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28.04.2017, 09:55

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30. Juli 03 - Leserbrief an "Der Pilger"

Ihr Artikel in "Der Pilger", Ausgabe vom 1. Juni 2003

Sehr geehrter Herr Seibel,

vielleicht mag es Sie überraschen, dass Sie von einem heidnischen Verein angeschrieben werden. "Heidnisch" heißt für uns keineswegs, dass wir das Christentum bekämpfen oder die "böse Kirche" für alle Missstände der Welt verantwortlich machen. Im Gegenteil, gelebte religiöse Toleranz ist für uns überaus wichtig. Wir respektieren das persönliche Recht des Einzelnen auf freie Religionsausübung. Im "Rabenclan" sind Anhänger höchst unterschiedlicher heidnischer bzw. naturreligiöser Richtungen gleichberechtigt vertreten: Anhänger der vorchristlichen Religion der Germanen, Slawen, Kelten, alten Griechen usw., Wicca (eine Hexenreligion), "freifliegende" Hexen und viele mehr. Wenn Sie so wollen, ist der "Rabenclan" eine "ökumenische" pagane Arbeitsgemeinschaft. Wir erwarten von unseren Mitgliedern, dass sie die Verantwortung für ihr eigenes Handeln übernehmen. Besonders wichtig ist für uns, dass wir Gruppierungen und Einzelpersonen ablehnen, welche die Freiheit und Würde des Menschen missachten.

Was für den "Rabenclan" und sein Mitglieder gilt, trifft unseres Erachtens auch für die große Mehrheit der naturreligiösen Staatsbürger zu: Toleranz und Eigenverantwortung sind Kernbestandteile unserer Religiosität.

Der Grund, weshalb wir Sie anschreiben, liegt in einem Artikel aus Ihrer Feder (bzw. Textverarbeitung), der in heidnischen Kreisen für einige Empörung gesorgt hat. Wir nehmen an, dass jene Passagen, die von einigen Heiden bzw. Naturreligiösen als diskriminierend empfunden wurden, einfach auf Missverständnissen beruhen.

Sie schrieben z. B.: "Heiden pflegen einen handfesten Aberglauben an die "Natur", an "Bäume", an "Steine", an "Geister" und "Hexen" an völkische Mythologien und germanische Götterkulte oder ähnlichen Hokuspokus.

Unsere religiösen Auffassungen, die übrigens je nach Richtung sehr verschieden sein können, abzulehnen sei Ihnen unbenommen. Was uns stört ist das Wort "Aberglaube".

"Heiden sind gar nicht so ungefährlich, wie das scheinbar nur folkloristische esoterische Brimborium ihres Tuns den Anschein erweckt. Denn für Heiden ist das Christentum und sein freiheitliches Menschenbild Feindbild Nummer eins."

Es mag Menschen geben, die sich selbst "Heiden" nennen, für die das Christentum tatsächlich ein Feindbild darstellt, z. B. die rechtsextremistischen Kirchenbrandstifter in Norwegen. Für das "Heidentum" insgesamt dürften diese kriminellen Fanatiker so wenig repräsentativ sein, wie es sich "katholisch" nennende Terroristen, die in Nordirland Bomben auf protestantische Schulkinder werfen, für die katholische Kirche sind. Für die große Mehrheit der Heiden ist das Christentum nicht "der Feind". Und auch wir vertreten ausdrücklich ein freiheitliches, selbstverantwortliches Menschenbild.

"Für sie bringt Freiheit nur angeblich die ewige naturwüchsige Lebensordnung der Welt, von "Mutter Erde", die keinen Gott braucht, in Unordnung."

Wir verehren in der Tat die "Mutter Erde". Einige von uns als persönliche Göttin, andere als Leben spendendes Prinzip. Wenn die "naturwüchsige Lebensordnung" keines Gottes bedürfte, wären wir wohl Atheisten und nicht naturreligiös. Die Frage nach der Natur des Göttlichen wird von unterschiedlichen Heiden durchaus unterschiedlich beantwortet. Die meisten Heiden sind Polytheisten, es gibt unter uns aber auch Pantheisten und durchaus Monotheisten. Menschliche Aktivität und menschliche Freiheit bringt die sich stets wandelnde natürliche Lebensordnung der Welt nicht in Unordnung - jedenfalls, solange wir Menschen sorgfältig und unserer Verantwortung gerecht handeln.

