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Lucas Corso Arun 05
28.04.2017, 09:55

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ARUN - Verlag Teil 5:

Die Antwort des Kritisierten - was will der ARUN-Verlag?

Stefan Ulbrich reagiert immer wieder mal mit persönlichen Stellungnahmen auf die Kritik an seinem Verlagsprogramm. Dort wiegelt er dann gerne mit Verweis auf seine "Jugendsünden" ab. So heißt es auf der Website des ARUN-Verlags

"In unregelmäßigen Abständen, aber doch immer mal wieder, wird dem ARUN-Verlag die Vergangenheit seines Verlegers vorgehalten. Um auf eine vor fast 20 Jahren abgeschlossene Angelegenheit nicht immer wieder das selbe antworten zu müssen, haben wir Ihnen hier einige Verweise zusammengestellt. Unserer Meinung nach bieten sie eine umfassende Aufklärung über die umstrittene Vergangenheit und unseren heutigen Umgang mit dieser." (1)

(Verwiesen wird dann auf das Hag&Hexe-Interview, auf einen Brief an Matthias Wenger und auf die Antwort des Thüringer Innenministeriums auf eine kleine Anfrage der PDS.)

Doch dieser Verweis trifft es nicht. Denn Björn Ulbrich wird nicht kritisiert, weil er vor 20 Jahren als Jugendlicher in der Wiking-Jugend engagiert war, sondern wegen eines Verlags-Programm, das seit fast einer Dekade neben seriöser Literatur immer wieder auch rechtsradikale oder völkische Titel aufweist. Angesichts dieses Umstandes wirkt seine Stellungnahme wie ein Versuch, vom eigentlichen Kritikpunkt abzulenken. Ebenso wenig überzeugen Ulbrichs Erwiderungen inhaltlich, wenn er auf Kritik an seinem Verlagsprogramm eingeht. Exemplarisch soll dies an zwei Stellungnahmen demonstriert werden:

1.) In einer "Richtigstellung zu den Ausführungen von Matthias Wenger über den ARUN-Verlag und seine Person in der Zeitschrift "Steinkreis" wehrt sich Stefan Ulbrich gegen Kritik an der Veröffentlichung des Romans "Die Schwarze Sonne von Tashi Lhunpo":

"Roman: nun es ist ein Roman. Mehr nicht. So gut oder so schlecht wie jeder Roman. Daraus abzuleiten, daß mit diesem Roman irgendetwas "gesagt" oder "gedeutet" werden sollte, ist lächerlich. Inhaltlich ist der Roman nicht tendenziös, bezieht keinerlei Position. Ansonsten könnte man ja Zitate oder Belegstellen bringen, tut man aber nicht. Kann man auch nicht. Aber man muß ja noch einen Roman über die Zeit und die Problematik schreiben können dürfen, ohne gleich ein Tabu zu verletzen.
Daß das Symbol der schwarzen Sonne mittlerweile (und leider nicht ohne Zutun des Romans und der sog. Thule-Watch) zu einem Leitbild esoterischer Hitleristen mutiert ist, kann ich nur zutiefst bedauern. Das war nicht unser Anliegen. Ich kann es leider nicht ändern. Ich kann nur sagen, daß es in unserem Hause aus diesem Grund keine weitere Auflage des Buches und der Uhr mehr geben wird. Es ist berechtigt, Kritik daran zu üben, daß dieser verlegerische Schritt spät kommt. Vielleicht hätte man es vorher wissen müssen. Hätte! Vielleicht! Wer viel macht, macht eben auch einiges falsch!" (2)

Bedauerlicherweise ist es jedoch nicht "lächerlich" anzunehmen, dass mit diesem Roman irgendetwas "gesagt" oder "gedeutet" werden sollte. Und es eben nicht nur ein Roman und "mehr nicht". Die Aussagen im ersten Absatz dieses Zitat widersprechen fast im Wortlaut der Verlagsankündigung des Romans, wie sie noch im Herbst 2000 von Ulbrich publiziert wurde. Dort wird es mit den Worten beworben: "Das Buch ist mehr als nur ein Roman. Für den, der es zu deuten versteht, wird nichts mehr sein, wie es einmal war. Dafür sorgen die intensiven Recherchen des Autors über die in der Politik wirkenden esoterischen Geheimgesellschaften."(Hervorhebung durch LC)

Man mag einem Verleger, der Biographien rund um Nazi-Okkultisten wie Otto Rahn und Weisthor betreut, nicht glauben, dass er nicht genau wusste, auf was hier angespielt wurde.

