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Hans Schuhmacher Islamex 1
28.04.2017, 09:55

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Anmerkungen zum Thema Islam

5. Exkurs 1: Der Islam - eine kleine Einführung

Die Weltreligion Islam auch nur in gröbsten Umrissen hier vorstellen zu wollen, ist ein Unterfangen, das nur mit allergrößten Bedenken in Angriff genommen werden kann. Erstens gibt es nicht ohne Grund eine Islamwissenschaft, zweitens muss jedem einleuchten, dass eine Weltreligion mitsamt ihren Strukturen, ihrer Geschichte und ihrer Lehre - ganz zu schweigen von deren Auslegungen - nicht einmal in einer umfassenden Monographie adäquat dargestellt werden kann, wenn diese von qualifizierten Experten verfasst wird. Ich bin jedoch alles andere als ein Experte auf diesem Gebiet. Zudem drohten und drohen ständig bei weitem kleinere und weniger vielschichtige Themenbereiche den Rahmen des gesamten Projekts zu sprengen, geschweige denn den eines einzelnen Artikels, der zudem nicht im thematischen Hauptbereich des Projektes liegt.

Vollends grotesk wird die Situation jedoch dadurch, dass abgesehen von den Muslimen selbst und einigen wenigen Nichtmuslimen das gesamte Wissen über den Islam in Europa sich auf einige wenige Klischees und Vorurteile zu beschränken scheint, was angesichts der historischen und globalen Bedeutung des Islam schlicht erschreckend ist. Mit den Vorurteilen und Klischees haben wir uns bereits befasst- hier stehen wir vor dem Problem, mit völlig unzureichenden Mitteln eine Grundlage für eine Diskussion schaffen zu müssen. Wir haben jedoch keine andere Wahl, da ansonsten jede weitere Erörterung für jeden, der sich bisher mit dem Thema nicht auseinandersetzen konnte, in der Luft hinge. Ich hoffe auf das Verständnis dies hier eventuell lesender Fachleute und vor allem der dies hier lesenden Muslime.

Bekanntlich entstand der Islam zu Beginn des 7. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung in der Stadt Mekka in Arabien. Es kann sich als lohnend erweisen, ein wenig beim Entstehungsszenario zu verweilen, denn erstens nimmt dieses offenbar innerhalb des Islam einen enorm hohen Stellenwert ein, zweitens haben wir im Rahmen dieses Projekts schon oft genug gesehen, von welch entscheidender Bedeutung der Entstehungskontext für eine Religion, eine Ideologie oder ein Ideengebilde sind. Zur Methodik (wenn man hier in diesem Rahmen von einer solchen überhaupt sprechen kann): der Islam als Offenbarungsreligion versteht sich als Manifestation von Gottes Wort, als Nichtmuslim muss ich mit ihm jedoch umgehen wie mit jedem anderen Ideengebäude - was nicht als Respektlosigkeit zu verstehen ist. Die mehrheitlich von Christen betriebene Bibelwissenschaft verfährt mit ihrem Objekt in der Regel ebenso, und wir selbst gehen mit der Entstehungsgeschichte unserer eigenen Religion genauso um (1).

Ganz Arabien kann zum Zeitpunkt der Entstehung des Islam als aus zwei unterschiedlichen Teilen bestehend begriffen werden: dem klimatisch begünstigten Süden, wo die großen Handelsstraßen verliefen, und dem kargen Norden. Im Süden Arabiens lebten zu dem uns interessierenden Zeitpunkt keine Araber, sondern Menschen mit einer eigenen semitischen Sprache. Dieser Raum bzw. seine Staatenkonföderation stand schon allein aufgrund des Handels in Verbindung mit den Nachbarkulturen und mithin mit dem Judentum, der iranischen Lehre des Zarathustra und dem Christentum. Im Norden lebten die nomadisierenden Beduinen sowie - vorrangig in Oasengürteln am Rande der Wüste - sesshafte Stämme, die wie die Beduinen arabisch sprachen. Die wichtigsten Städte lagen im Westen: Yathrib (später Medina, eigentlich: Madinat rassuhl Allah, Stadt des Propheten Allahs), Mekka, Najran und Taif. Schon seit langem standen der Norden und der Süden Arabiens in engem Kontakt miteinander, die hier vorgetragene ethnische Trennung war keineswegs exklusiv, und die Bewohner des Südens hatten den Norden dem Handel eröffnet. Hierdurch war es zur Entstehung von Karawanenstädten und Händlergemeinschaften gekommen. Im 6. Jh. kam es durch eine Verkettung von Krisen und kriegerischen Auseinandersetzungen im Süden - auf die wir noch kurz zu sprechen kommen werden - zu einem allgemeinen Niedergang des Wohlstands, wohingegen Mekka, das außerhalb der Krisenregion lag, enorm an Bedeutung gewann. Mekka lag an der Gewürzstraße zwischen dem vornehmlich jüdischen Yathrib und dem hauptsächlich christlichen Najran, wodurch beide Religionen in Mekka stark präsent und gut bekannt waren. Das große Heiligtum von Mekka hatte aber einen eigenen Hauptkult, nämlich den der Göttinnen al-Lat, al- Uzza und Manat, welche die Töchter einer Gottheit namens Allah waren, und beherbergte außerdem Bildnisse zahlreicher anderer Gottheiten. Mekka war also sowohl wichtiges Handelszentrum als auch religiöses Zentrum für mehrere Religionen: eine heilige Stadt(2).

Die Regierung von Mekka bildete der von allen Familienvätern, die das vierzigste Lebensjahr erreicht hatten, gewählte Stadtrat(3). Man darf wohl davon ausgehen, dass sich bei dieser Wahl die vermögendsten Händler durchzusetzen wussten, deren Politik notwendigerweise von Neutralität und Toleranz - in religiöser und politischer, wenn auch vielleicht nicht in sozialer Hinsicht - geprägt sein musste. Politischer und/oder religiöser Hader kann Krisen hervorrufen, die den Handel stören und Einkommenseinbußen nach sich ziehen.

Wann und wie die Lehre aufkam, der Prophet Ibrahim/Abraham habe die Kaaba, das große Heiligtum von Mekka, errichtet4, kann ich leider nicht ermitteln. Möglicherweise war sie aber zu Lebzeiten des Propheten schon sehr alt: immerhin waren die jüdischen Einwohner von Yathrib bereits in der Folge des von Titus niedergeworfenen Aufstandes in Judäa dorthin gelangt(5), sie müssen aber mitnichten die ersten Juden in dieser Region gewesen sein. Das Judentum hatte in der Folge im Süden Arabiens weiträumig Fuß gefasst, Könige hatten ihre Untertanen zum Judentum bekehrt6. In der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts griff das nordafrikanisch-christliche Königreich Aksum Südarabien an, eroberte es und drang bis in die Grenzbereiche des iranisch-sassanidischen Reiches am Persischen Golf vor, und zwar unter Ermunterung und Unterstützung seitens Kaiser Justinians von Byzanz, dessen sassanidische Gegner dadurch gebunden wurden(7). Dies ermöglichte Justinian den Krieg gegen die Vandalen in Nordafrika und die Goten in Italien.

All dies gehört insofern hierher, als ersichtlich wird, dass man in Mekka Anlaß hatte, sich mit Weltpolitik zu befassen und sie zu diskutieren. Die Großmächte, nämlich Byzanz und die Sassaniden, waren in Bewegung und blieben es auch, die aksumitische Präsenz in Südarabien bedeutete die Nähe eines schwerbewaffneten byzantinischen Verbündeten. Das in seinem Umfeld so bedeutende Mekka war für potentielle Feinde dieser Größenordnung lediglich ein sehr schmackhafter Bissen.

Im Jahre 570 beschuldigte denn auch der aksumitische Herrscher die Heiden von Mekka der Kirchenbeschmutzung und zog mit einem großen Heer vor die Stadt. Die Verhandlungen seitens der Mekkaner, geführt vom Großvater mütterlicherseits des Propheten, Abd al Muttalib, erreichten lediglich das Zugeständnis, die Bürgerschaft dürfe die Stadt verlassen, ehe diese geplündert werde. In der darauf folgenden Massenflucht verlor Mohammeds Mutter Amina den Anschluss an ihre Sippe und brachte ihren Sohn allein in der Wildnis zur Welt(8).

Wer sich mit Geschichte befasst, befasst sich mit nichts so sehr wie mit Kriegen. Ein solcher Feldzug wie der gegen Mekka ist in der Weltgeschichte keine große Sache - aber ganz sicher waren die Ereignisse für die Beteiligten außerordentlich traumatisch. Da es hier um die Entstehung des Islam geht, ist es wichtig, zu begreifen, wie die Welt für den Propheten und seine ersten Anhänger beschaffen war. Gerade für die Handelsherren von Mekka - zu denen Abd al Muttalib sicher gehörte - und deren Familien müssen die Ereignisse quasi ein Sturz ins Bodenlose gewesen sein.

Die Mekkaner kamen indessen mit einem blauen Auge davon: das aksumitische Heer wurde unter sehr seltsamen Umständen vernichtet oder doch zu - wie die Militärs sagen - einer schnellen Absetzbewegung gezwungen. Die 105. Sure des Korans berichtet davon(9). Der in der Stadt und außerhalb entstandene Schaden muss aber trotzdem umfassend gewesen sein, und man muss Miksch beipflichten, der meint, dass es in solchen Situationen zu heftigen Aversionen gegen die Verantwortlichen kommt(10), wenn sie, so möchte man hinzufügen, gleichzeitig angreifbar geworden sind. Abd al Muttalib war offenbar angreifbar, seine Bedeutung wurde drastisch reduziert(11).

Wie es der Brauch war, gab man den neugeborenen Mohammed bei einer Beduinenfrau in Pflege(12), er gelangte also hinaus in die Wüste, wohin wir ihn kurz begleiten wollen. Ein drastischerer Gegensatz als der zwischen Mekka und der abweisenden nordarabischen Landschaften lässt sich nämlich kaum denken.

