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Kuehne Spicer ORD Kap 3
28.04.2017, 09:55

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Der Odinic Rite Deutschland - Neuheidentum im Spannungsfeld neurechter Religiosität

von Berna Kühne-Spicer
- Alle Rechte bei der Autorin -

3. Der ORD - Unpolitisch und ideologiefrei?

Der Odinic Rite Deutschland (ORD) ist ein eingetragener Verein, der sich mit Asatru - eine der Bezeichnungen für neugermanisches Heidentum - befasst. Er wurde 1995 von den deutschen Mitgliedern des britischen Odinic Rite gegründet, eine Organisation, die Positionen vertritt, die zum Spektrum des Kulturalistischen Rassismus gehören (siehe Kapitel 5.). Der ORD hat laut eigener Auskunft derzeit ca. 50 Mitglieder und 30 Anwärter auf die Mitgliedschaft. Im Frühjahr 2004 fand eine Reform der vereinsinternen Strukturen statt, und der Verein gab sich eine neue Satzung, mit der er sich ausdrücklich von seiner zweifelhaften Mutterorganisation abgrenzt. Er erklärt, unpolitisch und ideologiefrei zu sein und sich als Verein ausschließlich mit der Rekonstruktion der Glaubensvorstellungen der alten Germanen zu befassen. Dennoch wird er, u.a. von Vertretern des Rabenclan - Arbeitskreis für Heiden in Deutschland e.V., noch immer als tendenziell politisch rechts(extrem) eingeordnet.

Es soll hier nun im weiteren untersucht werden, ob diese Einordnung berechtigt ist und ob es sich beim Odinic Rite Deutschland um ein Beispiel für die oben beschriebene Vernetzungsstrategie der Neuen Rechten handeln könnte oder nicht.

Um mehr über eine Organisation zu erfahren, geht man heutzutage üblicherweise erst einmal ins Internet und dort auf die betreffende Internetseite mit der Selbstdarstellung dieser Organisation. Schauen wir also zunächst nach, wie dem Besucher der aktuellen Homepage des Odinic Rite Deutschland vermittelt wird, mit wem er es hier zu tun hat.

Auf der Willkommensseite (Stand 30. Juni 2005) heißt es:

"Der Odinic Rite Deutschland e.V. (ORD) ist eine naturreligiöse Gemeinschaft auf der Grundlage der überlieferten vorchristlichen germanischen Religion und Kultur. Er folgt der Leitidee eines freien Heidentums, das verschiedene individuelle Ausprägungen unter einem gemeinsamen Ziel vereinigt.

Den Mitgliedern steht es frei, in ihre persönliche Religiosität auch Inhalte und Praktiken anderer naturreligiöser Traditionen zu intregrieren (sic), der ORD als Gemeinschaft jedoch widmet sich ausschließlich der Ausübung des traditionellen germanischen Heidentums.

Der ORD wurde im März 1995 in Köln gegründet und hat Mitglieder in allen deutschsprachigen Ländern. Er verfolgt ausschließlich religiöse Ziele und ist unabhängig von anderen heidnischen Organisationen, arbeitet aber mit seriösen und demokratischen Gruppen in gemeinsamen Projekten zusammen."

Als nächstes klickt man wahrscheinlich im Menü auf den Button "Der ORD", welcher zur Selbstbeschreibung des Odinic Rite Deutschland führt. Dort findet man die folgende Passage:

"Der Odinic Rite Deutschland sieht seine Aufgabe darin, abseits neuzeitlicher Deutungen auf der Basis der authentischen Überlieferung und der Ergebnisse seriöser historischer Forschung die traditionelle Religion des germanischen Heidentums in einer für die Gegenwart und Zukunft tauglichen Form wiederzubeleben. Zu diesem Ziel hat der ORD drei Konzepte entwickelt:

- Traditionelles germanisches Heidentum in heutiger Zeit
- Leitidee freies Heidentum
-Ethnische Naturreligion"

Als sensibilisierter Leser stutzt man vermutlich. "Ethnische" Naturreligion? Ist damit etwa gemeint, dass man durch seine ethnische Herkunft auf eine bestimmte Religion festgelegt ist? Das wäre Rassismus. Diese Befürchtung wird aber im weiteren Textverlauf ausgeräumt:

"Das germanische Heidentum ist die Religion heutiger Menschen, die durch Geburt oder Aufnahme Angehörige einer germanischen Gemeinschaft sind und sich ihrem Erbe verpflichtet fühlen."