Der zweite Absatz wirkt nicht viel glaubhafter: Selbstverständlich unterstellt niemand allen Ernstes Ulbrich, dass es sein Anliegen gewesen sei, dass der Roman oder das Symbol der Schwarzen Sonne zum Leitbild esoterischer Hitleristen wurde. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass Ulbrich neonazistische Modewellen initiieren will. Aber die Frage ist, ob hier ein bedauerliches Versehen vorliegt, ein verlegerischer Unfall, den man "vielleicht" hätte vermeiden können?

Selbstverständlich kann man sich den Fall eines konservativen Verlegers vorstellen, "der viel macht", und dem ausnahmesweise aufgrund schlampiger Recherche auch ein braunes Buch ins Verlagsprogramm rutscht. Fehler kommen vor. Schaut man sich aber die Aktivitäten des ARUN-Verlags an, sieht die Situation anders aus: Es wäre alles kein Problem, wenn die Veröffentlichung des Romans ein Einzelfall wäre. Doch es geht nicht um einen Verleger, der zufällig einmal ein Buch und dessen mystifizierenden Tendenzen der SS nicht richtig gelesen hat. Die Summierung von Einzelfällen, die in dieser Artikelreihe exemplarisch aufgezählt sind, ist das, was stutzig macht: Es geht um einen Verleger, der ansonsten auch Bücher über Otto Rahn und von Otto Rahn verlegt, der keine Scheu hat, Werke von Julius Evola zu verlegen, der in seinen eigenen Büchern völkische Argumentationen aufgreift und unbedenklich-naiv Nazi-Dichter zitiert usw. Irgendwie mag man nicht mehr an Zufälle oder verlegerische Missgeschicke bei diesem Verlagsprogramm glauben.

Ob zudem die rechtsradikale Bedeutung der Uhrsymbolik dem Verleger so unbekannt waren, wie hier angedeutet wird, ist unklar. Franziska Hundseder behauptet: "Mit seiner "Arbeitsgemeinschaft für Basismedien Pyramid Media" veranstaltete er [Ulbrich] schon Ende der achtziger Jahre mit dem Leiter des Kasseler "Thule-Seminars" Pierre Krebs Seminare über "Metapolitik". 1990 gehörte Ulbrich zu den Teilnehmern des ersten Kongresses der Neuen Rechten, bei dem sogenannte nonkonforme Patrioten an der Vernetzung von Gruppen und Verlagen, an einem Medienverbund und auch bereits an einem Mailbox-System bastelten."(3)

Das in rechtsradikalen Kreisen wohlbekannte Thule-Seminar, das für eine moderne und zeitgenössische Formulierung rechten Gedankenguts eintritt, hat jedoch ein markantes und wohlbekanntes Symbol: Die Schwarze Sonne.

Wenn Ulbrich in dieser Stellungnahme von 2002 abschließend jedoch ankündigt, dass es zu diesem Buch keine weitere Auflage mehr geben wird, stimmt das hoffnungsvoll. Freilich wäre es erfreulicher gewesen, wenn das Buch auch nicht mehr ausgeliefert würde, bzw. ausgelieferte Bände von Buchhändlern und Großhändler zurückgefordert würden. Aber vielleicht hätte dies den geschäftlichen Interessen eines mittelständischen Verlegers doch ungebührlich geschadet, so dass man durchaus Verständnis dafür haben kann, wenn hier ethische Erwägungen hintangestellt werden müssen. Doch selbst dann scheint es, als ob Ulbrich gerade nur soweit zurückweicht, wie es ihm unbedingt nötig erscheint: Das ebenfalls von ARUN verlegte Drehbuch zu dem Roman, auf dessen schwarzen Buchcover das Symbol der "Schwarzen Sonne" in markantem Rot aufleuchtet, wurde noch im Herbst 2003 als Sonderangebot auf der Homepage verkauft (4). Möglicherweise liegt das vielleicht daran, dass Ulbrich sich in der obigen Stellungnahme feinsinnig nur von dem Roman distanzierte, nicht jedoch von dem Drehbuch.

