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Lucas Corso Arun 04
28.04.2017, 09:55

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ARUN - Verlag Teil 4:

Stigmatisierung eines Gestrauchelten oder Kritikresistenz?

- Zur Problematik von biographischen Deutungen

Immer wieder wird, wenn es um die Aktivitäten des ARUN-Verlags geht, auch die Biographie von Stefan "Björn" Falko Ulbrich thematisiert - sowohl von Kritikern des Verlags als auch von dem Verleger selbst. Eine solche Verknüpfung ist wenig glücklich, denn Biographien können sich ändern. Die Bewertung von Verlagsaktivitäten anhand der Vergangenheit eines Verlegers haben erst einmal eine ähnliche problematische Qualität wie die Bewertung deutscher Außenpolitik anhand der Sponti-Vergangenheit des Vizekanzlers. Wenn Kritiker rechtsradikaler Umtriebe persönliche Biographien zur Argumentation benutzen, so werden oft wenig seriöse Mechanismen der Stigmatisierung und einer "Kontaktschuld" ("verdächtig, da damals Kontakt zu diesem oder jenem Rechtsradikalen gehabt") bemüht. Und wenn Personen wie Ulbrich von sich heraus immer wieder auf ihre Biographie verweisen, so auch, um aktuelle Kritik am Verlagsprogramm durch die geschichtliche Überholtheit von "Jugendsünden" zu relativieren.

Anfang der Achtziger Jahre(1) war Stefan Ulbrich als junger Mann Mitglied in der Wiking-Jugend, einer rechtsradikalen Schlägertruppe, die in der Tradition der Hitler-Jugend stand und 1994 verboten wurde. Später wandte er sich laut Franziska Hundseder der "Neuen Rechten" zu:

"Mit seiner "Arbeitsgemeinschaft für Basismedien Pyramid Media" veranstaltete er schon Ende der achtziger Jahre mit dem Leiter des Kasseler 'Thule Seminars' Pierre Krebs Seminare über 'Metapolitik'. 1990 gehörte Ulbrich zu den Teilnehmern des ersten Kongresses der Neuen Rechten, bei dem sogenannte nonkonforme Patrioten an der Vernetzung von Gruppen und Verlagen, an einem Medienverbund und auch bereits an einem Mailbox-System bastelten."(2)

In einem Interview mit dem heidnischen Hexenmagazin Hag&Hexe im Oktober 1996 schildert Ulbrich seine politische Biographie:

"[Zur Frage, warum sein Name mit der rechten politischen Szene assoziiert wird:] Weil ich in meiner Sturm- und Drangzeit - so mit achtzehn, neunzehn Jahren - in der Wiking-Jugend als Horstführer ziemlich aktiv war und mein Gesicht dort auch nicht im Verborgenen gehalten, sondern ziemlich auf den Putz gehauen habe. Daher findet sich mein Name natürlich in jeder Datei, von wo er immer wieder gerne herausgezogen wird. Aber wenn man sich ansieht, was über mich und den Arun-Verlag publiziert wird, dann findet man einen Bruch nach meinem Austritt aus der Wiking-Jugend, der sich bis zu meiner heutigen Arbeit fortsetzt. Ich bin jetzt vierunddreißig, da liegen also gut vierzehn Jahre dazwischen. Und es gibt keine Informationen über angebliche böse Taten, die man mir in diesen vierzehn Jahren hätte zuschreiben können. Die Zuordnung meiner Person zum Rechtsextremismus stützt sich ausschließlich auf meine Jugendzeit; wobei natürlich auch hier wieder nur eine Facette gesehen wird, nämlich die, die man sehen will. Daß ich zum Beispiel über drei Jahre auch zum Teil im autonomen - das heißt im militanten - Sektor gegen Wackersdorf aktiv war, sowohl in der Volkshochschule Vorträge dagegen hielt als auch am Bauzaun mitgewerkelt und im Hinterland gearbeitet habe - ohne das jetzt näher erläutern zu wollen - das weiß man nicht. Gut, das erzähle ich auch nicht großartig, aber es paßt natürlich nicht ins Bild! Auch daß ich später aus ethischen Gründen Wehrdienstverweigerer geworden bin, paßt nicht ins Bild, ist aber wahr. Und es wäre gut, wenn dies mal jemand veröffentlicht, denn in meiner Jugend habe ich eben auch solche Dinge getan."(3)

Sein Austritt aus der Wiking - Jugend war nach seinen Angaben nicht leicht:

