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Kuehne Spicer ORD Kap 2
28.04.2017, 09:55

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Der Odinic Rite Deutschland - Neuheidentum im Spannungsfeld neurechter Religiosität

von Berna Kühne-Spicer
- Alle Rechte bei der Autorin -

2. Das Neuheidentum als Instrument des Rechtsextremismus

Dieselben Grundlagen finden sich - zumindest teilweise - auch in einigen Spielarten des modernen Rechtsextremismus wieder. Diese Spielarten werden von Extremismus-Beobachtern wie folgt beschrieben:

"Das langfristige Ziel des Rechtsextremismus besteht darin, die staatliche Ordnung in einen völkischen Nationalismus zu transformieren, mithin einen Systemwechsel herbeizuführen. [...] Um einen Systemwechsel herbeizuführen, bedarf er einer hinreichenden Massenbasis, die durch politische Kampagnen und durch Bündnis- bzw. Sammlungspolitik mobilisiert werden soll.
[...]
Der ideologische Hintergrund [...] läßt sich mit dem Schlagwort "nationalrevolutionäre Position" beschreiben, wie sie der Nationaldemokratische Hochschulbund in den letzten Jahren propagierte. Die Papiere des NHB waren bis vor kurzem in der "Widerstand" komplett dokumentiert. Sie liegen auch gedruckt in der NHB-Zeitschrift "Vorderste Front" vor. Ihr Konzept, die Intellektualisierung des rechten Terrors, läuft auf eine Nazi-Stadtguerilla hinaus. Das Thule-Netz ist ein Baustein bei der Verwirklichung dieses Konzeptes. Dazu gehört auch die Aufnahme ... eines "Neuen Heidentums" ... in die rechtsintellektuelle Ideologie".

(Quelle: http://www.extremismus.com/texte/rex5.pdf)

Das Neuheidentum wird also gezielt von Rechtsextremen für ihre Zwecke genutzt. Und es wird deutlich: Es gibt nicht nur Hau-Drauf-Rechtsextreme, sondern z.B. auch die Neue Rechte, deren Vertreter im Internet durch intelligente Formulierungen, betont gesittetes Benehmen und souveränen Diskussionsstil auffallen.

"An das neugermanische Heidentum knüpft auch die sogenannte «Neue Rechte» an. Seit Ende der 60er Jahre versuchen die Vertreter der Neuen Rechten in intellektuellen Zirkeln, über Debattierklubs, in öffentlichen Vorträgen und Zeitschriften das ideologische Fundament ihres «neuen Denkens» zu verbreiten. Nicht über politische Aufstände, sondern über langfristiges und geduldiges Umdenken soll der «Kulturkampf» bzw. die «Kulturelle Revolution» stattfinden. Die Neue Rechte versucht sich von der alten, am Nationalsozialismus orientierten, teilweise gewaltbereiten Rechten abzugrenzen, indem sie den anrüchigen Rassendiskurs durch einen Kulturdiskurs ersetzt und sich betont «intellektuell» gibt.
[...]
Die Neue Rechte entwirft gesellschaftliche Konzepte, die vordergründig auf der kulturellen Verschiedenheit der Menschen und Völker basieren. Ihr Konzept des "Ethnopluralismus" geht von einer anthropologisch begründeten kulturellen Homogenität und der Unvereinbarkeit der kulturellen Unterschiede der einzelnen Völker aus. "Unsere Kultur ist unsere Identität, vermischte Kulturen führen zu Anti-Kultur und zum Verfall unserer Identität", heisst es beispielsweise auf der Webseite der Deutschen Heidnischen Front.
[...]
Die Neue Rechte vertritt weiter den sogenannten Bioregionalismus, ein Konzept, das in den 70er Jahren in den USA von Vertretern der spirituell-ökologischen Alternativbewegung entwickelt wurde. Für die Bioregionalisten steht die Natur im Zentrum («Biozentrismus»). Sie gehen von der Existenz natürlich vorgegebener Bioregionen aus, die «historisch» und «mythisch» als «biophysische» Organismen zu verstehen seien. Migration zerstöre das Gleichgewicht der Bioregion. Mit dem Konzept des Bioregionalismus und mit der neuheidnischen Naturreligiosität versucht die Neue Rechte in der alternativen Ökologiebewegung Fuss zu fassen."

(Quelle: http://www.sozmag.soziologie.ch/03/heidentum.xml)

Hier ist anzumerken, dass sowohl der Bioregionalismus als auch die neuheidnische Naturreligiosität Konzepte sind, die nicht unbedingt etwas mit den Ideen der Neuen Rechten zu tun haben müssen. Sie werden aber von der Neuen Rechten umgedeutet und für die Verbreitung ihrer Ideen instrumentalisiert.

Sowohl Rechtsextreme als auch Neue Rechte sind also dafür bekannt, dass sie versuchen, über das (germanische) Neuheidentum und andere gesellschaftliche Bewegungen die völkische Ideologie als Grundvoraussetzung für die angestrebte Verwirklichung ihrer demokratiefeindlichen Ziele unters Volk zu bringen, ihre potentielle Wählerschaft zu vergrößern und so an politischem Einfluss zu gewinnen.