2.) Im Winter 2001 wurde auf dem noch aktiven Internet-Board des damals schon eingestellten Heidenmagazins "Hag & Hexe" die Frage diskutiert, warum einige heidnisch orientierte Autoren wie Vicky Gabriel oder Igor Warneck trotz ihrer politisch linken Ausrichtung Bücher im "ARUN"-Verlag publizierten. Im Zuge der hitzigen Diskussion, bei der sich betroffene Autoren meldeten, schaltete sich auch der Verleger ein:

"Thema: "warum schreiben die alle bei ARUN": ja, frag sie doch mal. Vielleicht weil ihre Bücher bei Arun nicht zensiert werden, vielleicht weil sie keine Lust haben in einem anonymen Großkonzern zu veröffentlichen, bei dem man sie am Telefon gar nicht als Autor erkennt, vielleicht aber auch weil Arun im heidnischen Bereich nahezu der einzige Verlag ist, der keine Mainstream-Esoterik veröffentlicht, sondern Qualität bietet. Wer Ludwig-Bücher gut und seriös findet, soll doch Ludwig-Bücher kaufen. Aber fragt doch mal Vicky oder Gardenstone, welche Erfahrungen sie bei diesem Verlag gemacht haben, und ob sie wieder dort veröffentlichen würden. Fragt sie doch!" (5)

Eine unglückliche Aufforderung: Im Internet-Board des Rabenclans wurde daraufhin eine eMail veröffentlicht, in der der niederländisch-deutsche Autor "Gardenstone", der kurz zuvor ein Buch über "Germanischen Magie" im Arun-Verlag veröffentlicht hatte, sich deutlich bei Stefan Ulbrich beschwerte. Offenkundig hatte der Verlag ohne Rücksprache mit dem Autor in das Kapitel "Runen und Politik" einen zusätzlichen Absatz eingefügt, der die Distanzierung des Buches vom rechtsextremen Missbrauch der Runen relativierte und als oberflächlich und polemisch skizzierte. Sinngemäß wurde davor gewarnt alles Böse dem Rechtsextremismus anzulasten. Der Autor verwahrte sich in dieser eMail gegen solche Eingriffe in seinen Text, da eine undifferenzierte Beschreibung dieser Problematik nicht vorliegen würde.(6) Dem interessierten Leser wurde klar: Offenkundig versuchte der Verlag in diesem Buch tendenziös in die politischen Wertungen des Autors einzugreifen.

Die zentrale Frage bleibt, was Björn Ulbricht mit seinem Verlagsprogramm erreichen will, das sowohl neuheidnische Kreise als auch Sympathisanten der "Neuen Rechte" anspricht. Das schon mehrmals erwähnte Interview in der Zeitschrift "Hag &Hexe" enthält einen signifikanten Hinweis. Ulbrich macht sich dort Gedanken über die "Zerstrittenheit des Heidentums" - ein Topos der gerne von völkischen Heiden verwendet wird, die naturgemäß kein Interesse daran haben, dass anti-rassistische Initiativen im Neu-Heidentum sich scharf von ihnen abgrenzen.

"Die Diskussionen, ob und welche Heiden nun rechts oder links einzuordnen sind, halte ich für völlig unangemessen, denn sie lähmen nur unsere Kraft. Man sollte sich lieber zusammensetzen und nach Gemeinsamkeiten schauen, um herauszufinden, was man gemeinsam konkret in Form von Projekten tun kann; (...)

