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Lucas Corso Nemenyi
28.04.2017, 09:55

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Stichwort: Sommeraufregung über Géza von Neményi?

In der diesjährigen (2003) heidnischen Saure-Gurkenzeit scheint das bestimmende Thema die Aufregung um den derzeitig verkündeten nationalen Alleinvertretungsanspruchs eines "Asatrú-Goden" aus Berlin zu sein, der sich zum religiösen Führer aller unabhängigen naturreligiösen Heiden erklärte, die traditionell germanisch ausgerichtet seien: "Der Allsherjargode ist mit dem Godenrat eine Anlaufstelle für alle inhaltlichen Fragen zum traditionellen Heidentum und bewahrt das Heidentum vor Verfälschung und Umdeutung. Für alle einzelnen Heiden und heidnischen Gemeinschaften ist somit eine Richtschnur vorhanden, die das traditionelle Heidentum einheitlich darstellt. Für die Öffentlichkeit ist - wie auf Island oder dem Baltikum - ein Ansprechpartner vorhanden, der das traditionelle Heidentum repräsentiert."

Die - parallel zur Veröffentlichung eines Buches über Runenkunde (Heyne-Verlag) geschickt lancierte - Selbstinszenierung von Géza von Neményi, langjähriger Vorsitzender der Berliner Germanischen Glaubensgemeinschaft (GGG), traf ins Sommerloch und führte statt zum üblichen Schmunzeln zu einer Unterschriftenaktion von Heiden die sich gegen eine solche Vereinnahmung wehrten. Überregionale Asatrú-Organisationen sahen sich zu Stellungnahmen veranlasst. Wie es aussieht, werden sich jedoch (mangels Relevanz des Themas) die großen übergreifenden Vereine Rabenclan e.V., Steinkreis und Pagan Federation D.A.CH. offiziell nicht dazu äußern. Was jedoch nicht bedeutet, dass nicht auch in den Reihen ihrer Mitglieder sich ein gewisse Häme und Spott über den neuesten "Heiden-Papst" breit machte: So dezentral und anti-autoritär das heidnische und naturreligiöse Milieu traditionellerweise ist, so inflationär sind auch die Ausrufungen von neuen Erzdruiden, Ober-Hohepriestern, Hexenkönigen und Allhersjagoden. Eine ganze Reihe satirischer Reaktionen wie Verballhornungen des religiösen Titels des neusten Anwärters, Fotomontagen oder sogar ein "Geza-Blues"? sind die Folge.

Regelmäßigen Besuchern des Internet-Forums des Rabenclans könnten Géza von Neményi durchaus noch kennen. Im Mai 2002 wurde im Internet-Forum des Rabenclans von einem Board-Teilnehmer Auszüge aus dem Bericht des Berliner Senats für Bildung, Jugend und Sport über die Germanische Glaubens-Gemeinschaft (GGG) veröffentlicht. Die damalige Beauftragte für Sekten und weltanschauliche Gruppierungen hatte sich Mitte der Neunziger Jahre in einer Broschüre über jugendgefährdende Kulte und Psychogruppen in und um Berlin auch der Germanische Glaubens-Gemeinschaft (GGG) angenommen, wobei weniger die Bedeutung der Organisation als die schillernde Biographie ihres Vereinsvorsitzenden Grund für diese Aufmerksamkeit gewesen sein dürfte: Letzterer war Mitte der Achtziger in einen Skandal um den ehemaligen Berliner Landesverband der damals noch jungen grünen Partei verwickelt. Der SPIEGEL hatte in einem reißerischen Artikel nach eigenen Angaben eine rechtsradikale Unterwanderung der Berliner Landesliste entdeckt. Der politisch äußert suspekten "Menz-Gruppe" wurde aufgrund diverser Indizien auch das grüne Mitglied Géza von Neményi zugerechnet. Der Grüne Landesverband wurde damals zugunsten der Alternativen Liste Berlin aus dem deutschen Bundesverband der Grünen ausgeschlossen. (Erklärung des Bundesvorstandes der GRÜNEN zu den Aktivitäten von Neonazis im Westberliner Landesverband (7.1.1985)) Ein Artikel des baden-würtembergischen Landesverbands der Grünen mit dem Titel "Wie das Grüne sich ins Braune mischt" schildert ausführlich die Ereignisse um Geza von Nemenyi und Bernd Menz. Der Bundesvorstand veröffentlichte eine "Erklärung zu den Aktivitäten von Neonazis im Westberliner Landesverband".

Was der Berliner Senat an Äußerungen in der Vereinszeitschrift der GGG entdeckte war unappetitlich, wenn auch nicht ungewöhnlicher als das was man bei so manchen anderen merkwürdigen Heidenvereinigungen am Rande unserer Gesellschaft findet. Er dokumentierte eugenisch anmutende Zitate von Neményis wie die folgenden:

