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Hans Schuhmacher Ariosophie
28.04.2017, 09:55

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Ariosophie - ein Überblick

von Hans Schuhmacher, im Namen und Auftrag des Rabenclan - Arbeitskreis für Heiden in Deutschland e.V.

1. Voraus

Diverse Ereignisse des letzten Jahres haben gezeigt, daß vielerorts eine gefährliche Unkenntnis bezüglich dieses Phänomens herrscht. Antifa-Gruppen, immerhin selbsternannte Experten auf dem Gebiet des Rassismus und Faschismus, tendieren dazu, alle Verteter heidnischer Naturreligionen zumindest für Steigbügelhalter faschistischer Demagogen zu halten; in der "Heidenszene" selbst gilt der Armanenorden als "ein bißchen rechts"; die Propagandaleute des Armanenblocks erfreuen sich immer noch allgemeiner Sympathie und haben in der Regel leichtes Spiel. Daß diese beiden Tendenzen sich gegenseitig stützen und den Zielen des Armanenordens dienen, habe ich bereits an anderer Stelle aufgezeigt.

Angesichts dieser Situation ist es notwendig, das Phänomen Ariosophie zumindest kurz zu umreißen. Eine umfassende Behandlung des Themas ist hier selbstverständlich unmöglich. Es soll jedoch klargemacht werden, was Ariosophie ist und wie sie entstand. Weiterhin soll hierdurch klar werden, woran man Ariosophie erkennt und wie man sie bekämpft.

2. Die Geschichte und Vorgeschichte der Ariosophie

2.1. Die Theosophie

Gegen Ende des letzten Jahrhunderts trat die Theosopie als religiöse Erneuerungsbewegung auf, die Theosophische Gesellschaft wurde 1875 gegründet. Die Wurzeln der Theosopie liegen hauptsächlich in einem in den USA praktizierten Spiritismus, der etwa um die Mitte des 19. Jahrhunderts von einer Bewegung getragen wurde. Die Theosopie als solche entstand primär durch die Schriften der Helena Petrowna Blavatzky (1831 - 1891), "die ihr Wissen angeblich medialen Fähgkeiten und dem Kontakt mit sogenannten "Meistern" verdankte".

Charakteristisch für die theosophische Lehre sind vor allem zwei Grundthesen. Erstens: alle Religionen enthalten eine "gemeinsame esoterische Essenz". Zweitens: Darwins Evolutionsmodell ist auf die "spirituelle Ebene" anwendbar.

Die erste These erlaubte undifferenzierte Vermengung aller möglicher Religionen und dieser mit Spiritismus und Okkultismus. Dies ist höchst fragwürdig, gibt es doch fundamentale Gegensätze zwischen den Grundaussagen diverser Religionen, außerdem sind Spiritismus und Okkultismus keineswegs für jede Religion legitime oder adäquate Praktiken. Sehr bedenklich ist auch die Rolle der sogenannten "Meister", oder genauer gesagt jener, die behaupten, mit ihnen in Kontakt zu stehen. Es liegt auf der Hand, daß diese "Meister" sich wohl hauptsächlich im Sinne der "Kontaktierten" äußern und dieser Prozeß für die Nichtkontaktierten wenig Transparenz oder Kontrollmöglichkeiten aufweist. Das Gefälle zwischen Kontaktierten und Nichtkontaktierten kann bei entsprechender Gruppenstruktur zu autoritären Verhältnissen führen.

Die zweite These qualifizierte die Theosophie als Vorläufer der Ariosophie, die Grundlage zum mystisch-religiösen Rassismus und Sozialdarwinismus wird hier geschaffen. Tatsächlich erstarkte bald die rassistische Richtung innerhalb der Theosophie. "Die heutige fünfte Wurzelrasse" sei "auf Atlantis entstanden" und gliedere sich wieder in "fünf Unterrassen". Diese stünden auf verschiedenen Entwicklungsstufen mit den "Ariern" an der Spitze. Die Idee von der okkulten Herkunft der Rassen und damit auch die Idee einer auserwählten Rasse und damit auch eines auserwählten Volkes spielte innerhalb der Theosophie eine immer größere Rolle..." .

