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Lucas Corso Arun 03
28.04.2017, 09:55

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ARUN - Verlag Teil 3:

Proto-Faschistische Ideologie neben fundierter Sachliteratur

Wenn das politische Profil des ARUN-Verlags durchleuchtet wird, müssen zwei verbreitete Missverständnisse berichtigt werden. Erstens dass jene Publikationen des ARUN-Verlags, die heute noch als problematisch eingestuft werden, offen rechtsextrem oder rassistisch seien.

Ulbrich präsentierte schon Mitte der 90er Jahre seine Bücher und Autoren unverfänglich:
- Wer wollte schon etwas gegen ein Buch über Richard Wagner sagen, bloß weil es von dem bekannten rechtsradikalen Publizisten Karl Richter geschrieben wurde? (1)
- Was spricht gegen einen harmlosen Gedichteband des früheren Neonazi und späteren FPÖ-ler Jürgen Hatzenbichler unter dem Titel "menschen-leben & subversives sein"? (2)
- Gegen Gedichte und Bilder von Andreas Mölzer, bekannter rechtspopulistischer Publizist und seit 1999 offizieller Kulturberater des FPÖ-Chefs Jörg Haider, kann man doch auch wenig einwenden?(3)
- Dient es nicht der Information, wenn Jürgen Hatzenbichler die Biographien von Vordenker der sogenannten "Neuen Rechte" in einem Sammelband vorstellt? (4) (Das Buch kann heute noch bei Amazon bestellt werden.)
- Wenn Claus Wolfschlag, ehemaliger Stammautor der rechtsgerichteten Zeitschrift "Junge Freiheit", unter dem Titel "Hitlers rechte Gegner" über den nationalistischen Widerstand in der Nazi-Zeit berichtet, dann ist es doch erfreulich, wenn auch die radikale Rechte ihre Widerstandshelden vorweisen kann? (5)
- Und spricht es schließlich nicht für geistige Ungebundenheit, wenn in dem Buch "Multikultopia" nicht nur Heiner Geißler und die jüdische Autorin Irene Runge zu Wort kommen, sondern auch rechtsradikale Autoren wie Alain de Benoist und Jürgen Hatzenbichler? (6)

Staatlichen Stellen und aufmerksamen Beobachtern entgingen solche Publikationenen dennoch nicht. Der Verleger ist entsprechend zurückhaltender geworden: Keines dieser sechs Bücher wird heute noch beworben, sehr wahrscheinlich die meisten auch nicht mehr verkauft. Jene ideologisierten Bücher freilich, die derzeit oder noch bis vor kurzem von ARUN vertrieben werden ("Revolte", "Kreuzug gegen den Gral", "Nach-kommunistisches Manifest" etc.) sind ein hervorragendes Beispiel wie das rechtsradikale Milieu im Zuge der Etablierung der "Neuen Rechte" dazugelernt hat.
Zum Beispiel gibt es in dem Roman "Schwarze Sonne von Tashi Lhunpo" keine einzige Stelle, die staatsanwaltlich unter dem Gesichtspunkt der Volksverhetzung relevant wäre: Das Ende bleibt offen, der Held lernt vordergründig nur die verschiedenen Fraktionen kennen, die um die Weltherrschaft streiten; die Verbrechen des Nazi-Regimes werden pflichtschuldig als "Barbarei" beschrieben. Die Überhöhung des SS-Ordens findet eher implizit statt, das Raunen um seinen magisch-spirituellen Auftrag sorgt schon für eine Wirkung - "für den, der es zu deuten versteht...".

Das gilt auch für andere Titel im Verlag: Vordergründig lassen sich heute rechtsextreme Aussagen nicht mehr feststellen, wer jedoch Sprache und Argumentationsmuster der "Neuen Rechte" kennt, bemerkt schnell, auf welche Strukturen und ideologischen Motive zurückgegriffen wird. Die derzeit von ARUN verlegten Schriften werden besser durch das Prädikat "proto-faschistisch" anstatt durch das Etikett "rechtsextrem" beschrieben.