Die Bedeutung Mekkas war für die Beduinen seit der aksumitischen Eroberung Südarabiens wahrscheinlich noch angewachsen, man kann sich denken, dass es zwischen den Nomaden und neu ins Land gekommenen Eroberern zu gespannten Situationen gekommen sein muss. Ohnehin pflegten die Beduinen monatelang, in der "heiligen Zeit", um Mekka herum zu lagern(13). Wir tun gut daran, ihnen weder eine einheitliche Kultur noch einen einheitlichen Glauben zuzuschreiben, wenn auch die Lebensweise von Hirtennomaden weltweit ein relativ uniformes Bild bot und bietet. Hierbei wird aber gern übersehen, dass Stämme von Hirtennomaden auf Kontakt mit einer sesshaften Gruppe angewiesen sind(14), mit der sie Produkte austauschen, auch wenn die Nomaden dieses Angewiesensein möglicherweise leugnen oder anders interpretieren. Die Verhandlungen mit den Sesshaften sind von zentraler Bedeutung und eine der wenigen Möglichkeiten, in einer solchen Gesellschaft zur Autoritätsfigur zu werden(15), da diese Gesellschaften ansonsten egalitär sind16, aber eine strenge Arbeitsteilung nach den Geschlechtern aufweisen(17). Ein Spezialistentum kennt man kaum oder gar nicht(18), was bei Sonderbedarf (man denke an Gerätschaften und Waffen, zu deren Herstellung Werkstätten und Spezialfähigkeiten vonnöten sind) dazu führt, dass man die Dinge von den Sesshaften erwirbt. Zwischen den Beduinen im Großraum Mekka und den Mekkanern scheint das Verhältnis ausgezeichnet gewesen zu sein, was man an dem regelmäßigen Einsatz von Beduinenfrauen als Pflegemütter erkennt - dies ist im Übrigen ein solcher Austausch wie oben charakterisiert, die Beduinenfrauen wurden bezahlt(19), und mit dem Geld, das ansonsten für sie recht nutzlos gewesen sein muss, konnten die Beduinen in Mekka kaufen, was sie nicht produzieren konnten.

Wenn das Verhandeln mit den Sesshaften, mit denen es ja auch zu Streitigkeiten kommt, die schnell eskalieren können, einen Nomaden, der diese Kunst beherrscht, zur Autoritätsfigur machen kann, so gilt umgekehrt, dass das Verhandeln mit Nomaden seitens der Sesshaften einiges an Kenntnissen und Fähigkeiten voraussetzt. Hirtennomaden gehören zu den kriegerischsten Völkern der Welt(20), weil Schwankungen im Herdenbestand (Schwund, Zuwachs) entweder sofort existenzgefährdend sind oder mittelfristig einen Feldzug zur Erlangung von mehr Weideland erforderlich machen. Tritt eine Krise bei einem anderen Stamm auf, kann man angegriffen werden, zudem besteht die Möglichkeit eines Krieges mit den Sesshaften und der Kollision mit dem Militär im Raum vorhandener oder eindringender Mächte. Zudem gibt es Fehden. Man darf sich also nicht wundern über die militärischen Erfolge der Skythen, Hunnen, Awaren, Mongolen und Ungarn - oder der Araber in der Zeit der Expansion des Islam. Insbesondere die Hunnen und Mongolen waren erst zu derartig großen Erfolgen fähig, als es jemandem gelungen war, einen Großverband aus den vielen kleinen Stämmen zu gründen. Im Falle des Islam war es kein im Kern politischer, sondern im Kern religiöser Verband. Der Islam wertete die arabischen Beduinen, die vermutlich wie fast alle Nomaden weltweit zwar gefürchtet, aber missachtet worden waren, ungeheuer auf. Aus armen Hirten wurde quasi die Gefolgschaft Gottes.

Man kann wohl davon ausgehen, dass die Familie des Propheten vor dem aksumitischen Desaster zu denjenigen gehört hatte, denen ob ihrer Bedeutung das Verhandeln mit den Beduinen zukam. Man kann ebenfalls davon ausgehen, dass Mohammed die Kunst des Sprechens mit den Beduinen - und für einen Städter ist es eine solche - von seiner Familie erlernte. Außerdem hatte er ja als kleines Kind unter ihnen gelebt.

Verfolgen wir den Lebenslauf des Propheten weiter, so sehen wir, dass er nach und nach eine Menge sehr nützlicher Fähigkeiten erwarb. Vom Schaf- und Ziegenhirten - man bedenke, als Enkel eines Handelsherrn! - wurde er Karawanenbegleiter und musste als solcher, da er mit Waren bezahlt wurde, selbst verkaufen, weitere Waren erwerben und so fort. Miksch, der dieses berichtet(21), meint, er habe in dieser Zeit religiöse Studien betrieben, wozu er sowohl reichlich Gelegenheit als auch Veranlassung gehabt hätte, man muss ihm da beipflichten. Es dürften Mohammed die Ohren geklungen haben von den Geschichten des Falls seiner Familie, der ja einem religiös begründeten Feldzug zu verdanken war, den eine monotheistische Macht gegen das polytheistische Mekka geführt hatte. Andererseits muss man heutzutage in einer multikulturellen Metropole leben, um derartig viele Begegnungen mit Vertretern verschiedener Religionen zu erleben, wie es für Mohammed wohl alltäglich war. Ironie der Geschichte: wäre Mohammed auch nur annähernd so engstirnig gewesen wie die heutigen Europäer den Muslimen gegenüber, hätte es nie einen Islam gegeben.

Im Alter von 25 Jahren heiratete Mohammed die vierzigjährige Chadischa, in deren Handelshaus er als Gehilfe tätig gewesen war. Alle Quellen, die mir jemals in die Hände gefallen sind, stimmen darin überein, Mohammed habe diese Ehe nicht aus Opportunismus geschlossen, sondern Chadischa sei die Liebe seines Lebens gewesen. Überhaupt finde ich bei Mohammed ebenso wenig Anzeichen von Opportunismus und Zynismus wie bei Jesus von Nazareth, Mohammed war aber eindeutig der bessere Pragmatiker. Ebenfalls ein gewaltiger Visionär, gelang es Mohammed doch, seine Visionen in die Welt der Tatsachen umzusetzen, was Jesus von Nazareth tragisch misslang - so jedenfalls, mit Verlaub, ein heidnischer Blick auf zwei große Religionsstifter. Auf das Verhältnis Mohammeds bzw. des Islam zu Jesus werden wir noch zu sprechen kommen, ebenfalls auf Mohammeds Ehe, da das Verhältnis des Islam zum Christentum und seine Haltung Frauen gegenüber zu unserem zentralen Thema gehören.

Fünfzehn Jahre lang war Mohammed als Händler tätig und fiel, wenn überhaupt, dann als vernünftiger und besonnener Mann auf. Keine Existenz als asketischer Einsiedler, keine dramatischen Ereignisse, nichts dergleichen22. Ganz plötzlich, bei einer Bergwanderung, wurde Mohammed von der ersten Vision des Erzengels Dschibrail (Gabriel) gepackt, der sich ihm vorstellte und ihm mitteilte, er, Mohammed, sei Gottes Gesandter. Mohammeds Reaktion war Entsetzen und Flucht zu Chadischa(23).

Es steht weder uns noch irgendwem sonst zu, irgendwie über diese Visionen zu urteilen, sie bilden die Grundlage des Islam. Es sei lediglich gesagt, dass Mohammed keineswegs triumphierend in Mekka einzog, zu predigen begann und eine Religion gründete - vielmehr kenne ich nur Schilderungen, die wiedergeben, wie ein von Visionen und göttlichen Geboten heimgesuchter Mensch versucht, die Kontrolle über sich, sein Leben und seine Umwelt zu behalten.

Ein weiterer Unterschied zwischen Jesus und Mohammed ist der, dass Jesus offenbar schon in recht jungen Jahren als Prediger wirkte, er war der Sohn eines Handwerkers aus der Provinz. Mohammed wurde mit vierzig Jahren zum Propheten und kannte das Leben, wie wir gesehen haben, von recht unterschiedlichen Gesichtspunkten aus. Er hatte definitiv mehr Alltagserfahrung, und diese auf recht unterschiedlichen sozialen Niveaus. Er konnte nicht nur mit Beduinen sprechen und die Lebensperspektive reicher Händler verstehen, sondern auch die von Hirten, Karawanenpersonal und Angestellten, denn all das war er gewesen. Auch steht zu erwarten, dass in welcher Kultur auch immer ein junger Mann über eine Beziehung mit einer älteren, erfahrenen und mitten im Leben stehenden Frau ein gänzlich anderes Frauenbild haben wird als ein Mann, der Frauen stets meidet oder nur mit unerfahreneren Frauen Umgang hat.

Weiterhin haben wir oben darauf hingewiesen, dass man in Mekka sowohl Anlass hatte, die Weltpolitik zu beobachten und zu diskutieren - nach dem aksumitischen Desaster wohl umso mehr. Man saß, was Informationen anbelangte, gewissermaßen an der Quelle, nämlich sowohl an der Gewürzstraße als auch in einer Stadt, in der Pilger von weither zusammenkamen, hinzu kommt noch der Schweifradius der assoziierten Beduinen und deren für sie wichtigen Nachrichtenaustausch mit Stämmen in weiter Ferne über wiederum andere Stämme. Sowohl vorausschauende Planung des Handels als auch berechtigte Sorge um die eigene Sicherheit müssen, davon dürfen wir getrost ausgehen, zu einem regen Interesse beispielsweise an Vorgängen in Konstantinopel und Alexandria geführt haben. Mohammed, nunmehr vermögend, hatte also die Möglichkeit und durchaus auch Anlaß, nicht nur lokalpolitische, sondern - modern ausgedrückt - weltpolitische Kompetenz zu entwickeln.

