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Lambing Demokratie 3
18.07.2005, 16:36

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Teil 2: Rassistisches Neuheidentum
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Antidemokratische Strömungen im naturreligiösen Umfeld

Zusammenfassung - Die Gefahr des Pauschalisierens
(Autor: Julio Lambing)

Natürlich kann eine solche Einführung, wie sie hier in das Themenfeld "Demokratiefeindlichkeit und Neuheidentum" gegeben wurde, nur holzschnitzartig analysieren und muss viele Nuancen außen vor lassen. Sie kann erste grobe Orientierungspunkte liefern, ist aber immer auch undifferenziert.

Es gäbe viel zu spezifizieren: Die beiden hier genannten Hauptströmungen demokratiefeindlicher Tendenzen im Heidentum sind natürlich nicht die einzigen. So wie die Theosophie mit demokratiefeindlichen Motiven in der Esoterik in Verbindung gebracht werden kann, ist sie dennoch geschichtlich auch mit emanzipatorischen, demokratiefreundlichen, feministischen oder sogar sozialistischen Strömungen verbunden. Der Rückgriff auf das Germanentum wurde nicht nur von reaktionären Kulturströmungen genutzt, sondern genauso auch von linken und demokratiefreundlichen Kräften (Jefferson sah ursprünglich auf dem amerikanischen Banner eine Abbildung zweier sächsischer Könige vor; auch der 1. Mai - im europäischen Heidentum eine wichtige Kalendermarke - wurde nicht zufällig Feiertag der Arbeiterbewegung). Selbstverständlich kann nicht gesagt werden, dass Vertreter nordamerikanischer, indianischer Interessengruppen nicht das Recht haben, eine adäquate und respektvolle Rezeption ihrer Kultur anzumahnen. usw. usw.

Eine differenzierende Fragestellung muss jedoch angesprochen werden: Diskreditieren die hier genannten demokratiefeindlichen Strömungen Naturreligiosität insgesamt? Nein, definitiv nicht. Auch wenn diese Strömungen hier sehr ausführlich dargestellt sind, stellen sie nicht die Majorität dar. Wenige naturreligiöse Gruppen und Traditionen weisen offen demokratiefeindliche Tendenzen auf. Etwas mehr Gruppen grenzen sich aufgrund eines problematischen Toleranzverständnisses nicht sauber von demokratiefeindlichen Tendenzen ab. Selbst wenn die esoterische Prägung der naturreligiösen Szene im Westen eine gewisse Selbstbezogenheit und Harmoniesucht fördert, so steht doch der aller überwiegenste Teil der naturreligiös orientierten Menschen zur institutionalisierten Demokratie. Sie unterscheiden sich in Ihrer Ausrichtung nicht von dem in den westliche Zivilgesellschaften demoktratischen Persönlichkeitsprofil..

Problematisch müssen in erster Linie nur solche Gruppen betrachtet werden, die einen deutlich theosophischen oder ariosophischen Einfluss aufweisen. Und selbst wenn eine solche Beeinflussung vorliegt, muss immer noch im Einzelnen geprüft werden wie weit sie geht. Nicht jeder, der von Chakren und Reinkarnation spricht ist gleich ein Faschist - eine differenzierende Erkenntnis, die so manchem Esoterikkritiker bisher nicht recht zugänglich scheint. Auch hier bildet jener Teil, der eindeutige Defizite im demokratischen Verständnis aufweist, nur eine Minderheit innerhalb der gesamten Szene.

Naturreligiöse Kulturen hat es schon lange vor dem Entstehen von theosophischen und ariosophischen Ideologien gegeben. Und mag es auch sein, dass gerade in Europa ihre Wiederbelebung realiter eine überwiegende Neuschöpfung beinhaltete, so bedeutet dies nicht, dass Naturreligiosität eine Erfindung von Theosophie, New Age oder Ariosophie ist. Die Antworten von naturreligiösen Kulturen auf die demokratische Frage sind genauso bunt und unterschiedlich wie es diese Kulturen selbst sind. Außerdem finden sich in einer Vielzahl von ursprünglichen naturreligiösen Kulturen auch komplexe demokratische Strukturen und Vorstellungen, die durchaus als Lösungsvorschläge für ein gelungenes menschliches Miteinander herhalten können. Wer hier pauschal davon spricht, dass Naturreligiosität ein Synonym für reaktionäre oder faschistoide Tendenzen bedeutet, hat eines ganz sicher nicht verstanden: Die Komplexität religiöser Traditionen.

Julio Lambing

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