Ein zweites Missverständnis liegt vor, wenn dem Verlag die Verbreitung ausschließlich rechtsradikaler Titel unterstellt wird. Im Gegenteil, sein Sortiment besteht mittlerweile überwiegend(!) Sachbüchern, die von anerkannten und renommierten Autoren stammen, denen eine Neigung zum Rechtsradikalismus beim besten Willen nicht nachgesagt werden kann. Es finden sich Bücher von anerkannten Experten der heidnischen Kulturgeschichte wie Nigel Pennick und Prudence Jones, der renommierten Keltenforscher Francoise Le Roux und Christian-J. Guyonvarc'h, der feministischen Schriftstellerin Barbara Walker oder der deutschen heidnischen Autoren Vicky Gabriel und Igor Warneck. Im Laufe der letzten Jahre ging der Trend des Verlags immer mehr in diese Richtung, wie das Bundesministerium des Innern im Jahr 2000 anlässlich einer Anfrage der PDS feststellte:

"Das Verlagsprogramm bestand in den neunziger Jahren aus nur wenigen eigenen Büchern und Nachdrucken. Inhaltlich konzentrierten sich die Veröffentlichungen in dieser Zeit zunehmend auf Gedankengut, Geschichte und Symbole des Heidentums. Der Anteil von Buchtiteln zur Ideologiediskussion der "Neuen Rechten" ging indessen zurück. Aktuell werden lediglich zwanzig überwiegend unpolitische Schriften angeboten." (7)

Aber dennoch hält das Bundesinnenministerium fest: "Der "ARUN-Verlag" veröffentlichte neben allgemein unpolitischen Büchern wie Schriften zur heidnischen Geschichte Europas (z.B. "Die heiligen Landschaften der Kelten" oder "Heidnisches Europa") Werke über den Zusammenhang von Esoterik und Nationalsozialismus wie "Weisthor. Karl Maria Wiligut. Himmlers Rasputin und seine Erben" und "Otto Rahn - Leben & Werk". Zudem publizierte der Verlag Schriften aus dem Bereich der "Neuen Rechten", wozu der Band "Querdenker. Konservative Revolutionäre" von Jürgen Hatzenbichler, aber auch die Texte "Revolte gegen die moderne Welt" und "Cavalcare la Tigre - Den Tiger reiten" von Julius Evola gehören. (...)

Zu den verfassungsschutzrelevanten Autoren im aktuellen Programm gehören Jürgen Hatzenbichler, der sich allerdings nach einer Meldung der rechtsextremistischen Zeitschrift "Nation & Europa" (Nr.5/2000,S.65f.) zwischenzeitlich vom "patriotischen" Lager abgewandt haben soll, und der Verlagsleiter selbst, der unter dem Pseudonym "Björn Ulbrich" die Schrift "Im Tanz der Elemente. Kultur und Ritus der naturreligiösen Gemeinschaften" veröffentlicht hat. Anfang der neunziger Jahre gab der "ARUN-Verlag" Sammelbände wie "Multikultopia. Gedanken zur multikulturellen Gesellschaft" (1991) heraus. Neben Beiträgen demokratischer Autoren enthielten sie zahlreiche Aufsätze von Rechtsextremisten. Die Bände werden gegenwärtig nicht mehr angeboten. (...) (8)

Mit dem (...) skizzierten Schwerpunkt sucht der Verlag insbesondere jenen Teil der unpolitischen Esoterik-Szene zu erreichen, der für neoheidnische Auffassungen empfänglich ist. Darüber hinaus dürfte sich das Verlagsprogramm auch an esoterisch und neoheidnisch orientierte Rechtsextremisten wenden. Hinsichtlich der (...) erwähnten Evola-Publikationen richtet sich der Verlag an das Umfeld des intellektuellen Rechtsextremismus und hierbei insbesondere an das der "Neuen Rechten". Die Einwirkungsmöglichkeiten eines Kleinverlags mit nur zwanzig aktuellen Angeboten, wovon die überwiegende Zahl unpolitische Schriften betrifft, wird als gering eingeschätzt. Nach Eigenangaben des Verlags wirkten an der Erstellung einzelner Titel auch Personen mit, die als Rechtsextremisten eingeschätzt werden. (...)Der Verlag verfügt über Kontakte zu anderen rechtsextremistischen Vertriebsdiensten. Den Werbesendungen dieser Vertriebsdienste liegen etwa Prospekte des "ARUN-Verlags" bei. Hierzu gehört auch der "Buchdienst Nation & Europa", Coburg, der auch den Prospekt des "ARUN-Verlags" für die Jahre 1999/2000 vertreibt." (9)