- "Bei den Germanen war es erlaubt, ein neugeborenes Kind auszusetzen, wenn es z. B. verkrüppelt war oder wenn die Familie keine Möglichkeit hatte, es aufzuziehen. Auch hier waren also menschliche Regeln im Einklang mit dem Instinkt. In der Natur ist es so geregelt, daß das Kranke und Schwache untergeht. Das mag für den christlich beeinflußten Menschen grausam klingen, aber es ist im Interesse der Arterhaltung dringend notwendig. Würde sich das Schwache weiter fortpflanzen, würde die ganze Art immer schwächer und dekadenter. Nur in einem gesunden Körper kann auch ein gesunder Geist sein. Leider wird dieses Naturgesetz heute ad absurdum geführt,(..)" - "Sterbehilfe bzw. Euthanasie gelten als barbarisch. Schlimmer ist allerdings, daß auch derart Kranken die Möglichkeit der Fortpflanzung gegeben wird. Die zukünftigen Generationen werden sich über die vielen Erbkrankheiten bei uns bedanken. (...) Wenn wir also heutzutage von instinktlosen Neidingen umgeben sind, dann können wir vielfach gar nicht instinktiv handeln. Wir machen uns strafbar, wenn wir z. B. ein krankes Neugeborenes aussetzen (...), weil die christliche Gesellschaft unsere natürlichen Instinkte bekämpft" - "Statt instinktiv einen bewährten, starken Freier zu wählen, wählt heute manche Frau den kranken, schwachen, und - noch schlimmer - setzt auch noch Kinder von ihm in die Welt."

Und berichtet wie Mitte der Neunziger Jahre in der GGG auf die Asylproblematik reagiert wurde: "Anläßlich des Brandanschlags auf eine Lübecker Kirche, bei der von den Brandstiftern Hakenkreuze und der Name des Pfarrers, der einer muslimischen Familie mit vier Kindern Kirchenasyl gewährt hatte, auf eine Wand gemalt wurden, wird in der GGG-Vereinszeitung der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz zitiert, der den Anschlag als "Versuch, mit Gewalt gegen die christliche Überzeugung vorzugehen (wertete), dass Menschenwürde und Menschenrechte allen Menschen, auch den Fremden zukommen". Die GGG-Vereinszeitung kommentiert: "Man fragt sich dabei allerdings, was von Fremden zu halten ist, die unseren Behörden vorlügen, in ihrer Heimat verfolgt zu werden, und die dann die Entscheidung unseres Staates gesetzwidrig nicht befolgen. Wer so gegen unser Gemeinwesen handelt, hat das moralische Recht verloren, von der Gesellschaft Menschenrecht und Menschenwürde einfordern."

Das Urteil der Sektenbeauftragten war damals hart: "Die Abgrenzung zu völkisch orientierten Gruppen erscheint zuweilen unscharf, und es wird vermutet, daß man sich von dieser eher diffusen Haltung Einflußmöglichkeiten auf die vielgestaltige Heidenszene offenhalten will.(...) Zur Frage Menschenrechte und Menschenwürde wird ein Menschenbild vertreten, das eine Spannung zum Grundgesetz erkennen lässt (...)."

Geza von Nemenyi meldete sich mehrere Monate später im besagten Board zu Wort: Den Bericht des Berliner Senats sei unglaubwürdig, weil die damalige Autorin sich vor Jahren in einer Elterninitiative engagiert hätte, in der auch die kirchlichen Sektenbeauftragten Friedrich Hack und Thomas Gandow, der Dominikaner Klaus Funke und der Journalist Hans-Jochen Maes aktiv gewesen wären. Außerdem sei ihr damaliger Chef und Senator ein christlicher Theologe gewesen.

Die Artikel seien missinterpretiert: "Mein Hintergedanke war dabei, zur Meinungsbildung zum Thema "Abtreibung" beizutragen. Denn wenn das Kinderaussetzen bei unseren Vorfahren erlaubt war (wenn auch nicht für gut galt), dann war eine Abtreibung natürlich erst recht gestattet. Das andere Thema, welches sich die Senatsbroschüre herausgriff, war das Thema Sterbehilfe und Euthanasie. Hier war meine Absicht nicht, die Mordmethoden des NS-Regimes zu rechtfertigen, sondern es ging um eine Meinungsbildung zum Thema Sterbehilfe und um das Recht unheilbar Kranker, auf eigenen Wunsch sterben zu dürfen."

Solche Erklärungen, die im offenkundigen Widerspruch zu den eben erwähnten Zitaten standen, ernteten vor einem Jahr auf dem Diskussions-Board hämische Kommentare und eine ganze Flut an weiteren Fragen zu Géza von Neményis Kontakten zum rechtsradikalen Milieu des deutschen Armanen-Ordens. Da das Rabenclan-Board eine frei zugängliche Diskussionsplattform und im großen Umfang auch von Nicht-Mitgliedern des Vereins genutzt wird, stellen die dortigen Meinungsäußerungen auf dem Board, stammen sie nun von Mitgliedern oder Nicht-Mitgliedern des Vereins, selbstverständlich nicht die offizielle Meinung des Vereins dar. Dennoch bilden sie in diesem Fall recht gut die inoffizielle Meinung innerhalb des Rabenclans ab: Geza von Nemenyi wird dort von vielen als obskure, wenn auch schillernde Randerscheinung des Heidentums eingeschätzt, dessen Aktivitäten und Äußerungen trotz verbaler Distanzierung vom rechtsextremen Milieu den "Raben" Anlass zu deutlichem Zweifel an seiner demokratischen Ausrichtung geben.

Lucas Corso

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Óskmejyar Teil 1 - Die Walküren in der Helgaquiða Hundingsbana I (von Hans Schuhmacher)
Thesen zur Germanischen Frau (von Hans Schuhmacher)
Die unbekannte Tradition: Slawisches Heidentum(von Anna Kühne)

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