Generell ist es ein Fehler, Vorgänge und Entwicklungen mit weitreichender Bedeutung an einzelnen Personen festmachen zu wollen. Wir verweilen aber bei der Person Mohammed so überproportional lang aus zwei guten gründen. Erstens ist im Falle einer Stifter- oder Verkündigungsreligion die Person des Stifters bzw. Verkünders von immenser Bedeutung, nicht nur weil die religiös-spirituelle Praxis eines Menschen immer sehr intensiv beeinflusst ist von seiner Lebenserfahrung, seiner Weltsicht und seiner Kenntnis der Welt aus erster Hand, sondern auch weil die Religion im Umfeld dieses Menschen entsteht: die kritische Anfangsphase, in der die Entscheidung über Erfolg oder Scheitern fällt, findet dort statt. Zweitens ist im Islam - dies ist ein spezifischer Grund - das Verhalten des Propheten sowie seine Aussagen bezüglich aller nur denkbarer Fragen bis zum heutigen Tag die zentrale Richtschnur für alle zu fällenden Entscheidungen, wie wir noch sehen werden.

Obwohl Mohammed offenbar bemüht war, sich nach Beginn seiner Visionen möglichst wenig aus dem Fenster zu lehnen, fiel seiner Umgebung eine Veränderung in seinem Verhalten auf: er umgab sich mit und engagierte sich für sozial Unterprivilegierte und wandte sich gegen Tierquälerei. Dies brachte ihm erwartungsgemäß den Ruf eines Sonderlings ein, und wir dürfen davon ausgehen, dass seine Standesgenossen womöglich sozialrevolutionäre Tendenzen des bekannten und kompetenten, also gefährlichen Mohammed mit größtem Missfallen zur Kenntnis nahmen. Auf strikten Befehl des Erzengels versuchte er zunächst, im Rahmen seiner Verwandtschaft Anhänger zu rekrutieren. Man verspottete ihn und bewarf ihn sogar mit Steinen - dies in einer Gesellschaft, in der man von einem sehr hohen Stellenwert der Familiensolidarität ausgehen muß. Mohammed ging daraufhin an die Öffentlichkeit und gewann dort Anhänger sowohl unter den Unterprivilegierten als auch unter den Bessergestellten(24).

Es kam voraussehbarer Weise zum Konflikt mit dem Establishment von Mekka, hauptsächlich aus zwei Gründen. Erstens verkündete Mohammed einen Monotheismus, was womöglich religiöse Gefühle verletzte, mit Sicherheit aber nicht nur die Einkommensquelle Heiligtum gefährdete(25), sondern drohte, die gesamte Neutralitätspolitik Mekkas zu erschüttern. Mohammed sah sich also nicht so sehr ideologischer Ablehnung gegenüber, sondern realpolitischen Erfordernissen: er rüttelte, und das muss ihm bewusst gewesen sein, an den Grundfesten. Zweitens verkündete Mohammed die Gleichheit aller Menschen vor Gott: "Nicht Stand oder Rasse, nicht Abstammung oder Vermögen bestimmen den Wert des Menschen vor dem Allmächtigen, sondern das Ausmaß des Glaubens, die Ergebung in den Willen Allahs und die Summe der für die Glaubensgemeinschaft entfalteten Aktivitäten.(26)"

Dieser Grundsatz des Islam ist meiner Einschätzung nach sowohl sein eigentlicher Kern als auch die Quelle seines Erfolges. Es handelt sich um eine paradigmatische Aussage. Zwar lehrt das Christentum Ähnliches, es wurde aber nur allzu bald zum Erfüllungsgehilfen der römischen Macht(27) und brach - nicht erst zu diesem Zeitpunkt, hier aber radikal - mit seinem sozialrevolutionären Inhalt. Der Islam hingegen wurde nie zum Erfüllungsgehilfen einer etablierten Macht, sondern formte seine eigene. Außerdem erhebt der Islam profanes Tun, geschieht es für die Gemeinschaft der Gläubigen, zu religiösem Tun. Es ist hier nicht der Ort, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem christlichen Gebot der Nächstenliebe und der oben vorgetragenen Kernaussage des Islams herauszuarbeiten - vielmehr sei gesagt, dass wir hier den Grund vor uns haben, warum der Islam vor allem in der Dritten Welt so ungeheuer attraktiv ist. Für einen dort lebenden, sozial nicht herausgehobenen Menschen bieten sich, vereinfachend ausgedrückt, zwei Wege an: erstens kann er durch Anschluss an und Nachahmung der Lebens- und Denkweise der christlich-abendländischen Zivilisation sich dieser anschließen - aber das Leben, das ihm Hollywood vorgaukelt, wird er nie führen, das weiß er. Dazu bräuchte er Geld, enorm viel Geld, aber das bekommt er nicht. Da die Stellung innerhalb dieser Zivilisation aber vom Geld direkt und indirekt abhängt - wobei Faktoren wie die "falsche" Hautfarbe erschwerend hinzukommen können - ist von vornherein klar, dass sein Platz immer sehr weit unten sein wird, egal wie sehr er sich abstrampeln mag. Obendrein verkündet die christlich-abendländische Zivilisation, jeder sei seines Glückes Schmied, sein Platz in diesem Gefüge sei also ausschließlich auf ihn selbst und seine "Leistung" zurückzuführen. Das ist zynisch, selbst in den reichen Industrieländern. Wer also in der Dritten Welt nun einmal kein reicher Weißer ist, wird auch noch selbst dafür verantwortlich gemacht. Wir erinnern in diesem Zusammenhang an den juggernaut-Charakter der betreffenden Denkwelt, denn jedem wirklich denkenden Menschen muss klar sein, dass, wer diesen Wind sät, einen derartigen Sturm ernten wird, wie ihn die Weltgeschichte noch nicht gesehen hat.

Der alternative Weg für den hier exemplarischen Menschen ist der Islam. Dieser misst ihn keineswegs an seinem Geldbesitz, sondern wertet ihn ebenso ungeheuer auf wie die Beduinen der arabischen Wüste und die Straßenfeger von Mekka zu Anfang des siebten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung. Der Islam sagt: der Trödel und Plunder im Fernsehen und dieses selbst haben gar keinen wirklichen Wert. Du hingegen bist wertvoll, denn du glaubst an Gott und trägst bei zur Gemeinschaft der Gläubigen. Die Gemeinschaft der Gläubigen ist real, die Glasperlen aus Hollywood sind nicht einmal das.

Die soziale Grundaussage des Islam macht, zumal wenn die christlich-abendländische Zivilisation als Urheber zu erkennen ist, sowohl Zustände - Armut, politische Ohnmacht, Vasallentum und Abhängigkeit der eigenen Regierung, Hunger und Krankheit trotz Vorhandensein von Lebensmitteln und Medikamenten - als auch machtpolitische Vorgänge von der Einmischung bis zur Militärintervention zu einem fundamentalen Unrecht, bei dem ganz offensichtlich fremde, ungläubige Machthaber die Gemeinschaft der Gläubigen schädigen. Sehr im Gegensatz zur Arbeiterbewegung in den USA und in Europa, die sich gegen die etablierte Religion stellen musste, da diese auf der Seite der Herrschenden stand, muss dies ein muslimischer Sozialrevolutionär keineswegs tun. Dies ist ein fundamentaler Unterschied mit sehr weitreichenden Folgen. Etliche der möglichen Folgen hat man bereits gesehen, die soziale Revolte im Iran gegen den von den USA eingesetzten Schah mit dem Ergebnis, dass der Ayatollah Chomeini an die Macht gelangte, war eine davon, eine andere war der erfolgreiche Hinauswurf der sowjetischen Armee aus Afghanistan seitens der Mujaheddin, welche damals noch in den westlichen Medien als heroische Freiheitskämpfer gefeiert wurden. Auch außerhalb der Länder, wo der Islam historisch beheimatet ist, kann er mit seiner sozialen Kernaussage Fuß fassen und enorme Kräfte mobilisieren, was sogar schon auf dem Boden der USA geschah: die Nation of Islam, besser bekannt als Black Muslims, deren bekannteste Vertreter Elijah Muhammed und Malcolm X waren, war ein bedeutender Faktor für die Emanzipation der US-Amerikaner afrikanischer Abstammung. Alle diese und etliche weitere Beispiele aus dem 20. Jahrhundert haben eins gemeinsam: die Ausgangssituation war stets ein fundamentales Unrecht, das auch für Nichtmuslime klar und deutlich als solches zu erkennen war.

Rassismus ist für den Islam übrigens ein solches Unrecht. In seiner gesamten Geschichte machte der Islam niemals Unterschiede zwischen den Hautfarben seiner Anhänger oder irgend etwas dergleichen, das ganze Konzept des Rassismus widerspricht dem Islam eklatant. Herrscht also irgendwo Rassismus und/oder ethnische Diskriminierung vor, die ohnehin meist rassistische Komponenten hat (wobei zu berücksichtigen ist, dass es ethnische Diskriminierung schon vor der Erfindung des Rassismus gab, dies wird uns ein andermal beschäftigen), fließen dem Islam Kräfte zu, und ist er noch nicht vor Ort vorhanden, steigt mit Aufrechterhaltung des Unrechts die Wahrscheinlichkeit, dass er auf den Plan tritt. Auch hier tritt ein Unterschied zum Christentum zutage: christliche Autoritäten haben allzu oft rassistische Verhältnisse wie die Sklaverei in den USA gut gehießen. Es erhob sich zwar auch immer christlicher Protest, doch dieser konnte sich kaum durchsetzen, wohingegen die in Rede stehenden Verhältnisse im Islam gar nicht erst hätten entstehen können.