Wenn man nach Auffassung des ORD auch durch Aufnahme zum Angehörigen einer germanischen Gemeinschaft werden kann, ist ja wohl niemand grundsätzlich davon ausgeschlossen. Man kann sich höchstens noch fragen, was nach Meinung des ORD eine germanische Gemeinschaft ausmacht und ob sie sich auch ausschließlich aus Menschen nichtgermanischer Abstammung außerhalb Europas bilden kann?

Allerdings ist das germanische Heidentum durch den Missbrauch völkischer Ideologen nicht erst seit der Zeit des Nationalsozialismus schwer belastet. Wer sich damit beschäftigt und sich gar damit identifizieren will, kommt nicht umhin, wenigstens ein paar grundsätzliche Aussagen zu machen, um diesbezüglichen Spekulationen und Unterstellungen vorzubeugen. Das tut der Odinic Rite Deutschland denn auch und erklärt, er vertrete u.a. NICHT:

- "Folkish Asatru" als exklusive Religion der Menschen germanischer Abstammung
- Lehren der Ariosophie, der völkischen Esoterik und ähnlichen "Neugermanentums"
- Missbrauch des germanischen Heidentums im Dienst politischer Ideologien oder zum Zweck der persönlichen Profilierung"

Ausdrücklich arbeitet er nicht zusammen mit:

- Satanisten, Rassenmystikern und spekulativen Esoterikern und Okkultisten
- Vertretern dogmatischer Auslegungen des germanischen Heidentums
- Missionarischen Bewegungen und "religiösen Führern" jeder Art"

Unter dem Menüpunkt "ORD und Politik" heißt es außerdem:

"Bereits bei seiner Gründung hat sich der Odinic Rite Deutschland von rechtsextremen und rassistischen Missdeutungen des germanischen Heidentums klar distanziert. Ebenso klar bekennen wir uns zur demokratisch-pluralistischen Gesellschaft und ihren Grundwerten der Freiheit und Menschenwürde, die wir aus den germanischen Idealen der Ehre und Achtung des Anderen ableiten."

Es wird die politische Neutralität betont:

"Darüber hinaus vertritt der ORD keine bestimmte politische Linie, sondern widmet sich ausschließlich religiösen Belangen.
Deshalb ist der ORD weder eine "linke" noch eine "rechte" Heidengruppe und stellt sich auch nicht ausdrücklich gegen eine politische Richtung. ORD-Mitglieder können in jeder demokratisch legalen politischen Gruppierung mitarbeiten. Die aktive Vertretung totalitärer und menschenverachtender Ideologien schließt aber eine Mitgliedschaft im ORD aus.
Politik muss aber immer auf das persönliche Engagement des Einzelnen beschränkt bleiben und darf mit der religiösen Arbeit des ORD nicht vermengt werden. Das bedeutet einerseits, dass niemand seine politischen Ansichten und Ziele, und seien sie noch so ehrenhaft, in den ORD tragen und versuchen darf, die Vereinstätigkeit durch sie zu beeinflussen. Andererseits darf niemand, der in der Öffentlichkeit eine politische Meinung vertritt, dies im Namen des ORD, sondern immer nur in eigenem Namen tun."

Hier stellt sich dem aufmerksamen Leser die Frage: Wie will man denn verhindern, dass die politischen Ansichten eines Mitglieds dessen Engagement im Verein beeinflussen? Es ist verständlich, dass der Verein politisch neutral sein möchte. Ob solche Grundsatzerklärungen dafür ausreichen, ist sicher zu bezweifeln. Doch warum wird dem ORD vorgeworfen, insgesamt eine politisch eher rechtsgerichtete Organisation zu sein - auch jenseits der Gefahr einer Instrumentalisierung durch Vereinsmitglieder, die es mit dem Grundsatz der politischen Neutralität vielleicht nicht so genau nehmen?

Einen ersten Hinweis liefert uns z.B. Antje Schrup. Sie hat in diesem Zusammenhang allen, die sich mit neuheidnischen Grupperungen beschäftigen, eine interessante Warnung mit auf den Weg gegeben:

"Vorsicht, wenn die Gruppe sich zwar als nicht-rassistisch verstehen will, aber immer betont, daß sie unpolitisch sei. Wirklich nicht-rassistische Heiden und Heidinnen haben ihr Verhältnis zum rechtsextremen Heidentum reflektiert und verstehen sich insofern durchaus als politisch."

