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Martin Marheinecke Satanismus
28.04.2017, 09:55

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In Teufels Küche

Wieso demokratisch gesonnene Heiden einen Sichterheitsabstand zum Satanismus halten sollten

Gerne werden in der vielzitierten "breiten Öffentlichkeit" Heiden des hexischen und magieorientierten Typs mit Teufelsanbetern verwechselt. Selbst ansonsten versierte Journalisten übersehen manchmal die Unterschiede zwischen Wicca und Satanisten. (Siehe auch die Leserbriefe des "Rabenclan" ans "Darmstädter Echo" und ans "Hamburger Abendblatt" (Martin Marheinecke Abendblatt.)

Die Gründe für die Verwechslung liegen auf der Hand. Schließlich verehren die Wicca einen "Gehörnten Gott", der rein äußerlich dem Teufel in volkstümlich-christlichen Darstellungen verdächtig ähnelt. Für oberflächliche und boulevardjournalistisch geschulte Beobachter sind alle, die sich ständig schwarz kleiden und sich mit geheimnisvollen Symbolen in schwerer Silberausführung behängen, irgendwie satanistisch. Egal, ob Gothic, Gruftie, Vampir-Fan, Hexe oder Protestsatanist - wer anders aussieht und sich anders verhält, ist halt verdächtig. Schließlich und endlich gibt es dann noch "besorgte Christen", für die jeder, der nicht dasselbe glauben will wie sie, eigentlich nur des Teufels sein kann.

Der Gehörnte - oder doch Satan?

Leider scheint die Verwechslung auch anders herum zu funktionieren. Nicht, dass Wicca und frei fliegende Hexen nun der Ansicht wären, Satanisten seien im Grunde auch Heiden - das Hexerei nichts mit Teufelsbeschwörung zu tun hat, dürfte selbst jugendlich-naiven Teen-Witches bekannt sein. Unter Hex' und Heid ist allgemein bekannt, dass Satan eine Figur aus der christlichen Mythologie ist. Fortgeschrittene Heiden wissen, dass ohne das dem Christentum seit Augustinus zu Grunde liegenden dualistische Weltbild der Teufelsbegriff nicht zu verstehen wäre. Heiden glauben nicht an den Teufel und beziehen ihn auch nicht ihr religiöses System ein, von einer Verehrung ganz zu schweigen. Allerdings werden auch die meisten modernen Satanisten den Teufel tun, an einen "leibhaftigen" Satan zu glauben. Da mag so manche Hexe vermuten, im Prinzip stünden diese keinen persönlichen Teufel verehrenden Satanisten ihnen religiös durchaus nahe. Historisch bedingte Ähnlichkeiten von Ritualen und Symbolik tragen das ihre dazu bei, die Distanz zu verwischen. Viele Heiden meinen durchaus, Satanisten seien in ihren Ablehnung des Christentums und des bürgerlich-spießigen "Wertesystems" irgendwie "welche von uns", sie säßen mit ihnen im selben Boot, hätten im Grunde die gleichen Ziele. Eigentlich darf sich niemand, der sich unkritisch mit dem Satanismus solidarisiert, wundern, wenn ihn außenstehende Beobachter mit Satanisten in einen Topf werfen, und er damit in "Teufels Küche" gerät.

Ein notwendiger Einschub, um Missverständnisse gar nicht erst aufkommen zu lassen:

Ich vertrete entschieden die Religionsfreiheit, ohne "wenn und aber". Solange Satanisten keine kriminellen Handlungen begehen, ist es allein ihre Sache, was sie glauben und welche Riten sie praktizieren. Satanistische Publikationen wie die "Satansbibel" fallen genau so unter die Presse- und Meinungsfreiheit wie satanistische Websites. Wer für Zensur eintritt, tritt gegen die Freiheit ein! Ich hege auch keine Berührungsängste mit Satanisten und hätte keine Probleme damit, z. B. gemeinsam mit Satanisten gegen Einschränkungen der Religionsfreiheit zu demonstrieren. Wohingegen ich sehr wohl Probleme damit hätte, z. B. gemeinsam mit Scientologen zu demonstrieren, deren Ehrlichkeit in dieser Frage ich bezweifele. Ich hege diese Zweifel nicht, weil ich etwas gegen die Religion der Scientologen hätte, sondern weil Scientology es mit den Gesetzen (Wirtschaftskriminalität) und den Freiheitsrechten der einfachen Mitglieder nicht so genau nimmt und sehr rüde mit Kritikern umspringt - ich weiß, wovon ich hier schreibe. Ich bin dagegen, Satanisten in irgend einer Weise aktiv zu bekämpfen, trete jedoch entschieden dafür ein, dass wir als demokratisch gesinnte Heiden einen deutlichen, auch für Außenstehende erkennbaren "Sicherheitsabstand" zum Satanismus halten.