Charakteristischerweise war der allererste Konflikt, in den der entstehende Islam geriet, geprägt von seiner sozialen Kernaussage. Mit monotheistischen Religionen und deren Unduldsamkeit gegen dies und das hatte man in Mekka ja lange Erfahrung, mit diesem Element, das zwar Ärgernisse verursachte und Gefahren heraufbeschwor, aber eindämmbar gewesen wäre, hätte man sich schlimmstenfalls noch irgendwie arrangieren können. Es ist nicht wahrscheinlich, dass die Kaufherren von Mekka Mohammed und den Muslimen zu diesem Zeitpunkt zutrauten, die Oberhand in der Stadt zu gewinnen. Womit man sich nicht arrangieren konnte, war das sozialrevolutionäre Element - das man offenbar mit dem Christentum nicht in Verbindung brachte, was auch verwunderlich gewesen wäre, denn es war schon lange nicht mehr als sozialrevolutionäre Lehre zu erkennen.

Offenbar kam man überein, Mohammed zu ermorden. Daraufhin kam es zu einer beispielhaften Szene: "Abu Talib, Mohammeds ungläubiger Oheim, schwor bei allen Göttern des arabischen Pantheons, dass er die Ermordung seines Neffen unter Einsatz aller zur Verfügung stehenden Kräfte rächen werde...Ein gewisser Hischam, ein eifriger Heide, erklärte jedem, der es hören wollte, sein Vetter Mohammed sei in seinen Augen zwar ein Narr, aber trotz allem sein Vetter, und er werde am gleichen Tag, an dem dieser umgebracht werden sollte, das Familienoberhaupt jeder Sippe, die sich an der Tat beteiligte, niederhauen. Das wirkte, zumal Hischam einer der gefürchtetsten Haudegen der Stadt war.(28)" Es bestand also für Mohammeds Sippe ein bedeutender Unterschied zwischen der Annahme oder Ablehnung seiner Lehre und dem Verhältnis zu ihm selbst. Dies war das Verhalten, das von einer solidarischen Sippe erwartet wurde, und darum wird der Steinewerfer Abu Laheb aus der Episode weiter oben in der 111. Sure des Korans furchtbar verflucht(29). Nicht etwa, weil er Mohammeds Lehre nicht annahm, sondern weil er Steine nach einem Verwandten warf. Ungläubigkeit des Gegenübers ist für einen Moslem kein Anlaß für Feindseligkeit oder gar Gewaltakte, wohl aber wird eklatanter Rechtsbruch - Unrecht - scharf verurteilt. Man hat aus Hischam und Abu Talib in der Überlieferung keine Muslime gemacht, rechtliches Verhalten ist also in der Sicht des Islam kein Privileg der Muslime. Dies ist wichtig zum Verständnis des Islam von Recht und Unrecht.

Da Mohammeds Feinde - die man nunmehr Feinde der Muslime nennen kann - Mohammed nicht direkt treffen konnte, hetzte man öffentlich gegen ihn und seine Anhänger und vergriff sich tätlich an die zum Islam übergetretenen Unterprivilegierten, vor allem an den Sklaven. Diese waren in keinem Fall Sklaven von Muslimen, da Mohammed bereits verkündet hatte, kein Moslem dürfe einen anderen Moslem als Sklaven halten. Weder wehrte Mohammed sich, noch kam es zu tätlicher Gegenwehr seitens anderer Muslime: der Islam war anscheinend in seiner Anfangsphase strikt pazifistisch. Im Jahre 619 starben Chadischa und Abu Talib, der Steinewerfer Abu Laheb wurde Sippenoberhaupt und stieß Mohammed aus. Einige Muslime flohen jetzt nach Aksum in Nordafrika, woher die Invasoren zur Zeit von Mohammeds Geburt gekommen waren, und dort geschah wieder etwas Bezeichnendes: als eine Delegation aus Mekka dort vorstellig wurde und die Muslime der Gottesleugnung zieh, trat eine Kommission der aksumitischen Reichskirche zusammen, prüfte den Vorwurf und entschied, der Islam sei eine von der koptischen -also der in Nordafrika verbreiteten - Form des Christentums in einigen Einzelheiten abweichende, aber durchaus legitime Form des christlichen Glaubens. Die Mekkaner zogen ab(30).

Dieser Vorfall ist in mancherlei Hinsicht interessant. Zunächst wird Einfluss und Bedeutung Mekkas deutlich, wenn man sieht, was eine Gesandtschaft in einem Staat fremden Glaubens ausrichten konnte: den Zusammentritt einer solchen Kommission kann nicht ein jeder veranlassen. Weiterhin ist es interessant, dass die Mekkaner weder Kosten noch Mühen scheuten, den Muslimen nachzustellen, was keine herausragende Böswilligkeit der Mekkaner belegt, sondern die Tatsache, dass sie den Islam mittlerweile sehr ernst nahmen. Drittens verfügte die aksumitische Reichskirche sicher über qualifizierte Theologen, und diese dürften in einer Glaubensfrage dieses Urteil nicht gefällt haben, um die Mekkaner zu ärgern, sondern weil sie tatsächlich den Islam für eine Form des Christentums hielten.

Wir wollen nun nicht eine Diskussion der theologischen Positionen der diversen christlichen Kirchen zu Beginn des 7. Jahrhunderts beginnen. Das Christentum hatte zu diesem Zeitpunkt derartig viele Spaltungen, Streitigkeiten und gegenseitige Vorwürfe der Ketzerei hinter sich, dass es wirklich nicht lohnt, die präzise Position der Kopten im Verhältnis zu allen anderen christlichen Richtungen hier zu erörtern. Wer sich schon einmal mit Kirchengeschichte befasst hat, wird sich an dieser Stelle auch nicht wundern, dass die aksumitische Reichskirche nicht im Entferntesten daran dachte, etwa in Rom um eine Entscheidung einzukommen: der Bischof von Rom war in Aksum keine Autorität. Das Wie der Entscheidung ist für die Zeit völlig normal, uns interessiert ihr Inhalt.

Mohammed hatte keineswegs beabsichtigt, eine neue Religion zu begründen, er wollte die Religion Abrahams wiederbeleben, die er weder durch das Judentum noch durch das Christentum seiner Zeit korrekt repräsentiert sah. Anscheinend nahm er die anderen beiden monotheistischen Religionen nicht als monolithische Blöcke wahr - was angesichts des Haders der christlichen Kirchen auch seltsam gewesen wäre - sondern als verschiedene Richtungen einer Religion, die er auf Befehl des Erzengels reformieren müsse. Das ist etwas ganz anderes als eine intendierte Religionsgründung - die man, das nebenbei, Jesus zwar unterstellte(31), die er aber allem Anschein nach keineswegs beabsichtigte(32).

Es ist an der Zeit, in der gebotenen Kürze auf Mohammeds - und damit auf das Verhältnis des Islam - zu Jesus einerseits und dem Christentum andererseits zu sprechen zu kommen. "Jesus, der Sohn der Maria, Isa ben Marijam, nimmt im islamischen Glaubensgut einen ganz außerordentlichen Rang ein. Er ist nicht nur als Gesandter Gottes der unmittelbare Vorgänger Mohammeds, sondern er ist vor allem ein besonderer Gesandter: Er ist der zweite Adam. Und er ist der zweite Adam, weil er nicht gezeugt ist, sondern seine Entstehung im unbefleckten Leib der Maria unmittelbar dem göttlichen Willen verdankt...Allah, der alleinige, einzige und ewige Gott, zeugt nicht und ist nicht gezeugt (112. Sure, Vers 2,3 und 4); er schafft, was und wie er will, und so er irgend etwas beschlossen und spricht: "es werde" - so ist es (3. Sure Vers 48)...Gezeugt oder geschaffen, das ist der eine Unterschied in der Christologie der beiden Religionen, und der andere, schlechthin entscheidende ist in des Mariensohnes Göttlichkeit gelegen..."Wer irgendein Geschöpf Allah zur Seite setzt, dem verzeiht Allah nicht" (4. Sure Vers 49), lautet der Grundsatz des Islams. Dieser wird an anderen Stellen erläutert und verstärkt, beispielsweise in Vers 172 der 4. Sure:"...Wahrlich, der Messias Jesus, der Sohn Marias, ist ein Gesandter Allahs, und das Wort, das er Maria niedersandte, eine Erfüllung Allahs und sein Geist. Glaubt daher an Allah und seinen Gesandten, sagt aber nichts von einer Dreiheit. Vermeidet das, und es wird besser um euch stehen. Es gibt nur einen einzigen Gott. Fern von ihm, dass er einen Sohn habe. Ihm gehört, was im Himmel und was auf Erden, und Allah ist ein hinlänglicher Beschützer."...Vor allem aber in den Versen 117 und 118 der 6. Sure: "Und wenn Allah einst Jesus fragen wird. "O Jesus, Sohn der Maria, hast du je zu den Menschen gesagt: Nehmt, außer Allah, noch mich und meine Mutter zu Göttern an?", so wird er antworten. "Preis und Lob nur dir, es ziemte mir nicht, etwas zu sagen, was nicht die Wahrheit ist; hätte ich es aber gesagt, so wüsstest du es ja; denn du weißt, was in mir, ich aber nicht, was in dir ist, denn nur du kennst alle Geheimnisse. Ich habe nichts anderes zu ihnen gesagt, als was du mir befohlen, nämlich: Verehrte Gott, meinen und euren Herren. Solange ich bei ihnen war, war ich Zeuge ihrer Handlungen, nun, da du mich zu dir genommen, bist du ihr Wächter, denn du bist aller Dinge Zeuge.""(33).

Das heißt: der Islam erkennt die Gottessohnschaft Jesu und die Dreieinigkeit bzw. die Identität Jesu mit Gott/Allah nicht an. Nach den Prinzipien des Islam ist das auch unmöglich. Äußerst interessant ist hierbei, dass Jesus selbst sich offenbar nie als Sohn Gottes oder gar Gott bezeichnet hat, aber bereits in den ältesten Evangelien einem "Vergottungsprozeß(34)" unterzogen wurde. Je jünger die Evangelien, desto weiter ist der Prozeß fortgeschritten(35), bis schließlich Paulus den Übergang zur Vergottung nebst Schaffung der Erlösungslehre endgültig vollzog(36). So wurde die Nachfolge Jesu ersetzt durch den Glauben an ihn. In den folgenden Jahrhunderten stritt man heftigst um die Interpretation der Gottessohnschaft sowie ihre Implikationen. Mohammed wandte sich heftig gegen das ganze Konzept der Gottessohnschaft - und seine Lehre wurde von der aksumitischen Reichskirche als christlich und legitim anerkannt! Die Implikationen für die Geschichte des Christentums sind hier nicht unser Thema, vielmehr geht es hier darum, dass Mohammed weder eine antichristliche Religion gründete noch es wollte. Seine Reformbestrebungen der einen, einzigen monotheistischen Religion, die er vor Augen hatte, trugen ihm hier ein sehr interessantes Resultat ein.

