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28.04.2017, 09:55

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15. Januar 02 - Leserbrief an das "Darmstädter Echo"

Betreff: Satanismus-Artikel von Mirjam Mohr vom 10.01.2002

Sehr geehrte Frau Mohr,

so löblich es ist, vor gefährlichen Tendenzen zu warnen, so schade ist es doch, wenn man dabei Begriffe, die nichts miteinander zu tun haben, in offensichtlicher Ahnungslosigkeit vermengt - und auf diese Art eher Desinformation betreibt. Mehr als schade ist es, wenn dabei auch noch der Ruf Unschuldiger und Unbeteiligter zu Schaden kommt.

Ihre Behauptung, die Wurzeln des Satanismus lägen u.a. in der "altägyptischen Mythologie" sowie bei "Kelten" und "Wicca-Kulten", entbehren jeder sachlichen (und logischen) Grundlage.

"Satan" ist zuerst einmal eine Figur aus der christlichen Mythologie. Das Christentum als solches begann ca. 100 n.Chr. in Kleinasien mit den ersten Aufzeichnungen über Jesus Christus.

Da sich die keltische Mythologie bereits ein paar Jahrhunderte früher in Europa ausgebreitet hatte - und die altägyptische gleich mehrere Jahrtausende früher entstanden war, können Sie diesen Religionskulturen schlecht nachträglich eine de facto christliche Figur unterjubeln.

Der Wicca-Kult als solcher entstand in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts in Großbritannien und ist heute u.a. in den USA (und nicht zuletzt auch in Deutschland) weit verbreitet. Die Wicca (die mit dem Christentum ebenfalls nichts gemein haben) verehren zuvörderst eine weibliche und eine männliche Hauptgottheit; und wiewohl es verbreitete Wicca-Praxis ist, in den Ritualen dieses Kultes bei Bedarf verschiedene Gottheiten aus verschiedenen (ausschließlich naturreligiösen!) Pantheonen und Kulturen anzurufen, so ist doch die Behauptung grundfalsch und gefährlich irreführend, daß der christliche Satan ein Bestandteil dieses Kultes sei, bzw. die "Ursprünge des Satanismus" gar u.a. "in Wicca-Kulten" lägen. (Zumal die Verehrung von Figuren speziell aus Offenbarungsreligionen wie dem Christentum im Wicca ganz und gar unüblich ist.)

Mit solchen unsachlichen Plumpheiten verhöhnen Sie nicht nur alte Kulturen wie das Keltentum (welches das Abendland vor den Römern prägte) und die alten Ägypter (mit deren Kultur die menschliche Hochzivilisation begann), sondern Sie diffamieren auch - ganz aktuell - alle rechtschaffenen Menschen, die Wicca betreiben (und damit vor allem den Naturkreislauf und die Jahreszeiten feiern) als Satanisten - und damit als Tierquäler, Menschenmörder, Psychopathen.

Die von Ihnen angegebene "Selbstvergottung" des "Menschen als Maß aller Dinge" scheint mir indes eher ein Kennzeichen des Humanismus zu sein als eines des Satanismus.

Satanismus beinhaltet meist gnostisches Gedankengut in christlicher Deutung - und ist als Kult frühestens seit 1680 belegbar: In Pariser Hofkreisen praktizierte eine Mme. Voisin "satanische Praktiken". Die berüchtigte "schwarze Messe", die im Satanismus als Perversion der christlichen Messe abgehalten wird, ist Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts von ehemaligen katholischen Priestern wie Pater Boullan oder christlich-theologisch Ausgebildeten wie H.W. Longfellow und H.J. Prince erfunden und praktiziert worden.

In diesem Zusammenhang hat auch der gesamte heute bekannte Kult mit seinen "typischen" Symbolen (umgekehrtes Pentagramm / Kreuz, schwarze Kerzen, gewalttätige Sexualpraktiken usw.) seine historischen Quellen ausschließlich in diesen Personengruppen.

Und selbst den christlichen Theologen ist heute klar, daß der "Teufelskult" der sog. "Hexen" zur Rennaissance und danach eine reine Erfindung der damaligen christlichen Theologen und Dämonologen war.

Soweit mir bekannt ist, gibt es im Journalismus unserer Zeit immer noch eine bewährte Methode, größere Irrtümer und massive Falschaussagen wie die Ihnen unterlaufenen zu vermeiden - auch und gerade, wenn einem das zu behandelnde Thema anfänglich wenig vertraut ist. Diese Methode kann allerdings in Arbeit ausarten und setzt bereits vor dem Schreiben an. Sie heißt Recherche.

Mit freundlichem Gruß Duke Meyer Rabenclan Pressesprecher

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