(Quelle: http://www.antjeschrupp.de/rechte_ideologie.htm)

Hier wird also dazu geraten, gerade bei der Betonung einer unpolitischen Haltung in Heidengruppen ein gewisses Misstrauen an den Tag zu legen. Der Vorschlag scheint berechtigt: In der öffentlichen politischen Arena ist es ein bekanntes und oft genutztes Taktikmittel der Rechtsextremen, per Behauptung abzustreiten, was man gleichzeitig permanent tut:

"Dieselbe Linie verfolgen NPD und DVU schon seit langem: Beide Parteien betonen ihre demokratische Haltung und weisen den Vorwurf, rechtsradikal oder ausländerfeindlich zu sein, weit von sich."

(Quelle: http://www.journalistenakademie.de/lesepr/mm90.htm)

Hans Schuhmacher vom freien Ariosophieprojekt lenkt in seinem Artikel "Völkische Ideologie" die Aufmerksamkeit auf weitere Aspekte rechter Taktiken:

"Ein offensichtliches taktisches Element ist die Vermeidung direkter rassistischer Aussagen und Thesen. Hierbei sollte aber nicht übersehen werden, dass dieses nicht nur die Zielrichtung hat, Kontrollinstanzen auszumanövrieren. Eine womöglich noch wichtigere besteht darin, die Ideologisierten oder zu Ideologisierenden nicht merken zu lassen, was ihnen eingetrichtert wird. Genau wie wir es bei den Theosophiederivaten gesehen haben, entsteht hierdurch eine Peripherie von Individuen, die sich selbst gar nicht für Rassisten halten, aber bereits wichtige Elemente der Ideologie sowohl weiterverbreiten als auch gegen Kritik verteidigen."

(Quelle: http://www.rabenclan.de/index.php/Magazin/HansSchuhmacherVoelkische2)

Er macht darüber hinaus klar, dass eine "unpolitische" Haltung von Heiden ausreicht, um rechter Ideologie Tür und Tor zu öffnen:

"Ebenso wie es beim ariosophischen Rassismus in der Heidenszene der Fall war und ist, genügt den rechten Ideologen die Duldung - allgemeine Zustimmung brauchen sie nicht.
[...]
Auch ist die Heidenszene heute noch ein Tummelplatz rechter Demagogen, wo sie nach wie vor geduldet werden, und ihre fortwährenden Appelle an "Toleranz" (beispielsweise auf den Rabenclan-board) zeigen, dass es lediglich diese "Toleranz" (nämlich Duldung) ist, die sie wollen und brauchen. Freilich ist nicht jeder, der "Toleranz" für Rechte fordert, selbst ein Rechtsextremist - es gibt ebenfalls solche, die sich von ihnen instrumentalisieren lassen. Angesichts der Tatsache, dass sachdienliche Information heutzutage nur einen Mausklick entfernt ist, muß man aber diese Instrumentalisierten in die Verantwortung nehmen und sie als das sehen, was sie sind, nämlich Helfershelfer.
[...]
Also: aufgrund der Charakteristika der völkischen Ideologie ist jede Haltung ihr gegenüber, die kein kategorisches Nein ist, funktional ein Ja."

(Quelle: http://www.rabenclan.de/index.php/Magazin/HansSchuhmacherVoelkische7)

Solche Überlegungen liefern also erste Hinweise, warum man dem ORD auch reserviert gegenüber stehen kann. Doch Mutmaßungen sind kein Argument, und durch ungerechtfertigte Zuschreibungen von gerade politisch missliebigen Positionen ist schon viel Schaden angerichtet worden. Es könnte gut sein, dass der ORD eine Camouflage-Strategie, wie sie weiter oben in groben Umrissen geschildert wird, eben nicht benutzt.

Nehmen wir als Nächstes die inhaltlichen Grundlagen des ORD einmal ganz konkret unter die Lupe, wie es seitens des ORD ja auch erwünscht ist:

" Von den meisten "Kritikern" des ORD haben sich die wenigsten die Mühe gemacht, zumindest mal unsere (in diesem Fall ist der ORD gemeint) verfügbaren Veröffentlichungen und "Theoretika" mal gründlich (und vielleicht sogar vorurteilsfrei ) zu lesen ..."

(Quelle: http://www.nornirsaett.de/forum/showtopic.php?threadid=954&pagenum=3)


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Óskmejyar Teil 1 - Die Walküren in der Helgaquiða Hundingsbana I (von Hans Schuhmacher)
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Die unbekannte Tradition: Slawisches Heidentum(von Anna Kühne)

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