Es wird deutlich, daß der Theosophie bei der Untersuchung des mystifizierten Rassismus und des Rassismus überhaupt bislang viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden ist. Die Ariosophie fand hier ihre Grundlage bereits auf- und vorbereitet. An dieser Stelle sei jedoch gesagt, daß zukünftige Untersuchungen auch andere Ausstrahlungen dieser Ideen umfassen sollten.

Ein kurzes Beispiel: Die Reinkarnationslehre, für die Theosopie bereits zentral, findet sich in spezifisch rassistischer Form auch beim heutigen Armanenorden. Die Reinkarnationslehre steht aber auch bei der New-Age-Bewegung an zentraler Stelle, dort meist gepaart mit der Karma-Lehre, nach welcher Geburtsumstände sowie Lebensereignisse sich nach "Entwicklungsstand" oder "Lernerfahrung" richten."Meister", Atlantis und undifferenzierte Religionsvermischung findet man dort ebenso vor. Die Reinkarnations- und Karma-Lehre leugnet gesellschaftspolitische Ursachen und Wirkungen im Leben von Menschen und fördert eine kritiklose, unpolitische, passive Haltung, die von verantwortlichem Engagement nichts wissen will und von gesellschaftlichen Mißständen bis zu Krieg und Völkermord alles dem "Karma" zuschreibt. Daß dieser Kult der gesellschaftlichen Verantwortungslosigkeit selbst zu autoritären Strukturen neigt, zeigt das Phänomen der Gurus, die auch "Meister" genannt werden und deren Machtstellung in der jeweiligen Jüngerschaft kein Kontrollorgan gegenübersteht. Große Teile der New-Age-Bewegung stellen also unter Umständen ein ideales Operationsgebiet für die Ariosophen dar, und zwar weil sie dort inhaltlich und strukturell aus der Theosophie stammende Grundlagen bereits vorfinden. Es lohnt sich also, eine umfassende Untersuchung der Theosophie vorzunehmen, da die Ariosophie und damit Rassismus und Faschismus bei all ihren Ablegern Fuß fassen könnten.

Es soll hier keineswegs der Eindruck entstehen, die gesamte New-Age-Bewegung sei faschistoid, zumal verantwortlich denkende Elemente dieser Bewegung derlei Übernahmeversuchen sicher nicht tatenlos zusehen würden. Es soll hier lediglich gezeigt werden, wie leicht eine undifferenzierte Übernahme von theosophischen Grundauffassungen ariosophischer Einflußnahme den Boden bereiten kann.

2.2. Guido List und die Guido-von-List-Gesellschaft

Der eigentliche Erfinder der Ariosophie war der 1848 geborene Guido List. Er glaubte, durch angebliche Reinkarnationserinnerungen, die er "Erberinnerung" nannte, den Ursprung der Runen und der Sprache gefunden zu haben. "Außerdem war er im Bund der Germanen aktiv, der der alldeutschen Los-von-Rom-Bewegung um Georg Ritter von Schönerer nahestand. Schönerer propagierte ein nationales Christentum, in dem er die katholische Kirche mit den germanenfeindlichen römischen Missionaren identifizierte, von denen es sich zu befreien galt" . Ein großer Teil von Lists "Schauungen" fand angeblich während einer Krankheit im Jahre 1902 statt.

Lists Bemühungen um akademische Anerkennung seiner "Erkenntnisse" blieben erfolglos, erhöhten aber seinen Bekanntheitsgrad in dem Maße, daß 1908 die Guido-von-List-Gesellschaft gegründet werden konnte, "die Lists Forschungen künftig finanzierte und publizierte. Die Mitgliederlisten führten hauptsächlich Angehörige des Großbürgertums und des Adels, Großindustrielle. Regierungsräte, Professoren und Militärs, außerdem einige völkische Vereinigungen und die gesamte Wiener Theosophische Gesellschaft".