"Ich wurde von der Wiking-Jugend und vielen der rechts beheimateten Organisationen als Verräter angesehen. Ich bin auf dieser Seite genauso ein Gejagter wie auf Seite der linken oder links-autonomen Szene. Gut, die Wiking-Jugend ist jetzt verboten, die gibt es nicht mehr; aber man hat mir seinerzeit durchaus deutlich gesagt, daß es unmöglich sei, aus der Wiking-Jugend auszutreten, weil man aus einer Lebensgemeinschaft nicht austreten könne. Die Wiking-Jugend wurde von ihren Begründern und Trägern auch zu keiner Zeit als Verein angesehen, sondern als eine Gemeinschaft, in die man zwar hinein, aus der man aber nie wieder heraus kam. Wer sie verließ, war nicht jemand, der aus einem Verein austrat, sondern jemand, der einen Wert oder eine Treue verriet. Mit Kritik wurde ähnlich umgegangen. Nun war mir dies zum Zeitpunkt meines "Austritts" bereits egal; ich wollte etwas an meiner persönlichen Situation ändern und habe dies auch getan, was man schon daran sehen kann, daß keines meiner vier Kinder jemals zur Wiking-Jugend gehörte, wie dies bei Mitgliedern dort üblich war."

Die Kritik am Verlagsprogramm des ARUN-Verlags fand er schon damals ungerecht und ungerechtfertigt:

"Zu meiner weiteren Entwicklung ist nun zu sagen, daß ich zwar den gesellschaftlichen wie auch organisatorischen Kontakt zu dieser Szene abgebrochen, aber deswegen das Querdenken noch lange nicht aufgegeben habe. Klarerweise trete ich mit vielem, was ich schreibe, den Leuten auf die Füße, doch stelle ich immer wieder fest, daß jeder, der diese Anschuldigungen mir gegenüber erhebt und mir das Etikett "rechtsradikal" an die Stirn klebt, meine Texte offensichtlich gar nicht gelesen hat. Ich habe mehr als tausend Seiten Papier vollgeschrieben, die zwar keiner gelesen hat, über die aber jeder Bescheid weiß. (..)

Es gibt allerdings auch Leute, die all das für Tarnung halten. Denen kann ich nur folgendes sagen: Ich bin doch nicht verrückt und verschulde mich im Zuge des Aufbaus der Arun-Gruppe mit einer Million DM, nur um eine rechtsextreme Einstellung zu tarnen! Darüber hinaus habe ich nichts zu tarnen; ich erkläre deutlich, was ich bin und verschöne, verdecke oder verneble nichts. Die Texte und Bücher, die ich schreibe, veröffentliche ich auch - man kann sie also ohne weiteres einsehen - meine Haustür steht bis abends um elf Uhr offen und jeder kann kommen und gehen, wie er will und kann sich alles ansehen, denn es sind keine Türen abgesperrt."

Eine solche Stellungnahme wirkt glaubhaft und sympathisch. Warum soll ein junger Mensch nicht "Jugendsünden" begehen können und später erkennen, das er einen falschen Weg gegangen ist? Die löbliche und persönlich hoch anzurechnende Erkenntnis, dass die Mitgliedschaft als junger Mann in einer bundesweit bekannten, rechtsextremistischen Schläger-Organisation ein Irrweg ist, bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass sich ein Mensch in den Folgejahren von völkischen oder rechtsradikalen Gedankengut oder Zusammenhängen verabschiedet:

Ulbrich war Anfang der 80er Jahre Mitglied in der Wiking-Jugend. In dem Interview von 1996 heißt es, dass seitdem nichts mehr vorläge, was ihn mit dem rechtsradikalen Milieu in Verbindung bringt: "Es gibt keine Informationen über angebliche böse Taten, die man mir in diesen vierzehn Jahren hätte zuschreiben können." Das oben aufgeführte Zitat von Franziska Hundseder spielt jedoch auf Aktivitäten der späten 80er Jahre an. Das "Bundesministerium des Innern" stellt die Veröffentlichung von Artikeln rechtsextremistsicher Autoren für Anfang der 90er Jahre fest. Die Veröffentlichung einschlägiger Titel kann bis zum Jahre 2003 konstatiert werden. Es geht also eben nicht um "Jugendsünden", die 20 Jahre zurück liegen. Hier tut sich ein Widerspruch zwischen der Selbsteinschätzung Ulbrichs und den Bewertungen einer in Fragen rechter Traditionen durchaus sensibilisierten Gesellschaft auf.

Ähnliche Wiedersprüche gibt es auch, wenn es um die Frage einer Mitarbeit bei der Zeitschrift "Junge Freiheit" geht, die als gemäßigtes intellektuelles Aushängeschild der "Neuen Rechte" fungiert. Ulbrich sagt dazu: "Ich war nie Redakteur der Jungen Freiheit und stand dort nie im Impressum der Zeitung. Ich habe einige Artikel für den Kulturteil geschrieben, für deren Inhalt ich auch nach wie vor verantwortlich bin. Nicht aber für den Inhalt der Zeitung und der anderen Artikel. Desweiteren habe ich auch für andere Printmedien geschrieben, wie z.B. Connection oder das Regenbogenblatt 7 Tage."