Es gibt keine allgemeingültige Definition des Begriffs "Satanismus". Deshalb können magieorientierte heidnische Religionen von Voodoo bis Wicca bei entsprechender Definition in das satanistische Umfeld "eingemeindet" werden - weil sie angeblich wie der Satanismus mit "schwarzer Magie" arbeiten. Der Klarheit willen sollte deshalb nur dann von Satanismus gesprochen werden, wo der Teufel explizit für die Lehre von Bedeutung ist. Selbst unter Boulevard-Journalisten und kirchlichen Sektenexperten hat es sich herumgesprochen, dass nicht jeder Tarotleger, Fantasy-Rollenspieler oder Sänger einer Hardrock-Band ein Satanist ist, weil er Bilder oder verschiedene Namen des Teufels verwendet.

Man kann zwei, sich in der Praxis oft überschneidende, Formen des Satanismus unterscheiden: den "klassischen Satanismus" und den "Neosatanismus".

Der "klassische" Satanismus ist mit seinen dem katholischen Ritus nachempfundenen "schwarzen Messen" und seinen "typischen" Symbolen wie umgekehrtem Pentagramm, kopfstehendem Kreuz, schwarzen statt weißen Kerzen, gewalttätigen Sexualpraktiken statt Keuschheit usw. eine Perversion christlichen Gedankenguts unter umgekehrten Vorzeichen. Wann er zum ersten Mal praktiziert wurde, ist nicht sicher zu bestimmen. Unstrittig ist, dass der "Teufelskult" "herätischer Sekten" und "Hexen" im ausgehenden Mittelalter und in der frühen Neuzeit eine reine Erfindung der damaligen Theologen und Dämonologen war. "Schwarze Messen" im landläufigen Sinne sind erst im Paris um 1680 aktenkundig. In Pariser Hofkreisen praktizierte eine Mme. Voisin "satanische Riten". Die Liturgie der "typischen" Schwarzen Messen sind sogar erst ein Produkt der "schwarzen Romantik" des 19. Jahrhunderts und wurde von ehemaligen katholischen Priestern wie Pater Boullan oder christlich-theologisch Ausgebildeten wie H. W. Longfellow und H. J. Prince erfunden und praktiziert. Inwieweit "klassische Satanisten" - einschließlich der meist jugendlichen "Protestsatanisten" - bei ihren Teufelskult wirklich an den "Leibhaftigen" glauben, ist im Einzelfall durchaus offen. Dass es zwischen dieser Form des Satanismus als Wnegatives Christentum" und heidnischen Religionen keine Überschneidungen gibt, bedarf wohl keiner weiteren Begründung.

Wichtiger ist heutzutage der "Neosatanismus", der nicht den Teufel in den Mittelpunkt seiner Religion stellt, sondern den sich selbst "vergottenden" Menschen.

Der Neosatanismus geht letztendlich auf Aleister Crowley (1875 - 1947) zurück, der übrigens kein Satanist im eigentlichen Sinne war.

Crowley provozierte gerne und bezeichnete sich in Anlehnung an das "Große Tier" in der Offenbarung des Johannis des öfteren als "Beast" und "To Megas Therion 666", stellte aber eindeutig fest, dass er nicht an die Existenz des Teufels glaube. Der Kernsatz seiner "thelemitischen Lehre" ist: "Tu was du willst, soll sein das ganze Gesetz". Dieser Satz ist an sich und auch im Kontext des crowleyschen Denkens nicht satanistisch, entspricht aber in typischer Weise dem Selbstverständnis heutiger Satanisten, die sich gern darauf berufen. Jeder Mann und jede Frau ist laut Crowley ein "Stern", das heißt, alle haben den gleichen Anteil am absoluten Sein. Die Quelle der individuellen Kraft ist der biologische Lebensdrang. Ziel der thelemitischen Lehre ist es, sich diese Quelle zu erschließen, den "wahren Willen" zu finden und diesen zu verwirklichen. Willen bestimmt Realität.