Seit 1902 beschrieb Guido List (das "von" hatte er sich selbst verliehen und damit eine Selbstadelungstradition in ariosophischen Kreisen geschaffen) die Kultur, Gesellschaft und Religion der "Ario-Germanen" bzw. das, was er darunter verstand:

"Er ging von dem theosophischen Grundkonzept aus, nach dem alle Religionen in ihrem Kern dieselbe esoterische Lehre vertreten. Die Exoterik diente nach List dem Volk, den niederen sozialen Klassen, die geistig nicht so hoch entwickelt seien...Ein solches System sei die polytheistische Religion der Ario-Germanen gewesen, wie sie in Sagen und Mythen überliefert sei und die List "Wuotanismus" nannte. Der esoterische Kern dieses Wuotanismus, der "Armanismus" oder die "Wihinei", dagegen sei monotheistisch, da die Wissenden erkennen, daß die Götter immer nur Personifikationen der Sondereigenschaften "des einen, großen unnennbaren Gottes" darstellten... Nach theosophischem Vorbild entstand eine hierarchische Gliederung der Wesen, die nach ihrem geistigen Entwicklungsstand eingeordnet wurden... Jedes Individuum verkehre nur mit dem Geist oder Gott, auf dessen Stufe es sich befindet. Somit spielte die Volks- und die Rassenzugehörigkeit in seinem System eine herausragende Rolle. Die "Arier" hätten darin den höchsten Entwicklungsstand innegehabt" .

List lehrte also niemals eine heidnische Naturreligion, er lehrte das Gegenteil. Er lehrte eine umfassende kosmische Hierarchie, ein nach "Entwicklungsstand" gestaffeltes Stufensystem göttlichen Ursprungs. Kein Wunder, daß ein Filz aus Oberschichtsangehörigen, Reichen, hohen Beamten und Theosophen ihn stützte, daß zu Zeiten erbärmlichster Ausbeutung und Unterdrückung die Herren in diese Ideologie investierten. Neben solchen Ungeheuerlichkeiten wie der mystisch-ideologischen Rechtfertigung der Ausplünderung ganzer Kontinente durch eine weiße Minderheit nimmt sich die Darstellung eines heidnischen Polytheismus als Religion für die Dummen, als "Exoterik" für die von Natur aus geistig minderbemittelten Unterschichten, die den Monotheismus der Herren gar nicht verstehen können, eher harmlos aus. Für uns ist sie hier jedoch höchst bedeutsam, drängt sich doch der Verdacht auf, daß die heutigen Armanen genau diese Auffassung teilen und einen "heidnischen" Kult für die weniger Eingeweihten inszenieren, um diese stufenweise an den faschistischen List-Monotheismus heranzuführen. Übernahm doch Adolf Schleipfer, um kurz vorzugreifen, 1967 die Präsidentschaft der Guido-von-List-Gesellschaft , bevor er 1976 den Armanenorden gründete.

"Die Aufgabe des Wuotanismus sah er (List, Anm. d. Verf.) vorwiegend darin, die arische Rasse zu erhalten und eine "Edelrasse" heranzuziehen. Dies sei auch die Hauptaufgabe der Ehe....Dem Adel kam nach List die Aufgabe zu, ein Edelgeschlecht heranzuzüchten. Er stellte somit das Zeichen besonderer Rassereinheit dar....Diese "reinrassigen" Arier sollten die einzigen sein, denen Freiheit und bürgerliches Recht zukommt. "Minderrassige" wollte er in dienenden Funktionen, in Lohnarbeit und Sklaverei sehen und sprach ihnen das Stimmrecht, das Recht auf Grundbesitz und höhere Positionen ab. Für die Begründung dieser Rassereligion griff Guido von List unter anderem auf auf die Lehre von der Wiedergeburt, wie sie die Theosophie vergreitete, zurück..."