Im Jahre 622 floh Mohammed nach Yathrib vor einem Mordkomplott in Mekka, unter den Einwohnern des späteren Medina existierte bereits eine Gruppe Muslime. Die Nachstellungen in Mekka waren unausgesetzt weitergegangen, die Situation war durch den ständigen Zuwachs an Neumitgliedern eskaliert(37). Dies, die Flucht des Propheten nach Medina, die sogenannte Hejrah, ist der Ausgangspunkt des islamischen Kalenders.

Dort, in einer jüdisch dominierten Stadt, wurde Mohammeds Lehre mit dem Judentum ebenso identifiziert(38) wie in Aksum mit dem Christentum - es ist nicht nötig, das oben Gesagte zu wiederholen. Ebenso wenig wie an einer anti-christlichen lag Mohammed an einer anti-jüdischen Religion. Seine Kritikpunkte an beiden Religionen - die er, wir wiederholen, als Teile einer einzigen ansah, der er auch angehörte - waren so wenig scharf und ausgeprägt, dass christliche wie jüdische Spezialisten sich nicht an ihnen stießen. Ein Reformator gerät aber in eine schwierige Lage, wenn seine Kritikpunkte, die für ihn ja von großer Bedeutung sind, von denen, mit denen er bereit ist, sich um der Wahrheit willen auseinander zu setzen (denn so müssen wir Mohammed verstehen), als nebensächlich abgetan werden. Es besteht das Problem der Vereinnahmung, die das Scheitern der Reform bedeutet. Es besteht aber auch ein anderes Problem, nämlich das mangelnde Unterscheidungsvermögen sowohl der Übertretenden zur Reformpartei als auch der Angehörigen der Reformpartei gegen eventuelle Abweichungen seitens der Neuzugänge. Diesem Problem, dem unbemerkten Import fremder Inhalte, werden wir im nächsten Exkurs wieder begegnen.

Aus der historischen Retrospektive heraus wissen wir, dass Mohammeds eigentliches Ziel nicht erreicht wurde und stattdessen der Islam als eigene Religion entstand. Die exemplarische Reaktion der aksumitischen Reichskirche und andere, spätere Reaktionen christlicher Gruppen und Kirchen - von denen wir eine im Folgenden noch kurz ansprechen werden - zeigt aber, dass die ursprüngliche Idee keineswegs so utopisch war, wie sie heute erscheinen mag. Mohammed scheiterte nicht an der grundsätzlichen Undurchführbarkeit seiner Idee, sondern am Machtinteresse nicht einmal aller, sondern derjenigen christlichen Kirche, die damals schon im Begriff war, alle anderen christlichen Kirchen zu vernichten. Bereits im Jahre 325 hatte das Konzil von Nicaea stattgefunden, auf welchem Kaiser Konstantin, dem es ausschließlich um eine einige Kirche ging, die den Interessen des Reiches und damit den seinen diente(39), mit den rüdesten Methoden den Delegierten seinen Willen aufzwang(40). Dies war freilich nur darum überhaupt möglich, weil sich das Christentum überwiegend in Strukturen organisiert hatte, die einen solchen Zugriff zuließen41, übrigens ganz im Gegensatz zu den Intentionen Jesu(42), und weiterhin darum, weil man sich mehrheitlich dem Reich in vielerlei Hinsicht angedient hatte. Das heißt: demjenigen politischen Machtgebilde, welches Jesus getötet hatte, diente man nunmehr. Schon sehr frühzeitig hatte man in dieser Hinsicht Rom aus der Verantwortung genommen, den Prokurator Pontius Pilatus seine Hände in Unschuld waschen lassen - und die Schuld am Tode Jesu den Juden zugeschoben, was spätestens Paulus durch Bestätigung dieser Schuldzuweisung, Verfluchung und Diffamierung fest in den christlichen Kanon integrierte(43). Der Angriff auf das Judentum gehörte bereits zum ideologischen Arsenal bei der Spaltung der Urgemeinde(44) quasi von der Stunde Null an und fand seinen Niederschlag in eklatanter Weise in dem um das Jahr 100 geschriebenen(45) Johannesevangelium(46). Wir können also davon ausgehen, dass Mohammed diese Positionen kannte, sie sich aber keineswegs zu eigen machte und es überdies geflissentlich unterließ, eine kirchenähnliche Struktur zu errichten. Es ist äußerst verlockend, der Idee nachzugehen, dass Mohammed womöglich die Implikationen der oben geschilderten Entwicklung begriff und ihr entgegensteuern wollte. Hier sind wir selbstredend völlig außerstande, dies auch nur zu diskutieren.

Was auch immer Mohammeds Pläne und Absichten waren, die Situation in Medina zwang ihm Entscheidungen auf, die für den entstehenden Islam von zentraler Bedeutung waren. Die Flüchtlinge, Mohammed genauso wie alle anderen, litten unter bitterer Armut und Hunger, denn sie lebten ausschließlich von den Gaben der schon vorher in der Stadt ansässigen Muslime, von denen die meisten nicht eben vermögend gewesen sein dürften. Mohammed blieben zwei Optionen des Opferns: entweder er behielt seinen strengen Pazifismus bei und opferte das Leben aller, die ihn nicht verlassen würden, einschließlich seines eigenen - oder er opferte den Grundsatz. Er entschied sich dafür, die Menschen zu retten und erlaubte seinen Anhängern den Angriff auf Karawanen, und zwar ausschließlich auf solche der Mekkaner(47).

Damit und unter diesen Umständen hörte der Islam auf, eine pazifistische Religion zu sein. Mohammed, der sehr wohl wusste, dass derjenige, der A gesagt hat, auch B sagen muss, regelte die Verteilung der Beute so, wie es später die 8. Sure des Koran festschrieb. "Wisset, wenn ihr Beute macht, so gehört der fünfte Teil davon Allah, dem Propheten, dessen Verwandten, dem Waisen, dem Armen und dem Sohn des Weges (bedeutet: dem fremden Reisenden).(48)" Damit stellte er nicht nur die Versorgung der Mittellosen sicher, sondern schuf sich eine ökonomische Machtbasis - denn die Abkehr vom Pazifismus bedeutete auch die Hinwendung zur Realpolitik, sie wandelte eine reine Religionsgemeinschaft zu einer solchen, die auch eine politische und militärische Macht war - war, nicht hatte. Dieser Schritt war der einschneidendste in der Geschichte des Islam überhaupt. Das Ergebnis der Verfolgungspolitik der Mekkaner war also die Entstehung einer politisch-militärischen Macht mit sozialrevolutionärer Programmatik, die gegen sie aufstand. Mohammeds Entscheidung war eine paradigmatische, und daher ähnelt ihr Ergebnis keineswegs zufällig Ereignisketten in der heutigen Dritten Welt, wenn der Islam in diese involviert ist.

Es kam zu einer Reihe höchst dramatischer Kämpfe in der Wüste, deren bedeutendster die Schlacht von Badr im Jahre 624 war, die den Muslimen Beute und Ruhm in außerordentlichem Ausmaß verschaffte. Dem Islam strömten neue Anhänger in Scharen zu, und jetzt schlossen sich die ersten Beduinenstämme der Bewegung an. Dies erhöhte nicht nur die militärische Schlagkraft in nicht zu unterschätzender Weise, sondern bedeutete auch die erfolgreiche Integration von Verbänden anderer Lebens- und Wirtschaftsweise und abweichender Sozialstruktur. Wir haben oben nicht ohne Grund einige Zeit mit der Betrachtung dieser Beduinen verbracht. Der Islam erwies sich zu dieser Integration nicht nur fähig, sondern wie geschaffen dazu, und auch dies gehörte während der gesamten islamischen Geschichte zu seinen wichtigsten Merkmalen. Im Laufe der Jahrhunderte integrierte der Islam Städter und Ackerbauern unterschiedlichster ethnischer Herkunft, aber beispielsweise auch immer wieder Stammesverbände zentralasiatischer Reitervölker. Nordafrikanische Berber stießen ebenso bereitwillig zur Gemeinschaft der Gläubigen wie Bewohner der uralten Städte Mesopotamiens und der östlichen Küste des Mittelmeers.

Nach der Schlacht von Badr, mit der diese Entwicklung ihren Anfang nahm, befand sich der Islam in einer positiven Feedbackschleife. Je mehr Anhänger ihm nämlich zu strömten, desto mächtiger wurde er, und desto mächtiger er wurde, desto mehr Anhänger strömten ihm zu. In kürzester Zeit war Mohammed vom hungernden Almosenempfänger zum Oberbefehlshaber einer gewaltigen Streitmacht geworden, der allerdings nie versäumte, die Siege nicht etwa sich selbst, sondern Allah und dem Erzengel Dschibrail zuzuschreiben(49).