Die überwiegende Mehrheit der Verfassungsschutzbehörden ordnet übrigens auch die Neuen Rechten ausdrücklich dem Rechtsextremismus zu:

"Der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen versteht die Neue Rechte als eine Strömung innerhalb des Rechtsextremismus, die intellektuellen Anspruch erhebt und sich insbesondere auf antidemokratische Theoretiker der Weimarer Republik, die so genannte "Konservative Revolution", bezieht
Er fasst sie als rechtsextremistische Variante auf, deren Eigenheiten sie von anderen Spielarten des Rechtsextremismus grundsätzlich unterscheidbar machen Zu diesen Spezifika zählt das besondere Bemühen Neuer Rechter, über die eigenen Kreise hinauszuwirken"

(Quelle: http://www.politikforum.de/forum/archive/13/2004/01/4/47067)

Auch der "Informationsdienst gegen Rechtsextremismus" schreibt:

"Der Begriff "Neue Rechte" ist ursprünglich eine Selbstbezeichnung rechtsextremer Intellektueller, die eine ideologische und strategische Modernisierung des rechten Lagers anstrebten und sich zugleich von der stark an der NS-Zeit orientierten "Alten Rechten" absetzen wollten. Er wird in der wissenschaftlichen Literatur oft für (vermeintlich) neuartige, intellektuelle Strömungen des Rechtsextremismus seit Mitte/Ende der 1960er Jahre verwandt. Insgesamt erfüllt die Neue Rechte für den Rechtsextremismus eine Doppelfunktion, indem sie nach innen als Avantgarde und Ideenschmiede, nach außen als "Scharnier" bzw. "Brücke" in die gesellschaftliche Mitte dient (vgl. Pfeiffer 2004, S.55 f.,68)."

(Quelle: http://lexikon.idgr.de/n/n_e/neue-rechte/neue-rechte.php)

Die evangelisch geprägte Publizistin Dr. Antje Schrupp, die sich immer wieder auch mit neuen religiösen Strömungen wie z.B. dem Neuheidentum befasst, liefert eine Begründung, weshalb die religiöse Verbrämung rechter Ideologien derzeit die beobachtete Hochkonjunktur hat:

"In den letzten Jahren haben diese Gruppen die Chance erkannt, die in ihrem zunächst durch die staatliche Verbotspolitik erzwungenen Rückzug auf's Religiöse lag: Die Verwendung esoterischen, pseudoreligiösen Vokabulars ermöglicht es ihnen, ihre Ideen viel weiter zu streuen. Gezielt werben sie mit Broschüren, Büchern und Veranstaltungen im esoterischen Spektrum, und es ist für Außenstehende oft nicht leicht, zu erkennen, wer sich dahinter verbirgt. Gerade der Bezug auf das Heidentum ermöglicht es ihnen, sich selbst als unterdrückt und verfolgt darzustellen"

(Quelle: http://www.antjeschrupp.de/rechte_ideologie.htm)

Aufmerksame Beobachter schildern auch klipp und klar die Verfahrensweise von Rechtsextremen bei der Infiltrierung von Diskussionszusammenhängen in den neuen Medien:

"Wer rechte Parolen in die Köpfe der Menschen streuen will, braucht Publikum, braucht Öffentlichkeit. Dafür eignen sich die weitverzweigten offenen Datennetze besser als abgeschirmte extremistische Insider-Mailboxen.
[...]
So argumentiert die "Neue Rechte" in Mailboxen, Datennetzen und im "Chat":
- Alle Nicht-Deutschen ins Lächerliche ziehen - gleichzeitig betonen, daß man nichts gegen Juden und Ausländer habe
- An den Sozialneid appellieren - gleichzeitig "Gerechtigkeit" und "Jedem das Seine" fordern
- in der Diskussion vom anderen "Tatsachen und Argumente" verlangen und ihn, während er sie liefert, mit weiteren Behauptungen zumüllen
- Die eigenen Statements mit populistischen Behauptungen ("zu hohe Mieten", "Deutschland kümmert sich nicht um seine Bürger", "Die Umwelt stirbt, und keiner tut etwas") einleiten und drastische Maßnahmen, zum Beispiel Todesstrafe für Porno-Hersteller, fordern
- Vom politischen Gegner für sich demokratischen Rechte, Minderheitenschutz, Menschenrechte und vor allem Toleranz fordern
- Sich selbst als verfolgte Minderheit, als Opfer darstellen."

(Quelle: http://www.journalistenakademie.de/lesepr/mm90.htm)

"Es scheint immer noch zu gelten, was den Unterwanderern des Grünen Landesverbandes damals als "Genaue Verhaltensmaßregeln" mit auf den Weg gegeben wurde: " ... Alle was geht ableugnen, herunterspielen, verharmlosen. Nichts zugeben, was nicht eindeutig durch polizeiliche oder gerichtliche Untersuchungen nachgewiesen und zum Prozeßabschluß - Verurteilung - kam ...". Weiter solle man "sich sogar so äußern: man lehne NS-Ideologien streng ab." "

(Quelle: http://www.nadir.org/nadir/periodika/drr/archiv/NR30/nr30-1n-robin1.htm)

Unter diesen Umständen empfiehlt es sich, bei Organisationen und Personen, die sich mit neuheidnischer Naturreligiosität befassen, ganz genau hinzusehen, will man nicht versehentlich der Neuen Rechten auf den Leim gehen und für Ziele benutzt werden, die man selbst aus tiefster Überzeugung ablehnt. Eine unpolitische Haltung ist auf diesem Gebiet ganz offensichtlich nicht möglich.


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