"Über die soziale Ordnung der Ario-Germanen hatte List ebenfalls genaue Vorstellungen. Er projizierte seine Ideen und Wünsche des idealen Staates, der elitäre, rassistische und imperialistische Züge trägt, in eine phantasierte Vergangenheit... Den höchsten Stand bildeten schließlich die "Armanen", die sich List als Wissende, Gelehrte, Priester, Richter und Fürsten gleichzeitig dachte. Sie hätten durch Beherrschung okkulter Kräfte und mit ihrem "durch intuitives Wissen gefundenen Erkenntniswissen" absolut geherrscht...".

Nach all dem ist klar, was wir unter einem Armanen zu verstehen haben. Es ist ebenfalls klar, was ein "Armanenorden" ist, was er tut und was er will.

2.3. Lanz v. Liebenfels und der Ordo Novi Templi

Der 1874 geborene Adolf Josef Lanz, ein ebenso falscher Adliger wie List und einige heutige Ariosophen, wurde zunächst Zisterziensermönch. Er verließ den Orden 1899 und gründete wohl 1900 der Neuen Templer-Orden oder Ordo Novi Templi. Nachdem er als Autor in sozialdarwinitischen Kreisen bekannt geworden war, veröffentlichte er 1905 seine Schrift Theozoologie und gründete eine Zeitschrift namens Ostara.

"Diese "einzige und erste rassenwirtschaftliche Zeitschrift, die die Ergebnisse der Anthropologie praktisch in Anwendung bringen will, um den Umsturz und das Urrassentum wissenschaftlich zu bekämpfen und de europäische Edelrasse durch Reinzucht vor dem Untergang zu bewahren" behandelte anfangs vor allem wirtschaftliche und politische Probleme der Habsburger Monarchie von einem antiliberalistischen und alldeutschen Standpunkt aus. Späte nahmen Themen wie rassische Somatologie, Anti-Feminismus und Anti-Parlamentarismus breiteren Raum ein. Zu den Autoren zählten unter anderem Mitglieder der Guido-von-List-Gesellschaft" .

Im Gegensatz zu List stützte sich Lanz auf christliche Überlieferungen und Traditionen. Diesen meinte er entnehmen zu können, Mitglieder einer göttlichen Hierarchie hätten die Aufgabe gehabt, Menschen künstlich zu züchten. "Die so entstandenen gottgleichen Menschen seien die Vorfahren der heutigen "arischen Heldenrasse" gewesen. Einige von ihnen hätten das Gesetz der Reinzucht verletzt und sich mit Tieren vermischt... und es seien "Tiermenschen", Vorfahren der "Niederrassen" entstanden" .

Dies hat auch Adolf Schleipfer geäußert.

Lanz sah sich in einer Zeit der Herrschaft der Niederrassen , verursacht nicht zuletzt durch die Frauen ganz allgemein, die grundsätzlich einen Hang zu Niederrassigen und Tieren hätten, was zu Rassenmischung führe . Er entwickelte ein Programm zur Beseitigung dieser Zustände:

"Die Lösung sah Lanz in der Schaffung einer Rassenaristokratie,, die die Hochzucht wieder einführen sollte und deren erster Künder der ONT sei. Die praktischen Maßnahmen, die er empfahl, um dieses Ziel zu erreichen, lesen sich wie eine Vorwegnahme der Rassenpolitik und Judenverfolgungen im NS-Staat. Er forderte zum Beispiel für die "Rassereinen" die Wiedererrichtung der ursprünglichen Rassekultreligion, Prämien für "Blondehen", Sonderrechte für Blonde, Klöster für "Zuchtmütter", Reinzuchtkolonien, Vielweiberei für blonde Männer, "Ehehelfer" für zeugungsunfähige Männer, Erziehung zur "Arioheroik" in den Schulen und Wohnsitze auf dem gesunden Land für die Blonden. Als Maßnahmen gegen die "Tschandalen" (Lists Ausdruck für die "Minderrassigen", Anm.d.Verf.) empfahl er kinderlose Ehen, Propaganda von Verhütungsmitteln, Kastration, Sterilisation, Prostitution, Einstellung von Wohltätigkeiten, Sklaverei, Zwangsarbeit, Deportationen in die Wüste, Verwendung als "Kanonenfutter" im Ersten Weltkrieg ".