So packend und farbig die Historie der nachfolgenden Zeit ist - wir müssen uns auf diejenigen Vorkommnisse und Entscheidungen beschränken, die entscheidend für sich entwickelnde Charakteristika des Islam waren. Zu diesen gehört die Ordnung der Stadt Medina unter islamischer Vorherrschaft und unter Vorhandensein zahlreicher Nichtmuslime, nämlich derjenigen Juden, die unwillig waren, dem Islam beizutreten. Die Frage nämlich, wie man mit diesen verfuhr, hatte begreiflicherweise programmatischen Charakter insofern, als es in der islamischen Welt später immer wieder zu Anwendung kommen würde und für ihn ebenso charakteristisch ist wie die anderen Kernelemente, deren Entstehen wir hier beobachtet haben. Man verfuhr folgendermaßen: Zwangsbekehrung war strikt verboten, die Juden mussten keinen Kriegsdienst leisten, sondern ersatzweise eine Steuer zahlen. Eigene militärische Verbände waren ihnen untersagt, aber ihre Kulthandlungen waren ihnen gestattet(50). Dieses Bild trifft man im Laufe der Geschichte immer wieder an. Es unterscheidet sich stark von demjenigen einer von einer christlichen Macht eroberten oder beherrschten Stadt. Insbesondere von den ausgrenzenden und demütigenden Bestimmungen für - oder vielmehr gegen - Juden in den Städten des christlichen Mittelalters fehlt hier jegliche Spur. Im Laufe der islamischen Geschichte kam es hin und wieder zu Bedrückungen von Christen und Juden, zu einem etablierten Bestandteil der Religion wurden diese Maßnahmen aber nicht. Das Schema von Medina fand noch im osmanischen Reich der frühen Neuzeit seine Anwendung, während in Europa die Gegenreformation stattfand und die sehr begründete Angst vor der spanischen Inquisition das Alltags- und Geistesleben überschattete.

Die sozialrevolutionäre Grundhaltung des Islam und seine Integrationsfähigkeit gegenüber Menschen aller nur denkbarer Herkünfte trug ihm noch weitere Früchte ein. Als zum Beispiel Mekka ein mehrere Tausend Köpfe zählendes Expeditionsheer nach Medina entsandte, befand sich unter den Muslimen ein ehemaliger Sklave namens Salman, der vor seiner Versklavung Berufsoffizier im Heer der Sassaniden gewesen war, also ein sorgfältig ausgebildeter und erfahrener Spezialist, dessen Kenntnisse weit über die in Nordarabien gängigen militärischen Praktiken hinausgingen. Mohammed berief Salman in seinen permanenten Rat, mit dem Ergebnis, dass der mekkanische Angriff binnen weniger Tage weitestgehend unblutig abgewiesen werden konnte(51). Für jede Organisation ist es von entscheidender Bedeutung, welche Menschen welchen Kompetenzgrades auf welchen Gebieten sie an sich binden kann, ferner inwieweit die Strukturen und das Kategoriensystem der Organisation es verhindern oder - wie in unserem Fall - es fördern, dass die Kompetenz zum Tragen kommt. Es ist durchaus denkbar, dass in Mekka Spezialisten wie Salman als Sklaven gehalten wurden (eine Anbindung mit Zwangscharakter, die die Betroffenen nicht eben veranlasst, sich für die Organisation übermäßig zu engagieren), aber es war vorauszusehen, dass man sie weder nach ihrer Meinung fragen noch gar auf sie hören würde, geschweige denn, dass man ihnen Verantwortung übertrug. Strukturen und Kategoriensysteme entscheiden darüber, welches Wissen vorhanden ist und inwieweit es angewandt werden kann.

Es gehört durchaus in diesen Zusammenhang, dass der Islam anfangs keineswegs die Wissens- und Wissenschaftsangst aufwies (auf die Problematik einzelner Gruppen und Staaten, in welchen man dieses Phänomen atypischerweise beobachten kann, werden wir noch kurz zu sprechen kommen), die das christliche Abendland bis in die Neuzeit hinein prägte. Für Strukturen und Kategoriensystem des christlichen Abendlandes war Wissen nämlich wirklich gefährlich, für den Islam keineswegs: er prosperierte vom zusammengetragenen Wissen seiner Mitglieder und mithin ihrer verschiedenartigen Herkunft. Im christlichen Abendland war und ist Angst und Abwehr gegen Neues und Fremdes immanent, ein Erbe der Einheitskirche, nicht so im Islam.

Im christlichen Abendland war die von der obersten Führung vorgegebene Bibelauslegung identisch mit dem gesamten möglichen und wünschenswerten Wissen, später übernahm man fast gänzlich die Forschungsergebnisse des sehr rührigen Hellenen Aristoteles und behandelte sie ebenso, also unwissenschaftlich. Dass Aristoteles autoritäre und antidemokratische politische Ansichten verfocht und das hellenische Denken von unbewiesenen Axiomen ausging, war hierbei sicher hilfreich. Den Laien verbot man sogar die Bibelkenntnis, geschweige denn andere Formen der Wissensaquise. Wissenschaftliche Bemühungen, die sich natürlich nicht gänzlich unterbinden ließen, gingen stets mit akuter Lebensgefahr einher, wie der Fall des 1997 von der katholischen Kirche rehabilitierten Galilei exemplarisch zeigt. Was man unter korrekter Anwendung von Bibelauslegung auf die Realität verstand, verdeutlicht der 1497 erschienene Malleus Maleficarum(52), der Hexenhammer, der sowohl wissenschaftliches als auch juristisches Handbuch war. Insgesamt war das Geistesleben geprägt von Höllenangst, Teufelsangst, eschatologischer Angst, Frauenangst, Körperangst, Naturangst und Neuerungsangst, welche als unentwirrbares Knäuel auftraten, das sich vor allem durch seine grotesken Ausmaße dem Begreifen des modernen Laien entzieht. Diese Angst trat selbstverständlich gemeinsam mit anderen Ängsten auf, nämlich denen vor dem furchterregenden, strafenden, allmächtigen Gott, vor den sehr realen und extrem grausamen Machtmitteln der Herrschenden, vor Krieg, Hunger, Krankheit, den allgegenwärtigen Agenten des Teufels und deren Einflüsterungen im eigenen Bewusstsein (Lust, Zweifel, Kritik, Spott und so weiter) - man darf sich also nicht darüber wundern, dass diese Kultur bis zum heutigen Tag pathologische Züge aufweist.

Demgegenüber nahm der Islam schnell und problemlos die antike Gelehrsamkeit auf und entwickelte sie weiter. Empirische Naturbeobachtung und Experimente waren den islamischen Gelehrten ebenso wenig fremd wie der sorgsame und kritische Umgang mit Quellen. Sie erfanden das wissenschaftliche Zitat. Sie erfanden auch die Null und damit das, was wir heute als Mathematik begreifen - von den Hellenen, die im christlichen Abendland als deren Urheber gelten, stammen lediglich die Grundlagen der Geometrie, die ohnehin sehr wahrscheinlich von vorderorientalischen barbaroi abgekupfert worden waren. Eine islamische Erfindung ist mithin unentbehrliche Grundlage aller modernen Naturwissenschaft und Technologie, zum Beispiel derjenigen, mit deren Hilfe dieser Text entsteht und einige seiner Quellen beschafft wurden. Jeder christliche Abendländer benutzt täglich "arabische Zahlen". Während man im christlichen Abendland unter Medizin im Wesentlichen Teufelsaustreibung, Amputation und Aderlaß verstand, las man in der islamischen Welt Klassiker wie Galen, erforschte die Anatomie von Tieren und Menschen, verfasste Abhandlungen über Krankheiten und entwickelte Therapien. Selbst die deutsche Sprache weist Worte auf, die aus dem Arabischen stammen, wie zum Beispiel Magazin (= "die Lagerhäuser") und Algebra (= "die Gleichungen", gleichnamiges Werk des iranischen Wissenschaftlers Muhammed ibn Musa al Chwarazmi am Hof des Kalifen von Bagdad aus dem Jahre 810). Man verfügte zum Beispiel über studierte Fachleute für das Bewässerungswesen, für das durchaus Kenntnisse benötigt werden, wie sie heute zum Bereich der Ingenieurswissenschaften gehören. Der Beitrag des christlichen Abendlandes bestand darin, all diese Tätigkeiten als Teufelswerk und Gotteslästerung zu klassifizieren und hin und wieder einige Ergebnisse zu stehlen.

In der Folge des Sieges von Medina, der auch darum so spektakulär wirkte, weil die gewaltige Machtentfaltung Mekkas einfach ins Leere verpuffte, lenkten die Machthaber Mekkas ein und schlossen Frieden mit den Muslimen, denen der neuerliche Monumentalerfolg wiederum neue Anhänger zuführte. Im Jahre 630 bekehrte sich der überwiegende Teil der Bevölkerung von Mekka zum Islam. Mohammed ließ sämtliche Idole aus der Kaaba entfernen und erklärte Mekka nach wiederholten Krawallen zur heiligen Stadt, die Nichtmuslimen - auch anderen Monotheisten - verboten war und ist(53).

Man könnte meinen, Mohammeds Heimkehr nach Mekka sei der Gipfel seines Triumphs. Hier hatte alles angefangen, von hier hatte man ihn verjagt, hier war das Zentrum der Macht seiner ärgsten Feinde gewesen. Hier stand Abrahams Altar, der nunmehr ausschließlich dem Gott Abrahams geweiht war, nur mehr wahre Gläubige würden noch in seine Nähe kommen. Und es war abzusehen, dass die Welt noch hören würde von diesen Gläubigen.

Wer meint, Mohammed habe triumphiert, vergisst, was er gewollt hat. Mohammed wollte keine Religion gründen, er wollte die monotheistische Religion - die eine - reformieren und wiedervereinigen. Aber als er den Angriff auf die Karawanen der Mekkaner autorisierte, um die Leben seiner Anhänger zu retten, war dieser Traum zu Ende. Man kann nur spekulieren, was eine pazifistische Religionsgemeinschaft hätte ausrichten können - immerhin gab es Christen, und zwar weder wenige noch einfach gestrickte, die an Mohammeds Auslegungen nichts auszusetzen hatten. Aber ihm, der sich mit dem Christentum, seinen diversen Richtungen und Organisationen und der Politik seiner Zeit derart auskannte, wusste, dass die Einheitskirche, die seit Jahrhunderten dabei war, mit dem römischen Reich zu verschmelzen und die systematisch die anderen christlichen Kirchen vernichtete, mit einer anderen Macht niemals friedlich koexistieren würde

Inwieweit Mohammed die Entwicklungen seiner Zeit tatsächlich so sah, können wir nicht wissen. Wir können aber davon ausgehen, dass er erkannt hatte, was in Nicaea geschehen war. Pazifistische Glaubensleute stellen für Imperatoren und Imperien ein übles Problem dar - dies ist auch der Grund, warum man Jesus zuerst töten, dann zum Gott machen musste und warum Menschen wie Mahatma Gandhi und Martin Luther King stets unter sehr eigenartigen Umständen ermordet werden - aber eine fremde Macht kann man als den Feind identifizieren. Mohammed, der zu Beginn seiner Tätigkeit eindeutig den Frieden gewollt hatte, wusste, dass es keinen Frieden geben würde, sondern einen gewaltigen Krieg.

