Rabenclan

Verein zur Weiterentwicklung heidnischer Traditionen e.V.

Heidentum
Hans Schuhmacher Germanische Frau Einleitung
28.04.2017, 09:55

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Kapitel 1: Einleitung

Man mag sich vielleicht fragen, warum ein primär kulturhistorischer Beitrag im Ariosophieprojekt erscheint. Tatsächlich gibt es dafür einen wichtigen Grund: ich möchte hier einige Aspekte der germanischen Kultur ansprechen, die vom zeitgenössischen Neuheidentum entweder völlig übersehen oder nur am Rande rezipiert wurden, in diesem Falle, wie ja auch zu erwarten stand, in inkompetenter und verfälschter Weise. Wie diese merkwürdige Behandlung dieser keineswegs nebensächlichen Aspekte mit anderen dort vorherrschenden Tendenzen zusammenhängt, möchte ich ebenfalls erläutern. Weiterhin bietet diese Diskussion denjenigen Lesern, die mit der Germanenthematik eher unvertraut sind, einen Einblick in die gewaltige Kluft, die zwischen der Hinterlassenschaft der germanischen Kultur einerseits und dem Germanenbild der sogenannten "Heidenszene" andererseits besteht. Schlussendlich möchte ich noch auf einige Möglichkeiten hinweisen, die diesen kulturhistorischen Aspekten für spirituelle und soziale Praxis jenseits des derzeitig praktizierten Neuheidentums innewohnt.

Neuheiden

Im Zusammenhang mit der Thematik meiner vorliegenden Arbeit entstehen innerhalb wie außerhalb des Rabenclans einige interessante Initiativen, die hauptsächlich von Frauen initiiert wurden und getragen werden.* Gäbe es derlei Bestrebungen nicht, wäre diese Arbeit nicht entstanden. Ich sehe sie bezüglich dieser Initiativen als Einstiegshilfe und Diskussionsgrundlage und möchte diese sozial-spirituellen Projekte gern in dieser Form beim dort beabsichtigten Rückgriff auf die germanische Kultur unterstützen, ohne aber freilich determinierend "Vorgaben" zu liefern - das wäre in jeder Hinsicht unangemessen. Es handelt sich dort nicht um rückwärtsgewandte Romantisierungen und dergleichen Unfug, sondern um sehr gegenwartsbezogene Initiativen zur Erarbeitung von Lebens- und Gemeinschaftsgestaltung. Deren gesellschaftspolitische Orientierung bedarf angesichts der Kooperation mit dem Ariosophieprojekt, wie ich hoffe, keiner besonderen Erläuterung.

In den vergangenen Jahren habe ich derlei Erörterungen wohlweislich unterlassen, da mir nur allzu bewusst war und ist, was Neuheiden mit solchen Informationen anrichten. In den vorherigen Arbeiten dieses Projekts konnte gezeigt werden, wie Theosophiederivate und völkische Biorobotik Kontext und Zusammenhang von Informationen zertrümmern, sie mit teilweise dreistesten Erfindungen anreichern und sie in den ideologischen Apparat integrieren, den sie darstellen. Freilich ist das auch jetzt nicht zu verhindern. Der Schaden hält sich jedoch in Grenzen, wenn andernorts eine Praxis entsteht und publik wird, die im krassen Gegensatz zur "Heidenszene" steht, denn dann werden die dortigen Missstände endlich auf diejenigen zurückfallen, die sie verursachen und mittragen - sofern sie dort als Missstände anzusehen sind und nicht etwa das eigentliche Wesen des Neuheidentums ausmachen; ein Verdacht, der sich aufdrängt.