Anstatt sich dauernd mit Dreck zu bewerfen, sollte man sich lieber sagen: "Okay, wir haben in vielen Fällen Differenzen und kommen an vielen Punkten nicht zusammen, aber laßt uns mal überlegen, wo wir Gemeinsamkeiten haben und gemeinsam etwas Positives aufbauen können." Dadurch kommt man sich zum einen sowieso näher und lernt sich besser verstehen - es stellt eine gute Übung in der Toleranz auch Andersdenkenden gegenüber dar -, und das Ergebnis besteht nicht nur in völlig verkehrt geschossener Energie, sondern in der Zusammenarbeit an einem konkreten Projekt. Das heißt dann noch lange nicht, daß man unbedingt in allen Bereichen miteinander konform gehen muß.

Das müssen die Heiden meiner Meinung nach endlich schaffen: es aufzugeben, sich mit so völlig unnötigen politischen Diskussionen zu entzweien, sondern ihre Gemeinsamkeiten auch gemeinsam umzusetzen. Der Rest kommt dann von alleine. Wenn man sich persönlich gut versteht, werden immer mal Ansichten revidiert oder umgeändert. Man wird vielleicht feststellen, daß auch andere gute Argumente haben und kann sich auf einer ganz anderen Basis miteinander verständigen."

Die hier geforderte Toleranz unter den paganen Strömungen, der Schulterschluss, wenn es um eine gemeinsame religiöse Grundlage geht, ist seit mehreren Jahren eine Hauptforderung von (Neu-)Heiden, die dem rechtsradikalen Milieu zuzuordnen sind oder zumindest signifikante Abgrenzungsprobleme nach rechts ausweisen. Die Botschaft lautet: "Laßt das politische mal beiseite, die Uneinigkeit schwächt doch das Heidentum nur." Gesetzt wird dabei auf eine bei vielen esoterisch orientierten Menschen verbreitete Grundhaltung, in der politische Auseinandersetzungen als "unharmonisch", "unspirituell" oder "unmenschlich" gewertet werden.

Das Verlagsprogramm von Ulbrich ist ein solcher exemplarischer Schulterschluss - aus Sicht von rechten Kreisen durchaus geglückt. Das Heidentum in Deutschland wird sich mit der Frage auseinandersetzen müssen, ob es ein Ausrutscher bleiben wird oder zum Regelfall.

Ich persönlich kann Heiden und Naturreligiöse von einem solchen Schulterschluss nur abraten. Die einzigen, die etwas zu verlieren haben, wenn es nicht zu einem Brückenschlag zwischen völkischen und antirassistisch eingestellten Heiden kommt, sind die Vertreter völkischer Anschauungen. Sie brauchen die Brücke in diese Gesellschaft, sie brauchen eine Reputation von außen, frei nach dem Motto: "So schlimm sind die ja gar nicht." Der Großteil der Heiden hat vermutlich nichts davon - außer einen eklatanten Nachteil: Nämlich dem, dass sich jetzt schon Autoren wie Vicky Gabriel, Igor Warneck, Nigel Pennick und Francoise Le Roux fragen lassen müssen, aus welcher Geschmacklosigkeit heraus sie gerade im ARUN-Verlag publizieren mussten.

Lucas Corso

Anhang: Weitere Materialien, Einschätzungen und Zitate zum Arun-Verlag


1 http://www.arun-verlag.de/arun/selbstportraet/jugendsuenden.html

2 http://www.arun-verlag.de/arun/selbstportraet/antwort_wenger.html

3 Franziska Hundseder: "Wotans Jünger - Neuheidnische Gruppen zwischen Esoterik und Rechtsradikalismus"; München 1998; S.144

4 Norbert Hess: "Die Schwarze Sonne von Taishi Lhunpo - Das Drehbuch"; Engerda 1995

5 "Hab mal den Text gesucht" von Unbekannt am Sam, 15. Dez 2001 18:26; http://www.klammeraffe.org/rabenclan_forum/article.php?sid=249

6 Veröffentlicht in dem Posting: Gardenstone und Arun-Verlag von brandy am Son, 16. Dez 2001 09:18 http://www.klammeraffe.org/rabenclan_forum/article.php?sid=249 << Teil 4: Stigmatisierung eines Gestrauchelten oder Kritikresistenz? - Zur Problematik von biographischen Deutungen | Liste Nach Autoren | Anhang: Weitere Materialien und Zitate zum ARUN-Verlag >>

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