Lanz wurde hier vor allem aus zwei Gründen so viel Raum eingeraümt: Erstens waren er und List eng befreundet, beeinflußten sich gegenseitig, waren Mitglieder in der Organisation des jeweils anderen und arbeiteten auch sonst eng zusammen. Zweitens soll Lanz als Beispiel zeigen, daß auch außerhalb des Dunstkreises des "Heidentums" (im Sinne des Armanenordens) Ariosophen tätig waren und sind, daß ein Bezug auf "germanische" Überlieferung für Ariosophen mitnichten notwendig ist. So äußerte sich zum Beispiel der Leiter der Artgemeinschaft, Jürgen Rieger, der schon als Rechtsanwalt für zahlreiche Neonazis in Erscheinung getreten ist , 1990 brieflich wie folgt: "In unserer Gemeinschaft kann man glauben, daß es die germanischen Götter gibt, daß die germanische (sic) Götter Archetypen entsprechend der Lehre von C.G.Jung seien, daß es einen Gott als "Allvater" gibt, oder daß es überhaupt keinen Gott oder Götter gibt. Dies ist nicht zentral für unsere Glaubensauffassungen, die in Artbekenntnis niedergelegt werden..." . Die Artgemeinschaft wird auch zu Treffen des Armanenordens eingeladen.

3. Der Armanenorden

Wie oben bereits ausgeführt, gründete Adolf Schleipfer den Armanenorden 1976, zusammen mit seiner damaligen Ehefrau, der geborenen Sigrun Hammerbacher, Tochter eines NSDAP-Kreisleiters, die sich jetzt meist Sigrun Freifrau von Schlichting nennt . Schleipfer war zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Jahre lang Leiter der Guido-von-List Gesellschaft. Es kann also, die zahlreichen sonstigen Indizien beiseite lassend, davon ausgegangen werden, daß Schleipfer das geistige Gut der Guido-von-List-Gesellschaft voll und ganz vertritt. Es ist völlig unmöglich, hier sämtliche belegbaren Äußerungen von Schleipfer, Schlichting und anderen Armanen anzuführen. Ich gege im Folgenden, wie ich meine, mit gutem Grund davon aus, daß das Weltbild des Kerns des Armanenordens, von etwaigen unbedeutenden Modernisierungen abgesehen, das auf der Theosophie beruhende, von List ausgearbeitete, von Lanz beeinflußte, monotheistische und rassistische Armanen-Weltbild ist.

Ein weiteres Indiz hierfür ist die innere Struktur des Armanenordens: sie besteht im Wesentlichen aus einem an der Freimaurerei orientierten Einweihungssystem in Graden. "Die ersten drei Stufen, Lehrling, Geselle und Meister - auch "Goden-Grade" genannt - bilden die sogenannte "Volkspriesterschaft", die eigentlich jeder erreichen sollte. Daran schließen sich die Armanen-Ordens-Grade an, die bis zum neunten Grad führen und angeblich einer esoterischen Einweihungsordnung entsprechen....Das Wissen, das zur Erlangung der Grade notwendig ist, wird den Mitgliedern in Form von sogenannten "Leitbriefen" durch die Ordensleiter vermittelt ".

Der Inhalt dieser Leitbriefe ist geheim, aber angesichts all des oben Gesagten wohl nicht gerade geheimnisvoll. Sehen wir doch in dieser Struktur getreulich das von List gezeichnete Bild wiedergespiegelt: die "Volkspriesterschaft" außen, die Armanen innen. Hierzu kommt noch, daß auch der von mir so bezeichnete Armanenblock als ein System von konzentrischen Kreisen aufgebaut ist: die mit dem Armanenorden verbundenen bzw. kooperierenden Organisationen haben ebenfalls ein der Freimaurerei entlehntes System von Einweihungsgraden und werden von Armanen geleitet. Wir haben also mitnichten einen lockeren Verband von "Heiden" vor uns, von denen einige "ein bißchen rechts" sind, sondern Lists System in voller Funktion.

