem guten, erfüllten, also befriedigenden Leben verknüpft. Was ein gutes, befriedigendes Leben ist, darüber gehen die Sichtweisen in unterschiedlichen Lebensmilieus und Kulturen auseinander. Unterscheidungen von Handlungsbereichen und Handlungsweisen spielen dabei eine entscheidende Rolle. In der Antike gab es z.B. den Unterschied zwischen notwendigen und schönen Künsten, die beide zum guten Leben gehörten. Die abendländische Kultur lehrt den Unterschied zwischen "materiellen" und "geistigen" Bedürfnissen. Schon diese beiden Kategoriepaare sind kaum miteinander vergleichbar, weil sie völlig unterschiedlichen Unterscheidungsgewohnheiten folgen. Um wie viel schwieriger wird das Verständnis da erst für Kulturen, die geschichtlich noch weiter zurück oder außerhalb Europas liegen!

Beim Streben nach einem guten, erfüllten Leben heißt es jedenfalls herauszufinden, was man als Bereicherung des eigenen Lebens empfindet. Das lernt man durch Erfahrung: Trial and error, Versuch und Irrtum. Es scheint genau wie bei der Ausbildung zum Handwerker zuzugehen: Erst wenn man das Handwerk richtig beherrscht, erfährt man volle Befriedigung daraus.

Der Workshop endete mit dem Ausblick auf zwei Fragen, die auf einer Folgeveranstaltung anläßlich der jährlichen Hauptversammlung des Rabenclans im November behandelt werden sollen:

1. Gibt es überlieferte, lebensbereichernde Tätigkeiten, die neu entdeckt werden wollen?

2. Ist die klassische Trennung von Magie und Wissenschaft, von Geist und Materie tatsächlich so gültig wie heute gemeinhin behauptet?

So weit ein Ausschnitt aus dem Spektrum der in der Diskussion geäußerten Gedanken. Der hier skizzierte Gedankengang kann den inhaltlichen Diskussionsverlauf lediglich andeuten. Es versteht sich von selbst, daß nicht unbedingt jeder Aspekt dieser Überlegungen von allen Workshop-Teilnehmern (inklusive des eingeladenen Referenten) geteilt wurde.

AG Bahnhof

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2. Mai 2013: Ein Vertreter des Vereins nahm am 34. Deutschen Evangelischen Kirchentag an einer Podiumsdiskussion zu der Frage teil: Führt Neuheidentum zu Rechtsextremismus? Veranstalter war die Arbeitsstelle Weltanschauungsfragen der Ev.-Luth. Kirche in Norddeutschland. Mehr Infos hier.

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