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08.12.2007, 08:32

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NYEPI, der Stille Tag auf Bali

Der balinesische Intellektuelle I Gusti Raka Panji Tisna (42) beschäftigt sich sowohl mit Umwelterziehung als auch mit interkulturellem Dialog. Er setzt sich aber ebenso mit einer kritischen Aneignung der religiösen Traditionen Balis und der Fruchtbachmachung ihres Wissens für eine zeitgenössische, nachhaltige Lebensweise. Er ist mit Mitherausgeber des Buchs: „Bali - Leben in zwei Welten. Ein kritisches Selbstporträt.“ Basel, 2001

Ich sitze hier auf Bali bei den UN-Klimaverhandlungen als Angehöriger der balinesischen Beobachtergruppe. Kürzlich hat man mich darüber informiert, dass in Deutschland am kommenden Sonnabend seitens der Teilnehmer der Aktion „Licht aus!“ abends für fünf Minuten die Lichter gelöscht werden.

“Im Rahmen der symbolischen Mitmach-Aktion "Licht aus! Für unser Klima" ruft eine Allianz aus Medien, Firmen und Naturschutzverbänden Bürger in Deutschland, Österreich und der Schweiz dazu auf, am kommenden Samstagabend ein Zeichen an die Teilnehmer der UN-Klimakonferenz in Bali zu senden. Wer mitmachen möchte, soll an diesem 8. Dezember von 20.00 bis 20.05 Uhr das Licht ausschalten. (...) Viele Promis haben sich öffentlich zum Mitmachen bekannt, aber auch Firmen, Stadtverwaltungen, Kirchen und andere Institutionen haben fest versprochen, ihre Büro-, Fassaden- oder Objektbeleuchtungen sowie Weihnachtsilluminationen für fünf Minuten abzuschalten.” (Heise Online, 06.12.2007) http://www.heise.de/newsticker/meldung/100150

Wie interessant, und wie sehr im Einklang mit dem Stillen Tag (Nyepi), den wir seit neunhundert Jahren begehen! Einmal im Jahr, am Neujahrstag des Saka-Jahres, der gewöhnlich in den März fällt, wird die ganze Insel für vierundzwanzig Stunden quasi lahm gelegt. Die Lichter bleiben aus, man bleibt daheim, ein Tag ohne Arbeit, an dem weder Autos noch Motorräder benutzt werden. Selbst Flugzeuge dürfen weder Bali anfliegen noch hier starten, dies mit Ausnahme von Notfällen. Auch lebenswichtige Institutionen wie Krankenhäuser und Polizeistationen sind von der allgemeinen Regel ausgenommen, aber die dortige Aktivität wird auf ein Minimum begrenzt. Ich gehöre der balinesischen Gruppe an, die dieses Konzept bei den UN-Klimaverhandlungen vorstellt und sich darum bemüht, für einen Tag der Stille für die Erde zu werben: den Nyepi-Tag für die Erde (World Silent Day). Mein nachfolgender Artikel beschreibt diese Idee.

Nyepi - (Stiller) Tag für die Erde

Die balinesische Methode, Treibhausgasemissionen durch Nichtstun zu reduzieren

Während der Eröffnungsveranstaltung der „Conference of Parties to United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC)”, also der UN-Klimaverhandlungen, wurde ein sehr kurzer Film mit dem Titel ”Nyepi (stiller) Tag für die Erde“ vorgeführt. Dieser Film, produziert von der „Bali Collaboration on Climate Change” (Balinesische Klimawandel-Arbeitsgemeinschaft), zeigt die Situation auf Bali an Nyepi, dem Tag der Stille, an dem vierundzwanzig Stunden lang alle Aktivitäten ruhen. Es ist der Neujahrstag des Saka-Jahres.

Verschiedentlich wurde die Frage gestellt, wie denn eine ganze Insel alle Aktivitäten einstellen und nur minimal von Licht Gebrauch machen könne, während alle Menschen zu Hause blieben. Dieser Artikel stellt Informationen über den Hintergrund dieses alten Brauches zur Verfügung und stellt ihn in den Kontext der Reduktion von Treibhausgasemissionen.

Die Umwelt-Philosophie des Nyepi

Die Balinesen haben eine Philosophie der Harmonie namens Trihitakarana. Tri bedeutet drei, Hita bedeutet Glück (im Sinne von Glücklichsein), Karana bedeutet Ursache. Also bedeutet Trihitakarana ”Drei Ursachen des Glücks”, und diese sind Harmonie zwischen Menschen und Gott, zwischen Menschen untereinander und zwischen Menschen und der Natur. Diese Anschauung ergänzt die der drei Säulen nachhaltiger Entwicklung, die wir heute kennen, nämlich die ökonomische, die soziale und die ökologische Säule.

Einer der Bräuche, die aus Trihitakarana hervorgehen, ist das Begehen des Tages der Stille, Nyepi, am Neujahrstag des Saka-Jahres, der in den März oder den April fällt. Ursprünglich bestand der Sinn von Nyepi darin, der oder dem einzelnen die Gelegenheit zu verschaffen, über sich selbst nachzudenken und sich in Kontemplation dem Schöpfer zuzuwenden. Ein weiteres Ziel von Nyepi ist es, der Natur eine Atempause zu verschaffen, damit sie ruhen und sich verjüngen kann. Es handelt sich um einen einzigartigen traditionellen Brauch, der einen Teil des Traditionserbes des Nusantara-Archipels darstellt und bis heute befolgt wird. Wir wissen von keinem anderen Ort auf der Welt, an welchem eine ganze Gesellschaft gemeinsam einen Tag der Stille begeht.