So problematisch die thelemitische Lehre mit ihrer Machbesessenheit mitunter ist, festzuhalten bleibt, dass "Tu was Du willst" nicht bedeutet, man sollte seine Triebe und Gelüste ungehemmt ausleben. Zudem zeigte Crowley eine Vorliebe für den mystischen Weg der Ich-Auflösung, während "echte" Satanisten unter allen Umständen an ihrem Ego festhalten wollen.

Der auf thelemitischen Vorstellungen aufbauende Neosatanismus entstand nach dem 2. Weltkrieg in Kalifornien, einer für religiöse Neubildungen aller Art äußerst fruchtbaren Gegend. In LaVeys"First Church of Satan", die in den in USA tatsächlich den juristischen Status einer Kirche hat, fand er 1966 zu einer organisierten Form. Eine Abspaltung, die etwas vom provokativen, showhaften, oberflächlichen und restlos kommerzialisierten "Kinosatanismus" LaVeys abrückte, ist der gleichfalls als Kirche anerkannte "Temple of Set". Im Unterschied zur "Church of Satan" wird im "Temple of Set" tatsächlich ein Gott als reales Wesen verehrt, der zwar lieber bei seinem altägyptischen Namen "Set" genannt werden will, aber gemäß "Temple"-Gründer Michael Aquino durchaus mit dem "Satan" des Christentums identisch sein soll.

Der Neosatanismus vertritt einen kompromisslosen Individualismus, eine "Religion der Stärke" und sieht das Heil im Diesseits gegeben. Er verurteilt die herkömmlichen Religionen im Allgemeinen und die monotheistischen Offenbarungsreligionen Judentum, Christentum und Islam im Besonderen als Unterdrückungsinstrumente. Satan ist für die Satanisten kein gefallener Engel und unterlegener Rebell, sondern handelt aus eigener, unbegrenzter Kraft. Der Satanismus befreie das Individuum von den ihm von den lustfeindlichen Ideologien der herkömmlichen Religion künstlich auferlegten Beschränkungen. Die Sieben Todsünden des Christentums - Neid, Überheblichkeit, Habgier, Wut, Völlerei, Wollust und Müßiggang - sind laut LaVeys Satansbibel keineswegs verwerflich. Ganz im Gegenteil, wer sie ohne Angst vor göttlicher Strafe auslebt, erfährt körperliches und geistiges Wohlbefinden. Wer natürliche Bedürfnisse leugnet und unterdrückt, vermindert seine Lebensfreude. Bei der Suche nach Genuss sollte niemandem geschadet werden.

LaVey legt dabei großen Wert darauf, dass die staatlichen Gesetze eingehalten werden, und dass Kinder und Tiere besonderen Schutz genießen. In ihnen komme noch eine unverdorbene Vitalität zum Ausdruck. Neosatanisten lehnen deshalb - im Unterschied zum "klassischen" Satanismus - Tieropfer ab. "Katzenschlitzer" und "Krötenkreuziger" werden aus der satanistischen Gemeinschaft ausgeschlossen und haben neben einer Anzeige bei der Polizei auch persönliche Racheakte zu fürchten. Erst recht ist jede Form der Kindesmisshandlung strikt geächtet.

Sind Neosatanisten also völlig harmlos?

Sind sie nur Menschen, die sich durchsetzen können, Magie anwenden, sich nicht gängeln lassen, und die dem Leben Spaß abgewinnen wollen? Sind sie, anders ausgedrückt, die natürlichen Bundesgenossen von uns Heiden? Durchaus nicht, denn der Neosatanismus hat weniger sympathische Schattenseiten!