Franziska Hundseder schreibt dagegen:

"1992 stellte sich Ulbrich in einer Anzeige in der Berliner Jungen Freiheit selbst vor: 'JF-Redakteur, sudetendeutscher Bayer, Publizist, Verleger und Honorardozent sucht für seine Familie (mit drei Kindern) Haus (Zustand relativ egal) zu mieten oder Kaufen...'".(5)

und verweist auf ein seltsames Fundstück ihrer Recherchen:

"In der Ausgabe 1/1993 der Zeitschrift der 'Wiking-Jugend' wurde unter den 'Sippen-Nachrichten' zum 30.12.1992 die Geburt eines 'Sonnwin Ulbrich 4. Kind' vermerkt."

Doch all diese persönlichen biographischen Details sind nicht von wirklicher Relevanz, weil sie missinterpretiert sein können, mangelhaft recherchiert, auf Zufällen beruhend und dergleichen mehr.

Viel relevanter ist, dass die Publikation proto-faschistischer Literatur im ARUN-Verlag die persönlichen Stellungnahme von Ulbrich und das, was er als rechtsradikal bezeichnet, durchsichtiger macht: Noch bis zum Jahr 2003 wurden Titel veröffentlicht, die zu einer konsequenten politischen "Läuterung" nicht passen. (Siehe Teil 1,2 und 3 dieses Aufsatzes). Selbst wenn Björn Ulbrich sich nach eigenen Angaben aus dem rechtsradikalen Milieu verabschiedet hat, so gilt dies bis zum Jahr 2003 nicht für sein Verlagsprogramm. Und das bedeutet, dass das, was er als rechtsradikal versteht, deutlich etwas anderes zu sein scheint, wie das, was die Mitte der Gesellschaft darunter versteht. Stefan Ulbrich war als junger Mann so weit in der politischen Rechten angesiedelt, dass er seine jetzige Haltung anscheinend als "gemäßigt" und "gesellschaftlich normal" begreift. Das zeigt sich auch darin, dass ihm in dem zitierten Interview eine Differenzierung zwischen den Prädikaten "rechtsradikal" ("am rechten Rand, aber innerhalb des Grundgesetz agierend") und "rechtsextremistisch" ("verfassungsfeindlich") nicht geläufig ist. Beide Begriffe werden synonym verwendet.

Stefan Ulbrich ist sicher kein Rechtsextremist, der eine Tarnorganisation ins Leben gerufen hat, um für Neo-Nazis Werbung zu machen. Ulbrich gehört einem esoterischen Milieu der "Neuen Rechten" an, das durchaus als intellektuelle Neu-Formierung völkischer und national-konservativer Traditionen beschrieben werden kann. Der Rückgriff auf feinsinnige Vordenker wie Julius Evola oder Otto Rahn ist kein Zufall. Wie erwähnt werden diese Autoren besser durch das Prädikat "proto-faschistisch" anstatt durch das Etikett "rechtsextremistisch" beschrieben. Und in dieser Hinsicht müssen auch Ulbrichs Aktivitäten gewertet werden: Er ist niemand, der ein neues Gewalt-Regime in Deutschland etablieren will. Er ist lediglich jemand, der eine Denktradition haus- und hoffähig machen möchte, die von manchen als "Salon-Rassismus" bezeichnet wird. Eine Denktradition, die ohne dass sie sich selbst die Hände beschmutzte, dennoch Wegbereiter von menschenverachtenden Gewaltsystemen war. Ob dieser Zusammenhang Ulbrich klar ist, darf bezweifelt werden.

Ulbrich hat sich selbst zu der Kritik an seinem Verlagsprogramm des öfteren geäußert. Darauf wird im Teil 5 - Die Antwort des Kritisierten eingegangen.


1 Der IDGR nennt als Jahr: "Bis 1984 engagierte sich der Unternehmer als "Horstführer" bei der inzwischen verbotenen Wiking Jugend";
http://www.idgr.de/lexikon/bio/u/ulbrich-stefan/ulbrich.html
2 Franziska Hundseder: "Wotans Jünger - Neuheidnische Gruppen zwischen Esoterik und Rechtsradikalismus"; München 1998; S. 144
3 http://www.klammeraffe.org/~hagundhexe/archiv2/file4.html
4 http://www.arun-verlag.de/arun/selbstportraet/ antwort_wenger.html
5 Franziska Hundseder: "Wotans Jünger - Neuheidnische Gruppen zwischen Esoterik und Rechtsradikalismus"; München 1998; S. 144: Frau Hundseder nennt leider nicht die Referenzstelle.
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