Die Praktik des Stillen Tages auf Bali

In der Vergangenheit wurde Nyepi zu unterschiedlichen Zeiten von verschiedenen Dörfern oder Gebieten auf Bali begangen. Das gleichzeitige Befolgen des Brauchs auf der gesamten Insel findet seit 1973 statt, im Jahre 1983 wurde Nyepi zum Staatsfeiertag erklärt.

Die balinesische Gesellschaft vollzieht eine Reihe von Ritualen, um symbolisch die Natur zu reinigen und ein Gleichgewicht zwischen dem Makrokosmos (Bhuana Agung) und dem Mikrokosmos (Bhuana Alit) herzustellen. Im Anschluss daran werden die vier Verhaltensregeln der Selbstbeschränkung, Catur Brata Penyepian, während des Nyepi befolgt. Diese sind:

- Amati geni (kein Feuer entzünden) Wörtlich: Kein Kochfeuer entfachen, keine Lampen anzünden. Den Menschen wird geraten, zu fasten, um den Körper zu verjüngen und Bedürfnisse zu zügeln. Heute besteht das Befolgen des Brauches darin, kein Licht einzuschalten. Dies schließt die Straßenbeleuchtung mit ein.

- Amati Karya (nicht arbeiten) Den Menschen wird geraten, keinerlei körperliche Arbeit zu verrichten, sondern über sich selbst und den Schöpfer zu meditieren.

- Amati Lelungaan (nicht reisen) Den Menschen wird geraten, nicht zu reisen, um dem Körper Ruhe zu gönnen

- Amati Lelanguan (keine Vergnügungen) Alle Unterhaltungsmedien (Fernseher, Radio etc.) sollten ausgeschaltet bleiben. Den Menschen wird geraten, allein zu bleiben, um über sich selbst nachzudenken.

Heutzutage wird Nyepi mit nur wenigen Ausnahmen auf ganz Bali praktiziert. Alle Straßen sind leer, alle kommerziellen und sozialen Aktivitäten kommen zum Stillstand, Flughäfen und Seehäfen werden geschlossen und die Menschen bleiben daheim. Nur einigen Polizeistationen und Krankenhäusern ist es erlaubt, ihre Funktionen aufrecht zu erhalten. Den Menschen wird empfohlen, für vierundzwanzig Stunden kein Licht einzuschalten.

Die ursprünglichen Ziele waren physische Erholung des Körpers und der Erde eine Atempause zu verschaffen, nachdem sie ein Jahr lang von den Menschen ausgebeutet und verschmutzt worden war. Heute kann dieser alte Brauch zu einer einfachen, kostenlosen und fairen Methode zur Reduktion von Treibhausgasemissionen werden.

Reduktion von Treibhausgasemissionen während Nyepi?

Schätzungen besagen, dass während Nyepi der Ausstoß an Treibhausgasen um mindestens 20.000 Tonnen verringert wird. Dies beruht auf der folgenden Berechnung: Laut der vorliegenden Daten für das Jahr 2005 waren damals 1.008.000 Motorräder und 200.000 Automobile auf Bali in Betrieb. Wenn man davon ausgeht, dass jedes Motorrad vier Liter Benzin am Tag verbraucht, dann beläuft sich der Gesamtverbrauch auf 4.032.000 Liter. Weiter angenommen, dass der Verbrauch jedes Liters Benzin 2,4 kg CO 2 erzeugt, dann läge die Gesamtemission von CO 2 durch Motorräder am Tag bei 9.676.800 kg. Setzt man den Benzinverbrauch eines Autos bei zehn Litern täglich an, ergibt sich daraus ein Tagesgesamtverbrauch von zwei Millionen Litern. Dies ergäbe einen Ausstoß von 4,8 Millionen kg CO 2.

Ungefähr 80 Flugzeuge operieren vom Flughafen Ngurah Rai auf Bali, sie verbrauchen etwa 1600 Kiloliter Brennstoff (avtur). Legt man eine analoge Berechnung zugrunde, beträgt das Ergebnis 3.840 Tonnen CO 2. Daher beliefe sich die Gesamtemission von Motorrädern, Autos und Flugzeugen auf 17.316 Tonnen. Dies ist eine konservative Schätzung. Von dieser ausgehend reduziert Bali den Ausstoß von Treibhausgasen an Nyepi um mindestens 20.000 Tonnen, nicht eingerechnet die Reduzierung der Emissionen von Seehäfen, der Industrie und der Energieerzeugung.

Eine Botschaft der Weisheit aus Bali

Nyepi, der Stille Tag, ist ein realer Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasemissionen, fair, einfach zur Anwendung zu bringen und beinahe kostenfrei. Selbstverständlich würde dies nicht andere Schadensminderungs- und Anpassungsmaßnahmen ersetzen, die notwendig sind, um dem Klimawandel zu begegnen. Aber diese Methode zur Emissionsreduktion kann von jedermann angewandt werden, denn es bedarf nur einer Willensanstrengung. VIERUNDZWANZIG STUNDEN LANG NICHTS TUN! Die internationale Gemeinschaft kann diesen weisen Brauch erlernen, indem sie einen jährlichen Stillen Tag am 21. März einrichtet.

Bali kann es, Sie auch?

Dies ist eine Botschaft von der balinesischen Klimawandel-Arbeitsgemeinschaft.

Kontakt:

1. I Made Suarnatha Phone: +62 8123802990 suar@wisnu.or.id

2. I Gusti Raka Panji Tisna Phone: +62 8123811836 panjiku@telkom.net

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