Der Satanismus ist eine Religion ohne moralische Bremse. Im Unterschied zu anderen - auch heidnischen - Religionen gibt es keinen Ehrbegriff und keine Sozialregeln über die totale Freiheit des Egos hinaus. Freiheit ist aber immer die Freiheit des Anderen, des Andersdenkenden, Andersfühlenden, Andersaussehenden usw. usw. - und nicht nur die Freiheit des "starken Einzelnen". Die satanistische Ethik beruht auf dem Prinzip des Eigeninteresses bzw. des Gruppenegoismus. Mit satanischen Lehren ließe sich ohne weiteres jede, aber auch jede, individuelle Handlung rechtfertigen. Satanisten handeln im Grunde genommen aus opportunistischen Gründen gesetzeskonform: Würden ihre Mitglieder gegen Gesetze verstoßen und dabei erwischt werden, könnte z. B. die "Church of Satan" verboten werden. Auffällig ist, dass die modernen Satanisten dem Sozialdarwinismus zumindest nahe stehen oder diesem Prinzip des "Recht des Stärkeren" offen anhängen. La Vey empfiehlt, sich nicht ungefragt in Dinge einzumischen, die einen nichts angehen, sich nur um das kümmern, was einen selbst betrifft und niemanden zu belästigen, aber sich gegen Übergriffe anderer mit allen Mitteln zu verteidigen, gemäß dem Prinzip "Satan repräsentiert Rache, anstatt die andere Wange hinzuhalten." (Siehe auch die "Satanic Statements" im Anhang.) Das mag im Einzelfall nicht unsympathisch klingen, als generelle Lebensregel rechtfertigen diese Ratschläge Gleichgültigkeit, Mitleidlosigkeit, Rücksichtslosigkeit. "Satan repräsentiert freundliches Verhalten einzig denen gegenüber, die es verdienen, anstelle nutzloser Liebe gegenüber Unwürdigen" heißt konsequent durchgehalten, dass jede Form der Solidarität mit Menschen, mit denen man nicht befreundet ist und von denen man keine substanzielle Gegenleistung zu erwarten hat, zu unterbleiben hat. Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid von Menschen, die man persönlich nicht kennt und von denen man sich nichts erwartet. Es ist zutiefst unsatanistisch, einem "Versager" zu helfen - wer im Leben gestrauchelt ist und nun obdachlos vor dem Bahnhof hockt, hat es eben nicht besser verdient. Satanist sein heißt in aller Regel, mit einem unverblühmten Hedonismus (einer Lebenseinstellung, die allein dem Genuss verpflichtet ist) und unter Einsatz seiner spitzen Ellenbogen zu leben. Nur der Starke ist auf die Dauer überlebensfähig, und der Satanismus hilft ihm dabei. Satanisten reden viel von "Selbstverwirklichung", womit sie beim näheren Hinhören einen ungehemmten "Egotrip" meinen.

Im Grunde genommen setzt der Neosatanismus damit Tendenzen fort, die die moderne "turbo-kapitalistische" Gesellschaft stark mitbestimmen: Jeder ist seines Glückes Schmied, wer unten durch fällt war eben nicht tüchtig genug! Soziale Kälte statt soziale Verantwortung, Genusssteigerung statt Bereitschaft zum Teilen, Gleichgültigkeit gegenüber fremden Leid statt helfender Anteilnahme. Nimmt man die Satanisten beim Wort, sind sie eine Elite. Eine selbsternannte und parasitäre Elite: Ihrem skrupellosen Egoismus können sie nur so lange frönen, wie die Gesamtgesellschaft ihnen eine Nische bietet. Eine nur als Satanisten bestehende Gesellschaft würde nicht funktionieren. Würde hingegen eine satanistische "Elite" an die Macht kommen, gäbe es keine Sozialfürsorge mehr, keine Gnade für die Schwachen, statt dessen einen kapitalistischen Sozialdarwinismus, im dem nur der Starke ein Überlebensrecht hat.