Im Jahr 2003 liegt das Verlagsangebot bei mittlerweile über 70 Titeln. Das Verhältnis zu den politisch relevanten Schriften (ob nun offen oder eher verdeckt wie bei dem Weihnachtsbuch "Die geweihten Nächte") ist dadurch kleiner geworden. Es wäre ein Missverständnis dies als eine Umkehr der Verlagsausrichtung zu werten, es ist eher eine konsequente Fortführung. Der ARUN-Verlag war aufgrund der schamanischen und heidnischen Interessen seines Besitzers nie als rechtsradikaler Verlag gedacht. Er veranschaulicht eher jene Grauzone rechter Esoterik, die durchaus zum rechtsradikalen Milieu in Deutschland eine ideologische Anbindung aufweist und dennoch den Kontakt zum demokratischen Rest der Gesellschaft sucht. Das Verlags-Programm und die Werbestrategie des ARUN-Verlags sind der (geglückte) Versuch eines doppelten Mitnahmeeffekts: Im traditionell eher links ausgerichteten Heidenumfeld um Verständnis für Ideologiebestandteile der Neuen Rechten zu werben und gleichzeitig im rechtsradikalen Milieu Absatzmärkte für einschlägige Literatur zu nutzten.(10)

Im Rahmen der Auseinandersetzung um die Aktivitäten des ARUN-Verlags wird immer wieder auch die Biographie von Stefan Ulbrich bemüht. Darauf geht der vierte Teil ("Stigmatisierung eines Gestrauchelten oder Kritikresistenz?") dieser Reihe ein.


1 Karl Richter: "Richard Wagner - Visionen"; 1993

2 Jürgen Hatzenbichler: "menschen-leben & subversiv sein"; Gedichte; 96 Seiten

3 Andreas Mölzer: "Lob der Kälte - Worte, Verse, Bilder"; 1993 Hatzenbichler und Mölzer waren waren die massgeblichen Köpfe bei der deutschnationalen Zeitung "Die Aula" und später bei der rechtsgerichteten Zeitschrift "Zur Zeit", eine Art österreichischer Ableger der "Jungen Freiheit".

4 Jürgen Hatzenbichler: "Querdenker. Konservative Revolutionäre"; 1996

5 Claus Wolfschlag: "Hitlers rechte Gegner - Gedanken zum nationalistischen Widerstand"; Vilsbiburg 1995

6 Stefan Ulbrich (Hrsg): "Multikultopia - Gedanken zur multikulturellen Gesellschaft"; Vilsbiburg 1991

7 Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke und der Fraktion der PDS - Drucksache 14//3486 - Der ARUN-Verlag und der Rechtsextremismus. (Auch in unserem Dokumenten-Archiv als pdf-Datei.)

8 Zu den Autoren gehören z.B. Alain de Benoist (Kopf der nationalintellektuellen "Nouvelle Droite"), Jürgen Hatzenbichler, Karl Richter und Wolfgang Strauss (Redakteure bei der rechtsradikalen "Nation und Europa")
Das Buch wurde damals mit diesem Text beworben: "Ein intellektueller Sprengsatz. Avantgarde: das Streitgespräch zwischen SOS-Rassismus und der inzwischen verbotenen Nationalistischen Front. Gesprächsbarriere: aufgehoben; Denkverbot: übertreten; Tabu: durchbrochen!" - ein Motiv, dass die Vorliebe für "Querfront"-Strategien des Verlegers kaum besser illustrieren könnte.

9 Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke und der Fraktion der PDS - Drucksache 14//3486 - Der ARUN-Verlag und der Rechtsextremismus. (Auch in unserem Dokumenten-Archiv als pdf-Datei.)

10 Eine ähnliche Einschätzung von Ulbrich vertritt auch der führende Rechtsextremismus-Experte Armin Pfahl-Traughber. Siehe dazu: Armin Pfahl-Traughber: "Rechtsextremismus in der Bundesrepublik"; München 2003; S. 49 ff. << Teil 2: Kein Zufall: Literatur vom rechten Rand | Liste Nach Autoren | Teil 4: Stigmatisierung eines Gestrauchelten oder Kritikresistenz? - Zur Problematik von biographischen Deutungen >>

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