Allerdings ist damit zu rechnen, dass auch der deutlichste denkbare und praktikable Gegensatz, wie der hier vorgestellte, einige Teile der Öffentlichkeit nicht daran hindern wird, auch weiterhin düstere Verschwörungen zu wittern und anzuprangern, wo in Wirklichkeit komplexe Zusammenhänge sind, und heimliche Einigkeit selbst dort zu unterstellen, wo seit Jahren eine scharfe Auseinandersetzung geführt wird. Wer lesen kann, ist nur dann klar im Vorteil, wenn er nicht Klischees bedienen möchte. Selbstverständlich ist hier nach wie vor an erster Stelle jene politische Szene zu nennen, die im Politjargon mit "Antifa" bezeichnet wird, mit deren notorischer Feindseligkeit gegenüber jeder Denk- und Lebensweise, die nicht von ihr abgesegnet ist, man weiterhin wird leben müssen. In gewisser Weise verteidigt die Antifa durchaus erfolgreich christlich-abendländisches Kulturerbe, insbesondere das der Puritaner und anderer calvinistischer Gruppierungen der Frühen Neuzeit, es fragt sich nur, gegen wen.

Nachdem ich nunmehr zur historischen Bildung der Antifa beigetragen habe, indem ich einige ihrer Mitglieder dazu veranlasse, das Wort "Puritaner" nachzuschlagen (aufgrund des Wortes "germanisch" im Titel wird dieser Text nämlich dort gelesen werden), möchte ich keinesfalls versäumen, dem Journalisten Hugo Stamm meine Dankbarkeit zu versichern, auf dessen schon älteres Werk "Im Bann der Apokalypse - Endzeitvorstellungen in Kirchen, Sekten und Kulten"(1998) ich erst vor kurzem aufmerksam gemacht wurde. Dankbar bin ich ihm, weil ich mich in verschiedenen früheren Beiträgen kritisch über die "Leistungen" seines Berufsstands bezüglich unserer Thematik äußern musste, dabei aber nur ungern hart arbeitende Menschen derart scharf anging. Herr Stamm jedoch hat mich (wenn auch sicher unfreiwillig) über meinen grundlegenden Irrtum aufgeklärt, indem er in seinem oben genannten Buch implizit seine professionelle Recherchetechnik dokumentierte. Es gelang ihm, obwohl er einige Sätze aus einem meiner frühen Artikel wiedergab, den Artikel dennoch nicht zu verstehen, die anderen Artikel zu ignorieren, mich mit dem damaligen Webmaster des Rabenclans zu verwechseln, uns beide für Wicca zu halten und schlussendlich die Nähe des Rabenclans zu eben jenen Gruppierungen anzudeuten, mit denen dieser sich auseinander setzte:

"Die Armanen stoßen mit ihren extremen Ideen sogar bei einzelnen neuheidnischen Gruppen auf Ablehnung. Die Verklärung und Propagierung der Armanen-Ideologie und der Ariosophie geht beispielsweise der Wicca-Vereinigung Rabenclan, die zu den gemäßigten Hexen-Gruppen gehört, zu weit. In einem Artikel vom November 1996 schreibt die Hexen-Vereinigung, die Instrumentalisierung der mit dem Armanen-Orden assoziierten heidnischen Gruppen sei das Resultat einer Täuschung der Neuen Rechten und der Neo-Armanen." (1) Es folgt eine Passage aus "Ariosophie - ein Überblick".

Die einzig sinnvolle Erklärung für all das, die Existenz "gemäßigter Hexengruppen" und die Kategorisierung des Rabenclans als solche mit inbegriffen, ist eine "Recherche", die stattfindet, nachdem das Gesamtbild für den Autor bereits feststeht, nicht etwa vorher. Da ich mit Wissenschaft vertrauter bin als mit Journalismus, war mir dieser Arbeitsgrundsatz schlicht nicht bekannt, wie ich freimütig eingestehe.

Allerdings muss man Herrn Stamm zugute halten, dass 1998, als die zweite Auflage seines Buches erschien, die Verwirrung der professionellen Berichterstatter insgesamt noch sehr groß war und er zu den sehr wenigen gehörte, die den Rabenclan überhaupt erwähnten. Auch hier befand ich mich anscheinend in einem fundamentalen Irrtum, denn ich hatte "Journalismus" bisher vage mit "Aktualität" in Verbindung gebracht und wusste nicht, dass es vier Jahre dauert, bis dort etwas bekannt wird. Etwa um dieselbe Zeit fand es beispielsweise Franziska Hundseder noch richtig, den Rabenclan und das Ariosophieprojekt völlig zu ignorieren und die politische Affiliation des verurteilten Neonazis Arnulf Priem damit illustrieren zu müssen, dass sie ihn als putenkeulenfrühstückenden Spätaufsteher darstellte. Ich bin darauf bereits damals eingegangen.