Auch in einer anderen Hinsicht ist der Satanismus parasitär. Typisch für den Satanismus in beiden Formen ist, dass er im Gegensatz zu heidnischen Religionen wie z. B Asatrú oder Wicca keine unabhängige, aus sich selbst heraus existierende Religion ist, die neue Vorstellungen und Ideen hervorgebracht hätte. Der Satanismus übernimmt und pervertiert andere Religionen und Weltanschauungen, hauptsächlich das Christentum. Beim traditionellen Satanismus ist das offensichtlich, aber auch der Neosatanismus definiert sich vor allem durch seine "Anti"-Haltung gegenüber traditionell christlich besetzten Werten. (Siehe nochmals die Satanic Statements: fast alle enthalten das Wort "statt" oder "anstelle".) Der Satanismus ist eine parasitäre "Spiegelreligion", die ohne die christliche Lehre und ohne eine immer noch christlich geprägte Gesellschaft nicht existieren würde.

Neben diesen "rationalen" Satanisten gibt es auch noch "irrationale". Die harmlose Form ist der bekannte "Protestsatanismus". Die weniger harmlose ist der "psychotische Satanismus". Um diese Form des Satanismus geht es, wenn in der Presse mal wieder von "satanistischen Morden" oder "rituellem sexuellen Kindesmissbrauch" die Rede ist. Gegen Wahnsinnstäter, die ihre perversen Veranlagungen mit dem Satanismus verbrämen, helfen nur Strafverfolgung oder gegebenenfalls Therapie. Psychopathen vom Schlage Charles Mansons oder der Rudas, des "Satanistenpaars von Witten", hat es schon immer gegeben. Gäbe es keinen Satanismus, würden sie eben im Namen irgendeiner anderen Ideologie morden und vergewaltigen. Echte Satanisten distanzieren sich nicht allein aus taktischen Gründen von solchen Tätern, sie verachten sie, wenngleich nicht unbedingt aus moralischen Gründen: "Wahre Satanisten wissen sich auch, ohne Leute zu killen, zu helfen!" (Zitat aus einer Satanisten-Homepage.)

Sind Satanisten eine Gefahr für die Gesellschaft? Wohl kaum!

Keine andere religiöse Bewegung ist von so vielen paranoiden Geschichten und Spekulationen umgeben wie der Satanismus. Deshalb müssen z. B. von Therapeuten "ins Bewusstsein zurückgerufenen" Erinnerungen an "satanistischen Kindesmissbrauch" sorgfältig geprüft werden. Allzu oft erwiesen sich die "schrecklichen Erlebnisse" als therapeutische Artefakte. Erst recht müssen alle Behauptungen über satanistische Unterwanderungen und Verschwörungen sehr kritisch bewertet werden. Meistens ist bei der Bewertung gruseliger satanistischer Verschwörungstheorien ein Blick auf den Absender nützlich: fundamentalistische und charismatische Gruppen, die an die Nähe der drohenden Herrschaft des Antichristen glauben, sehen den Teufel bekanntlich immer und überall am Werk. Betrachtet man die realen Verhältnisse, müssen einem die markigen Sprüche mancher Satanisten keineswegs den Angstschweiß in die Stirn treiben. Sie sind - verglichen zum Beispiel mit den Rechtsextremisten und ihren allzu zahlreichen Sympathisanten - ein winziges, zerstreutes Häufchen. Horrorzahlen von Hunderttausenden Satanisten sind mit Sicherheit übertrieben. Es ist schwer, die konkrete Zahl zu schätzen, da gerade "harte" Satanisten sich, in Wahrnehmung ihrer ausgeprägten materiellen Eigeninteressen, im Gegensatz zu Protestsatanisten möglichst unauffällig verhalten. Sich offen als Satanist zu bekennen ist in fast allen Fällen Gift fürs Geschäft. Hinzu kommt, dass die meisten Satanisten sich eher am verbalen Radikalismus satanistischer Schriften berauschen, als diese Regeln konsequent zu leben - auch aus dem Grunde, weil diese Regeln nur für "Starke" lebbar sind, nicht aber für Menschen, die nur gerne stark wären.

'''Nicht zu vergessen, dass es im Satanismus wie in allen Religionen neben Radikalen auch Gemäßigte gibt. Es ist allerdings allein Sache dieser gemäßigten Satanisten, sich glaubwürdig von den radikalen Satanisten abzugrenzen - egal, ob das nun "klassisch" satanistische Tierquäler oder neosatanistische Sozialdarwinisten sind. Diese Aufgabe können wir Heiden ihnen nicht abnehmen.'''