4. Heidnisches Verhalten - die Heidenszene am Beispiel Yggdrasil-Kreis Aus dem bisher Gesagten könnte, besonders für der Thematik eher Fernstehende, der Eindruck entstehen, man habe es bei der "Heidenszene" bzw. den heidnischen Gruppierungen vor und außerhalb des Rabenclans mit einer regelrechten ariosophischen Verschwörung zu tun. Dies wäre allerdings eine Übertreibung.

Das Verhalten der lautstärksten Protagonisten des Armanenblocks legt einen solchen Verdacht zwar nahe, enthält aber interessante Widersprüche, die den Schluß nahelegen, daß man es nicht mit gewieften Politikern zu tun hat, sondern mit naiven, politisch und historisch ahnungslosen Gestalten, die ihrerseits selbst Täuschungen aufgesessen sind. Es ist unter solchen Umständen sehr schwer, den Lügner vom Belogenen zu unterscheiden. Aber auch Belogene stehen in der Verantwortung für ihr Verhalten, besonders unter Berücksichtigung ihrer Führungs-, Kompetenz- und Alleinvertretungsansprüche. Weiterhin handelt es sich bei der Ariosophie nicht um einen faux-pas auf einer Abendgesellschaft, sondern um die ideologische Grundlage des Holocaust und möglicher weiterer Greuel, Massenmorde und Kriege. Wer Rassismus Vorschub leistet, macht sich mitschuldig.

Es sollen hier einige Aspekte heidnischen Verhaltens angeführt werden, deren letztendliche Beurteilung ich bewußt unterlasse, die aber zur Verdeutlichung der Problematik, wie ich meine, durchaus beitragen können.

Der Druide, Gode, Psychologe und Heilpraktiker Volkert Volkmann hält "ich trage Heil" für die korrekte Übersetzung von "Yggdrasil". Ahnlich List, für den "Yggdrasil" (unter anderem) Ich, das Heil im Urfyr zeugend" bedeutet, und zwar zusammengesetzt "ig" = "ich"; "dra" = "drehende Zeugung (Trifos) Feuerzeugung"; "sil" = "(sal)Heil". Natürlich bedeutet "Yggdrasil" nichts dergleichen. Bezeichnend ist die anscheinend von List abhängige Deutung Volkmanns an nicht gerade nebensächlicher Stelle, es erhebt sich da die Frage, ob Volkmann dies bewußt ist. Es ist aber nicht an mir, diese Frage zu beantworten.

Der Alleinvertetungsanspruch, d.h. der Anspuch, die Kriterien festlegen zu können, was "legitimes" Heidentum, wer "legitimierte" Priester sind, und zwar über die Grenzen des Yggdrasil-Kreises hinaus, gehört ebenfalls hierher, wenn sich auch inzwischen herausgestellt hat, daß die isländischen Asatrúarmenn Herrn Volkmann mitnichten mit derlei "Legitimation" ausgestattet haben, ebensowenig wie irgend jemanden sonst. Der entscheidende Punkt ist hier nicht, daß eine derartige "Legitimation" ahistorisch, mit den Prinzipien von Asatrú unvereinbar und , wie sich jetzt in aller Deutlichkeit erweist, ohnehin nur heiße Luft ist, sondern daß Volkmann und seine Schüler derlei für korrekt und notwendig halten. In der gesamten Geschichte der germanischen Kultur gibt es keinerlei Beispiele für eine "Legitimation" von Priestern seitens einer zentralen Institution, es sei denn man rechne die Legitimation christlicher Priester seitens der römischen Kirche hinzu, was ich für nicht korrekt halte, da die römische Kirche nicht zur germanischen Kultur gehört. Auch heute erhebt keine heidnische Organisation außerhalb Deutschlands derlei absurde Ansprüche. Wieso also tut es der Yggdrasil-Kreis?

Die einzige mir bekannte Organisation, aus deren Selbstverständnis heraus dies sowohl möglich als auch letzten Endes notwendig ist, ist der Armanenorden: "1. Der ARMANEN-ORDEN ist das gesamte Germanen- und Keltentum in seiner geistigen, seelischen und körperlichen Eigenart".