Vielleicht bedarf eine Gesellschaft, deren zentrales Element, um es mit Michel Foucault zu sagen, die Normalisierungsmacht ist, eines Journalismus, der die Bestiarien des Unnormalen erstellt und bei der fortwährenden Produktion einer Delinquenz des Abweichlertums mitwirkt. Mit Sicherheit ist dies eine Frage, die wir nicht aus dem Auge verlieren sollten.

Darf ich aber Herrn Stamm inhaltliche Fehler überhaupt vorwerfen angesichts der viel gravierenderen Fehlleistungen anderer, die in jeder Hinsicht aus erster Hand Zugang zu allen Informationen hatten und alle hier beschriebenen Prozesse mitverfolgten? Ich spreche von denjenigen meiner ehemaligen Mitstreiter bei der Nornirs Aett (2), die neuerdings "Aktualisierungen" meiner Texte hervorbringen, deren Kommentierung sich hier schlicht verbietet. Warum die Nornirs Aett es für richtig hält, auf diese Weise zu demonstrieren, dass sie selbst nichts vorzuweisen hat, entzieht sich meiner Kenntnis, und dass man dort die Inhalte, die man angeblich vertritt, nicht einmal inhaltlich korrekt abschreiben kann, schockiert mich. Vielleicht ist es der frenetische Lärm, mit dem der Eldaring e.V. (3) eine Neutralität herausposaunt, wo es keine geben kann, der bei der Nornirs Aett eine Art Betäubung auslöst, schließlich umarmt sie ihn ja fortwährend. Vielleicht zeitigt das fröhliche Mettrinken mit den Freunden und Jüngern des Arun-Autors GardenStone daselbst ungeahnte Folgen, auf alle Fälle jedoch findet allmählich zueinander, was zueinander gehört.

Wie man sich einen solchen Prozess des Zueinanderfindens vorstellen kann, beschreibt Matthias Pöhlmann in seinem Bericht "Hexen und Heiden im Hinterzimmer" (4), den ich denjenigen Lesern sehr zur Lektüre empfehle, denen "Heidentreffen" mit solchen Protagonisten bisher erspart geblieben sind -sie sind alles andere als ergötzlich, der Bericht hingegen ist es. Allerliebst sieht man daselbst abgeschildert, wie sehr man dort mit sich ringt, wenn es gilt, sich wenigstens zum Arun-Verlag kritisch zu äußern - die Anstrengung war sichtlich so groß, dass man nicht mehr die Kraft fand, die anwesenden Mitglieder des Odinic Rite nach der Rolle des ehemaligen NPD-Aktivisten Thilo Kabus (heute für die DVU Brandenburg tätig) in seinen Reihen zu fragen. Sollte dieses Treffen die Bildung eines neuen Stammtisches nach sich ziehen, empfehle ich eine große Plastik der berühmten Heiligen Drei Affen als Tischschmuck. Wenn Matthias Pöhlmann mit der Bemerkung schließt, dass solche Heiden auch im übertragenen Sinne noch lange im Hinterzimmer bleiben werden, so kann ich ihm nur beipflichten und möchte hinzufügen, dass sie allesamt dort auch hingehören.