Wir als Heiden sollten Distanz zu Satanisten halten - einen Sicherheitsabstand, der groß genug ist, dass er auch für die nicht über Details informierte Öffentlichkeit erkennbar ist. Sicher, es wird immer Leute geben, für die Hexen, Heiden und Teufelsanbeter dasselbe sind. Aber mit Sicherheitsabstand lassen sich Behauptungen á la "Wicca sind Satanisten" doch wesentlich glaubwürdiger und wirksamer zurückweisen. Satanisten sind nicht annähernd so gefährlich wie Neonazis und andere Rechtsextremisten. Dennoch gibt es eine Parallele: Wer sich als Heide nicht konsequent von rechtsextremen Bestrebungen abgrenzt, wird für rechtsextrem gehalten werden, da für weite Teile der Öffentlichkeit "Neuheiden" und "Neonazis" nach wie vor und leider nicht ohne Grund dasselbe sind. Allerdings - hier endet die Parallele - sollten wir Satanisten nicht wie "Braunheiden" und Neonazis mit Asatrú-Tarnanstrich politisch bekämpfen. Der Satanismus hat als Religion dasselbe Existenzrecht wie z. B. die katholische Kirche, der Methodismus oder der Zen-Buddhismus.

Martin Marheinecke, 1. September 2002


Links zu weiter führenden Informationen:

Confessio: Richtungen des Satanismus http://www.confessio.de/okkult/typologie.htm
Näheres über die verschieden Richtungen und Typologien des Satanismus.

Was ist Satanismus ? - Der Versuch einer Beschreibung des Phänomens http://www.relinet.at./wien/AGSatanismus.htm
Aus christlicher Sicht, sehr sachkundig. Besonders interessant ist der Abschnitt über rituellen Mißbrauch.

Worte - Klänge - Satanismus http://www.deutsche-sf.de/sxe/sx120/fds04.html
Satanismus als Reizwort und Provokation.

Satanismus - Eine Einführung http://www.jadehawks.de/owsite/anderes/satanismus-einfuehrung.htm
Aus Sicht der (nicht-satanistischen) "schwarzen Szene".

Auf Teufel komm raus http://www.uni-duisburg.de/DISS/Internetbibliothek/Artikel/AUF_TEUFEL.htm
Differenzierter Artikel aus dem Internet-Archiv des DISS (Duisburger Institut für soziale Studien).

Relinfo: Satanismus http://www.relinfo.ch/satanismus
Relinfo ist ein schweizerischer Informationsdienst über Sekten und Neureligionen, aus christlich-protestantischer Sicht.

Satanism and the History of Wicca http://maxpages.com/auburnwitch/Satanism_And_History_Wicca
Artikel einer kritischen Wicca über gern verschwiegene Aspekte ihrer Religion.

Anhang: Die neun "Satanic Statements" LaVeys:

1. Satan repräsentiert das Gewährenlassen anstelle der Abstinenz.
2. Satan repräsentiert das Vitale anstelle leerer spiritueller Träume.
3. Satan repräsentiert unbegrenzte Weisheit statt heuchlerischem Selbstbetrug.
4. Satan repräsentiert freundliches Verhalten einzig denen gegenüber, die es verdienen, anstelle nutzloser Liebe gegenüber Unwürdigen.
5. Satan repräsentiert Rache, anstatt die andere Wange hin zu halten.
6. Satan repräsentiert bei Auseinandersetzungen die Verantwortlichkeit dessen, der verantwortlich ist, anstelle der Sorge um psychische Vampire.
7. Satan repräsentiert den Menschen als nichts anderes als ein anderes Tier, manchmal besser, aber viel häufiger schlechter als jene, die auf vier Füßen gehen, ein Tier, das mit seiner angemaßten göttlichen Entwicklung intellektueller und spiritueller Art schlimmer als alle anderen Tiere geworden ist.
8. Satan repräsentiert alle sogenannten Sünden, soweit sie physischer, geistiger oder emotionaler Befriedigung dienen.
9. Satan ist der beste Freund, den die Kirche jemals gehabt hat, weil sie ihn all' die Jahre im Angebot gehabt hat.

(Anton Szandor LaVey, "The Satanic Bible", 1966)

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