Das von Leiter und Mitgliedern ansonsten an den Tag gelegte Verhalten ist zwar bezeichnend, aber in der Heidenszene derart normal, daß man hieraus keinerlei spezifische Schlüsse ziehen kann. Weitere Untersuchungen sowie der Gang der Ereignisse werden mehr Klarheit schaffen.

Der Yggdrasil-Kreis ist also, wie die gesamte "Heidenszene", gehalten, endlich eine klare Stellung zu beziehen gegenüber Ariosophie und dem damit verbundenen Lehr- und Gedanken"gut". Die Szene trägt an der schlechten öffentlichen Meinung nämlich sehr wohl die Hauptschuld: Keine klaren Antworten auf klare Fragen, undifferenzierte Nutzung von Ariosophischen Lehren mit dem Hinweis, "da sei doch nichts politisches dran und die fragwürdigen Anteile lassen wir halt weg", das sich-gefallen in der Rolle der verfolgten, unverstandenen Minderheit und so weiter lassen Analysen wie die von Frau Schnurbein so fatal ausfallen. Der Yggdrasil-Kreis und die deutsche "Heidenszene" muß sich, wenn sie die bestehenden Analysen nicht auf sich beruhen lassen will, mit dem politischen und sozialen Verhältnissen, in denen und mit denen sie Leben, auseinandersetzen.

5.Ausblick

Wie schon an anderer Stelle ausgeführt, funktioniert dieses System in erster Linie durch Täuschung - durch Täuschung der Mitglieder der mit dem Armanenorden assoziierten "heidnischen" Gruppierungen, durch Täuschung der Öffentlichkeit, unter Ausnutzung der Unwissenheit Außenstehender, die ganz im Sinne des Armanenordens Heidentum und rechte Ideologien gleichsetzen und damit dem Armanenorden helfen, seine Machtansprüche durchzusetzen. Die Beseitigung der Täuschung wird denn auch in absehbarer Zeit das Verschwinden der Ariosophen nach sich ziehen, wenn sie hinter ihren Rauchvorhängen hervorgezogen werden. Damit das geschieht, muß das Gefasel von auserwählten Rassen und Völkern, von Geheimlehren für Eingeweihte, von "Meistern" und Geistern und besseren Reinkarnationen erkannt werden als das, was es ist: als ideologischer Nährboden für die Ariosophie.

Nicht einmal der Armanenorden ist so tölpelhaft, rassistische Phrasen in die Öffentlichkeit hinauszubrüllen (obwohl die immerhin vorhandene Tölpelhaftigkeit genug eindeutige, nachweisbare Äußerungen produziert hat). Stattdessen wird fortwährend dementiert, die Mitglieder der Satellitenorganisationen werden langsam und behutsam an den inhaltlichen Kern herangeführt. Daher sind es fast nie die rassistischen Kernaussagen, auf die man zuerst stößt, sondern aus der Theosophie stammende Mystizismen, die entweder der Mitgliederwerbung dienen oder von bereits in den Dunstkreis Geratenen nachgeplappert werden.

Im Kern jedoch ist die Ariosophie eine rassistische Herrschaftsideologie, womöglich die brutalste und widerwärtigste, die es je gab. Von der Rechtfertigung der Greuel der Kolonialzeit durch die Theosophie bis zur Rechtfertigung des Holocausts durch die Ariosophie war es nur ein kleiner Schritt. Modernere Adaptionen können jederzeit mühelos entworfen werden. Wenn man die ideologischen Grundlagen dieser Lehre verstanden hat, kann man jede ihrer Ausprägungen identifizieren. Das naturreligiöse Heidentum kann bei der endgültigen Austilgung der Ariosophie, und nur diese Lösung ist befriedigend, einen erheblichen Teil beitragen. Es muß unsere Sache sein, der ideologischen Ausbeutung der alten Kulturen Europas durch Rassisten den Kampf anzusagen und nicht innezuhalten, bis die Ariosophie restlos verschwunden ist.

Hans Schuhmacher, 1996

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