"Hat diese Spiritualität Zukunft?" fragt Matthias Pöhlmann und befindet: "Wohl kaum." Ganz kann ich mich ihm hier nicht anschließen. Die "Heidenszene" als Szene verfügt über ihren eigenen Magnetismus und befriedigt durchaus einige Bedürfnisse mancher Zeitgenossen. Zukunft hat diese Spiritualität insofern, als sie noch lange - metaphorisch und physisch - in Hinterzimmern ihren Passionen frönen und ihre Lieblingsspiele spielen kann. Gejammer und Streitereien sind in diesem Umfeld nichts Krisenhaftes, sie sind im Gegenteil der Heidenszene ebenso inhärent wie die schiefe Ebene, auf der fortwährend alles nach rechts rutscht, die Vorherrschaftsansprüche und die sinnentleerten Board-Diskussionen. Die Heidenszene und ihre Organisationen haben keinen Zweck, sie sind Zweck, und der Weg, immer im Kreis herum wie auf dem Kinderkarussell, ist hier wahrhaftig das Ziel. Man täusche sich nicht: die Kosmologien, rassistisch oder nicht, die Gottheiten, die Kulturen, auf die man sich angeblich bezieht, sind nur Dekoration und Kirmesmusik.

Langsam aber sicher wird der Heidenszene aber entrissen, was sie sich angeeignet hat. Der Prozess, der mit der Gründung des Rabenclans begann, schreitet fort und ist mittlerweile im Begriff, eine gelebte Spiritualität hervorzubringen, die nichts mit dem Heidentum der Heidenszene zu tun hat.

In diesem Sinne ist es jetzt an der Zeit, zum Thema zu kommen. Einmal wieder darf ich die geschätzte Leserschaft zu einem Parforceritt durch die Geschichte einladen.

Kapitel 2: Vorgehensweise


Fussnoten:

*Wer nähere Informationen zu diesen Initiativen wünscht, wende sich bitte an simann@gmx.net

(1) Hugo Stamm: "Im Bann der Apokalypse - Endzeitvorstellungen in Kirchen, Sekten und Kulten", Zürich 1998, Zweite Auflage, S. 127

(2) Den Stammlesern der Arbeiten dieses Projekts ist die Nornirs Aett gut bekannt sowie der Umstand, dass ich mich veranlasst sah, mich von ihr zu trennen. Sie entstand als "Asatru-Gruppe" im Rabenclan und war der im deutschsprachigen Raum erstmalige Versuch, eine solche Gruppe jenseits von Einweihungshierarchien und dergleichen zu etablieren. Besonders aufgrund des derzeitigen Verhaltens der Nornirs Aett, das mir durch galoppierenden Realitätsverlust gekennzeichnet erscheint, muss ich diesen Ansatz mittlerweile als totalen Fehlschlag ansehen. Meine im Text formulierte Kritik am Versagen des zeitgenössischen Asatru und vor allem der im letzten Kapitel charakterisierte, meiner Ansicht nach zentrale Missstand betreffen im Prinzip die Nornirs Aett genauso wie andere Organisationen. Ich lege mir selbst meine damalige naive Gläubigkeit an die Basisdemokratie zur Last. Der Vorwurf trifft mich also nicht zuletzt selbst, aber ich vertusche meine diesbezüglichen Fehler ebenso wenig wie die in meinen früheren Arbeiten. Man sieht vielleicht, dass ich gelernt habe, und zwar daran, dass ich das Gründen und Mitgestalten von Gruppen und Organisationen im weitesten Sinne jetzt anderen überlasse und nur mehr im Rahmen des Projekts tätig bin. Suum cuique.

(3) Eldaring e.V.: seit August 2002 eingetragener Verein, der sich mit "Asatru" (Neugermanentum) beschäftigt. Tochterorganisation des US - amerikanischen "The Troth"

(4) Matthias Pöhlmann: "Hexen und Heiden im Hinterzimmer. Persönliche Eindrücke vom '1. Hexen- und Heidenfest in Berlin' " (Printausgabe); Materialdienst der EZW 6/2004

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Kulturhistorische Beiträge

Óskmejyar Teil 1 - Die Walküren in der Helgaquiða Hundingsbana I (von Hans Schuhmacher)
Thesen zur Germanischen Frau (von Hans Schuhmacher)
Die unbekannte Tradition: Slawisches Heidentum(von Anna Kühne)

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