Im Jahre 632 starb er.

Seine materielle Hinterlassenschaft bestand aus sieben Silbermünzen, die seinem Willen gemäß an die Armen verteilt wurden(54).

Die Streitigkeiten um die Führung nach seinem Tod führten, wenn auch nicht direkt oder unmittelbar, zur Ausdifferenzierung der beiden islamischen Richtungen der Sunna und der Schi´a - für uns sind hier weder die Vorgänge wirklich relevant, noch die Entwicklung der beiden Traditionslinien, zumal wir diese analysieren müssten, was unsere Kapazitäten - wieder einmal - bei weitem überfordert. Nur eine Bemerkung hierzu: in den 80er Jahren tauchte der Begriff "Schiiten" vermehrt in den Medien auf, als die Aufmerksamkeit auf die Geschehnisse im Iran gelenkt wurde. "Schiiten" wurde nebulös mit "Fanatiker" gleichgesetzt, was selbstverständlich völliger Unfug und gleichermaßen ein Beispiel für die Scheinkompetenz der Medien ist. Das Wandern unverstandener Termini von einer Sendeanstalt zur anderen ist ein bemerkenswerter Prozess. Das Verschwinden des Terminus, der wie sein Aufkommen zu diesem Phänomen der medieninternen semantischen und semiotischen Dynamik gehört, die mit Inhalten nichts zu tun hat, erspart uns hier viel Arbeit, denn im Rahmen der jetzigen Krise wird der Islam in toto falsch dargestellt, nicht nur die Schi´a.

Zum Zeitpunkt von Mohammeds Tod hatte sich der Islam über nahezu ganz Arabien ausgebreitet. Die Führung lag vorerst beim Kalifen, dieses Amt war bereits zu Mohammeds Lebzeiten entstanden und bezeichnete den Stellvertreter seiner Person (zum Beispiel im Krankheitsfall), aber lediglich als Anführer, nicht als Prophet, denn das ist unmöglich. Dieser Unterschied ist wichtig, denn der Kalif kann der Lehre nicht nur nichts hinzufügen, etwas aus ihr entfernen oder sie verändern, er hat nicht einmal uneingeschränkte Auslegungskompetenz - wie wir noch sehen werden, denn die islamische Auslegungskultur ist nicht nur bemerkenswert, sondern auch von zentraler Bedeutung für alle religiösen und rechtlichen Fragen, daher müssen wir uns ihr im Folgenden noch kurz zuwenden.

Doch zunächst zurück zu den Geschehnissen nach Mohammeds Tod: auf Abu Bekr, Weggenosse Mohammeds der ersten Stunde, der von 632 bis 634 Kalif war, folgte Omar ibn al Chattab (634 - 644)(55). In der Zeit von Omars Kalifat begann die Expansion des Islam aus Arabien heraus. Man verfügte über Berufsmilitärs wie Salman, die überdies die gegnerischen Strategien und Taktiken kannten, und nunmehr über die geballte Schlagkraft der Beduinen, die ja nie zuvor alle gemeinsam gegen einen Feind angetreten waren. Auch darf man nicht vergessen, dass, was Nordarabien anbelangt, die hier vereinfacht als Städter bezeichneten Menschen ein zumeist hartes und gefährliches Leben führten, in dem auch ohne religiöse Dispute jederzeit mit Kämpfen und Fehden zu rechnen war, und dies in einem Land, das größtenteils der arabischen Wüste zuzurechnen ist. Omar verfügte also über eine sehr beachtliche Streitmacht. Wir müssen dabei berücksichtigen, dass wir im Falle Salman gesehen haben, wie die Strukturen des Islam maximale Effizienz gewährleisteten. Omars Heer war alles andere als eine fanatische Wüstenhorde, es war von seiner Zusammensetzung her ein völliges Novum, sicher keineswegs so gut ausgerüstet wie die Streitkräfte der Großmächte, aber mit Sicherheit nicht belastet von der permanenten Entropie starrer Strukturen und deren Tendenz, inkompetente Individuen an ihre Schaltstellen zu setzen. Omar selbst war einer der Schwiegerväter Mohammeds, ein tiefgläubiger und sehr bescheidener Mensch56 und, wie wir gleich sehen werden, sehr kompetent.

Wir erinnern uns, wie man zu Zeiten von Mohammeds Geburt und Jugend in Mekka ängstlich die Bewegungen sogar der Satellitenstaaten der Großmächte beobachtete, und dies war ja durchaus berechtigt. Diese prinzipiell sehr richtige Einschätzung der Machtverhältnisse muss der Grund dafür gewesen sein, dass offensichtlich weder der Sassanidenkönig noch der Kaiser sich im Verlauf der vergangenen Jahre veranlasst gesehen hatten, wegen der Vorgänge in Arabien irgend etwas zu unternehmen. Auch das hat sehr viel zu tun mit dem oben Gesagten bezüglich Strukturen und Kompetenz. Jetzt war es zu spät. Omar eröffnete den Krieg gegen beide Großmächte.

Diese waren in der Zwischenzeit weder untätig geblieben, noch befanden sie sich in einem langjährigen Friedenszustand, so dass man Omars Erfolge vielleicht auf einen geglückten Überfall zurückführen könnte - dergleichen findet man aber durchaus auch in europäischen Geschichtsbüchern. Im Gegenteil: noch im Jahre 616 waren die Sassaniden in Nordafrika in die Offensive gegangen und hatten ein Kriegsbündnis mit den Awaren geschlossen, das das byzantinische Reich unmittelbar bedrohte, zumal sich das Awarenreich über den größten Teil von Osteuropa erstreckte. Die Awaren belagerten zehn Jahre später Konstantinopel, wurden aber besiegt, wie im Jahre 628 die Sassaniden.

Im Jahre 635 eroberten die Muslime Damaskus, 636 schlugen sie das byzantinische Reichsheer. 638 eroberten sie Jerusalem - bekanntlich ein heiliger Ort für den Islam - und Antiochia. 640 wurde mit dem Fall von Caesaraea der letzte byzantinische Stützpunkt in Palästina erobert, außerdem begann die Eroberung Ägyptens. Im Jahre 642, zehn Jahre nach Mohammeds Tod, fiel Alexandria, und Omar schlug den letzten Sassanidenkönig, Yezdigerd, der die Schlacht nicht überlebte. Das war das Ende des iranischen Reiches der Sassaniden, deren König Shapur einst zwei römische Kaiser geschlagen hatte.

Möglich wurden diese Erfolge nicht nur durch militärische Kompetenz, sondern insbesondere durch die Anwendung des Schemas von Medina auf die eroberten Gebiete. Eine betonköpfige Zwangsbekehrungspolitik - die, wie wir gesehen haben, dem Geist des Islam ohnehin eklatant widerspricht - hätte wegen der dadurch verursachten Schwierigkeiten die Feldzüge schnell in sich zusammenfallen lassen. Der Islam kämpfte ja nicht gegen Andersgläubige, sondern gegen Herrscher und Staaten und deren Armeen. Die Reaktionen der jeweiligen Bevölkerung wurden stark durch Faktoren bestimmt, die wir schon kennen gelernt haben: die sozialrevolutionäre Kernaussage des Islam und deren durchaus sichtbare Umsetzung sowie seine prinzipielle Annehmbarkeit insbesondere für Christen, die sich entweder (wie die Kopten, hier vertreten durch die aksumitische Reichskirche) nicht um die Beschlüsse von Nicaea scherten, oder, was schwerer wog, durch die krasse Diskrepanz zwischen der Aussage der Evangelien und dem Verhalten der jeweiligen Kirchen Gewissenskonflikte verspürten. Derer gab es mit Sicherheit sehr viele. Man darf die Verhältnisse des siebten Jahrhunderts im Orient oder in Nordafrika nicht gleichsetzen mit denen zum Beispiel des zwölften in Zentraleuropa: die Macht der Kirchen über die Gläubigen im uns interessierenden Raum war im 7. Jahrhundert zwar schon sehr erheblich, aber allein die immer noch vorhandene Vielzahl der Bekenntnisse und die Unmöglichkeit, die Kommunikation zum Beispiel unter Händlern verschiedener christlicher Bekenntnisse zu unterbinden, war trotz aller Verketzerungen ein Problem. Die mittelalterliche Kirche verfiel nicht ohne Grund darauf, ihre Gläubigen nicht nur gegen jeden Fremdeinfluß abzuschotten, sondern ihnen auch die Bibelkenntnis zu verweigern: wenn Kritik überhaupt gedacht werden kann, wird sie auch geäußert werden und sich auswirken. Zu dieser an George Orwells "1984" gemahnenden Politik fehlte den orientalischen Kirchen des 7. Jahrhunderts jede Möglichkeit.