"Das, was dem Menschen passiert, ist Vorherbestimmung, Schicksal; er ist deshalb für sein Handeln nicht verantwortlich, er braucht keine Moral - übrigens ist Moral die andere Seite der Freiheit."

Darin, dass die Moral die anderer Seite der Freiheit ist, sind Heiden und Christen völlig einer Meinung. Uns ist keine moderne heidnische Richtung bekannt, die fatalistisch das düstere unpersönliche Schicksal anstelle persönlicher Religiosität und Eigenverantwortung rückt. Für Heiden ist typisch, dass sie ihre Geschicke so weit wie möglich in die eigene Verantwortung nehmen. Wenn z. B. Wicca den dem Hinduismus entlehnten Begriff "Karma" verwenden, so meint das im Wesentlichen: "Du erntest, was du säest".

"So sind zum Beispiel auch der Nationalsozialismus und seine Verbrechen als Folge einer neuheidnischen Ideologie zu verstehen, für die die Freiheit des Christen, die dieser ständig vor Gott und seinen Mitmenschen verantwortet gestalten will, ein Skandal ist."

Es stimmt, die Ideologie des NS-Staates griff auf angeblich altgermanisch-vorchristliche Vorstellungen zurück, was auch Papst Pius XI in der Enzyklika "Mit brennender Sorge" von 1937 zum Ausdruck brachte. Das Wort "angeblich" trifft insofern zu, als die Inhalte des NS-Germanenkultes bloße Konstrukte der politischen Romantik und der "rechts-esoterischen" Ariosophie des späten 19. Jahrhunderts waren. Sie entsprachen schon seinerzeit nicht dem Stand der seriösen historischen und archäologischen Forschung. Das gilt natürlich auch für die heutigen Nachbeter der alten Nazis. Eine der wichtigsten Aufgaben des „Rabenclan“ ist die Aufklärung über neonazistische, autoritäre und in sonstiger Weise demokratiefeindliche Tendenzen in der "Heidenszene". Das "Neuheidentum" war ein eher oberflächlicher Bestandteil der menschenverachtenden NS-Ideologie. Andere Ideologiebestandteile wie der übersteigerte Nationalismus, das angebliche "naturwüchsige" Recht des Stärkeren, der vernichtungswillige Antisemitismus, die groben Feindbilder, die Volksgemeinschaft, gegen die der Einzelne irrelevant ist, oder das hierarchische "Führerprinzip" - alles Prinzipien, die wir gerade aus religiösen Gründen strikt ablehnen - spielten in der Praxis eine weitaus größere Rolle. Es ist unter Zeitgeschichtlern weitgehend unstrittig, dass auch missdeutete und verzerrte christliche Glaubensinhalte Ideologie und Praxis des NS-Regimes bestimmten. Nur wenige "Nazigrößen" agierten und agitierten offen kirchenfeindlich oder zogen, wie der SS-Reichsführer Heinrich Himmler, eine völkisch-esoterische Weltsicht einem "positiven", von jüdischen Elementen "gesäuberten" Christentum, das mit christlicher Ethik nichts gemein gehabt hätte, vor.

Wir respektieren, wie bereits erwähnt, das Christentum und schätzen seine kulturellen und ethischen Errungenschaften keineswegs gering. Wir haben auch keine Einwände dagegen, wenn man uns aus christlich-theologischer Sicht kritisiert.

Worum es uns geht, ist Fairness und Toleranz im Dialog der Religionen. Wobei wir, das sei noch einmal ausdrücklich festgehalten, davon ausgehen, dass die scheinbaren Angriffe auf das moderne Heidentum lediglich auf mangelnder Information beruhen.

Mit freundlichen Grüßen

Martin Marheinecke
Pressesprecher des "Rabenclan - Arbeitskreis für Heiden in Deutschland e. V."

eMail: pressestelle@rabenclan.de
Internet: http://www.rabenclan.de

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