Ägypten beispielsweise, das die Heimat des Koptentums gewesen war (welches übrigens Missionare bis nach Irland entsandt und daher die frühe irische Kirche begründet hatte), hatte als Patriarchen von Alexandria den Athanasius erleben dürfen, der für die Einheitskirche von überragender Bedeutung ist(57). Seine theologischen Aktivitäten, die größtenteils aus Fälschungen und Diffamierungen bestanden(58), waren für die ägyptische Bevölkerung vermutlich weniger interessant als die Ausschreitungen(59), zu denen es in schöner Regelmäßigkeit kam, wenn die Vertreter des Klerus ernsthaft aneinander gerieten. Der Patriarch von Alexandria - der allerdings zur Zeit der Entstehung des Islam schon erheblich an Bedeutung verloren hatte - nannte sich "der seligste und allerheiligste Pabst und Patriarch der großen Stadt Alexandria und von ganz Ägypten, Pentapolis, Pelusion, Libyen und Äthiopien", man nannte ihn im 4. und 5. Jahrhundert scherzhaft den christlichen Pharao(60). Nun bedenke man, welchen Eindruck all das auf die Muslime gemacht haben muss.

Umgekehrt muss der Eindruck der Muslime auf die Bewohner Ägyptens ebenfalls ein außerordentlicher gewesen sein. Sehr wahrscheinlich bestand für die überwältigende Mehrheit - Nicaea hin, Athanasius her - kein großer oder gar kein Unterschied zwischen dem Islam und dem Christentum, so dass sie sich einer Gottesstreitmacht gegenübersahen, an deren Verhalten man vieles aus den Evangelien gespiegelt sah. Wer sich nicht in den Evangelien spiegelte, war der Klerus, und dieser hatte obendrein den arabischen "Glaubensbrüdern", unter denen sich zudem Leute aus aller Herren Länder befanden, nichts entgegenzusetzen. Was also lag näher, als sich dieser Gemeinschaft der Gläubigen anzuschließen, die offenbar wirklich eine solche war? Und wer das nicht wollte, wurde von den grimmigen Kriegern, die die mächtigsten Heere geschlagen hatten, nicht einmal schlecht behandelt - wieder sehr im Gegensatz zu den Herren, die man gewohnt war.

Es ist deutlich geworden, warum die orientalischen und nordafrikanischen Christen in Scharen zum Islam übertraten - für sie, das kann man nicht oft genug wiederholen, war es in der Regel nicht einmal ein Übertritt. Es war Erneuerung der Religion und Revolution in einem. Dies war für die rapide Expansion des Islam ebenso ausschlaggebend wie die militärischen Faktoren.

Als der Islam zum ersten Mal auf europäischem Boden Fuß fasste, kam es zu einem ganz ähnlichen Szenario. Im Jahre 711 setzte ein islamisches Heer unter einem gewissen Tarik(61) von Nordafrika nach Spanien über und schlug das Heer des Westgotenkönigs Roderich, welcher in der Schlacht fiel. Sehr zum Ärger der römischen Kirche, in deren westlicher Nachbarschaft die Muslime nunmehr aufgetaucht waren wie zuvor in östlicher und südlicher, waren die Goten Arianer (was, das sei Lesern aus Heidenszene und Antifa gesagt, nichts mit "Ariern" zu tun hat) und folgten daher einer Lehre, die das hier so oft erwähnte Konzil von Nicaea verdammt hatte(62). Das focht die Goten sichtlich nicht an, es mag sie sogar in ihrer Haltung bestärkt haben, da sie sehr wohl wussten, woher dieser Wind wehte. Das sehr unterschiedliche Verhältnis des Arianismus respektive der Einheitskirche gegenüber dem germanischen Heidentum hat sicher auch eine Rolle gespielt, kann aber hier trotz seiner Relevanz für unser Projektthema leider nicht mit abgehandelt werden. Hier interessiert uns vielmehr das Wesen des Arianismus und seine Folgen für die Begegnung mit dem Islam.

Der zu seinen Lebzeiten überaus populäre Theologe Arius(63)(295 - 373) schloß sich einer Denk- und Glaubensrichtung an, die die ethische Größe Jesu betonte und den fortschreitenden Vergottungsprozeß kritisierte, zumal man Schwierigkeiten hatte, diesen mit dem Monotheismus in Einklang zu bringen(64). Schon vor Arius´ Lebzeiten war der Streit um die verschiedenartigsten Gottestheorien schon sehr alt, er selbst formulierte schließlich eine Lehre, nach welcher Jesus zwar der Sohn Gottes war, aber erschaffen, nicht gezeugt, und auch nicht wesensgleich mit ihm(65). Diese These sowie Jesu Bedeutung als ethisches Vorbild, nicht als Gott, waren der Kern der arianischen Lehre. Diese trug dem Arius, dessen Erzfeind übrigens der oben erwähnte Athanasius war, schon vor Nicaea jede Menge Verdammungen und Anfeindungen ein(66), die nach seinem Tode noch vervielfacht und durch Greuelgeschichten verstärkt wurden, deren Autor zu nicht geringem Teil Athanasius war(67). Trotz eines Glaubensediktes des Kaisers Theodosius aus dem Jahre 380, mit dem die katholische Kirche eigentlich begründet und allen anderen Glaubensrichtungen der Name Christen aberkannt wurde(68), starb der Arianismus keineswegs aus, wie wir gesehen haben.

Nun entspricht die Lehre des Arius, die wir hier der Kürze halber auf eine Faustformel reduziert haben, nicht dem Jesusbild des Islam, beide sind sich aber derart ähnlich und heben sich gleichermaßen ab von der Lehre der Einheitskirche, dass man ohne Schwierigkeiten erkennen kann, dass der Arianismus der Goten ein wichtiger Faktor bei der sehr rapiden Annahme des Islam in Spanien war - und warum islamische Expeditionen von Spanien ostwärts keine dauerhaften Erfolge brachten: dort intrigierte zu dieser Zeit die Einheitskirche gegen die Merowingerkönige (die sich gegen Ende des 5. Jahrhunderts mit ihr eingelassen hatten) um später den mit dem Papst verbündeten Karl, Erbe einheitskirchengestützter Usurpatoren, zum Römischen Kaiser zu krönen, der dann alsbald die heidnischen Sachsen in christlicher Nächstenliebe unterwies. Es ist wohl kaum ein Zufall, dass die Grenze zwischen Arianismus und Einheitskirche in Europa deckungsgleich war mit der späteren Grenze zwischen Islam und Einheitskirche.

Damit wollen wir den ersten Teil dieses Exkurses abschließen und uns der Auslegungskultur des Islam zuwenden, bei dessen Diskussion auch die weitere Entwicklung des Islam in groben Umrissen deutlich werden wird.

Hans Schuhmacher

2. Teil: Hans Schuhmacher Islamex 2


1 Asathor Odhinson D.G. (Hrsg.): Nornirs Aett; Kulturelle und begriffliche Einführung und Kodex
2 Moslem Women's League USA: Women in pre-islamic Arabia/ http://www.MWLUSA.org
3 Miksch, Hans: Der Kampf der Kaiser und Kalifen, Bonn, ohne Jahrgang, S. 28 Miksch'Werk enthält eine Fülle von Informationen, ist aber recht phantasievoll, sehr militärbegeistert und enthält die eine oder andere Merkwürdigkeit. Außerdem hat der Verlag die drei Bände des Werks einfach aneinandergereiht, so dass die Seitenzählung dreimal neu beginnt. Alle Zitate hier beziehen sich auf Band 1.
4 Miksch, Kaiser und Kalifen, s. 28f.
5 ebd, S. 31
6 s. ebd.
7 Miksch, Kaiser und Kalifen, S. 31f. und Fußnote
8 ebd., S. 32
9 ebd. Und Fußnote
10 ebd., S.33
11 ebd.
12 Ebd., S.34
13 Moslem Women's League, Women in pre-islamic Arabia
14 Vivelo, Frank Robert, Einführung in die Kulturanthropologie, 2. Aufl., Stuttgart 1995, S. 126
15 ebd., S. 128
16 ebd.
17 ebd., S.127
18 ebd., s. 128
19 Moslem Women's League, Women in pre-islamic Arabia
20 Vivelo, Kulturanthropologie, S. 30
21 Miksch, Kaiser und Kalifen, S. 34f.
22 ebd. S. 36f.
23 ebd., S. 38f.
24 Miksch, Kaiser und Kalifen, S. 40ff.
25 ebd., S.42
26 ebd.
27 Deschner, Karlheinz.: Abermals krähte der Hahn. Eine kritische Kirchengeschichte. 1996, S.448ff
28 Miksch, Kaiser und Kalifen, S. 42
29 ebd., S.40
30 Miksch, Kaiser und Kalifen, s. 44ff.
31 Deschner, Kirchengeschichte, S.241ff.
32 ebenda
33 Miksch, Kaiser und Kalifen, S. 338f.
34 Deschner, Kirchengeschichte, S. 46ff.
35 ebd., S. 62ff.
36 ebd., 192ff.
37 Miksch, Kaiser und Kalifen, s. 47ff.
38 ebd., 50f.
39 Deschner, Kirchengeschichte, S. 449
40 ebenda
41 ebd., S. 246ff-.
42 ebd., S.241ff.
43 ebd., S. 506f.
44 ebd., S.172f.
45 ebd., S. 54ff.
46 ebd., S.507ff.
47 Miksch, Kaiser und Kalifen, S.52
48 ebd., S.53
49 ebd., s. 57
50 ebd., S. 58
51 ebd., S. 59f.
52 Sprenger, J./Institoris, H.: Der Hexenhammer. (Malleus Maleficarum), 1985 (dtv)
53 Miksch, Kaiser und Kalifen, S. 61f.
54 Miksch, Kaiser und Kalifen, S. 62
55 Miksch, Kaiser und Kalifen, S.67
56 ebd., S. 68
57 Deschner, Kirchengeschichte, S. 454ff.
58 ebd., S. 456ff.
59 ebd., S. 460 - im Grunde liefert das ganze Kapitel einen guten ersten Einblick in die Verhältnisse.
60 Ebd., S.455
61 weswegen Gibraltar noch heute nach ihm benannt ist: Djebel al Tarik
62 Deschner, Kirchengeschichte, s. 448 ff.
63 ebd., s.444f.
64 ebd., S. 442ff.
65 ebd., S. 445 66 ebd., 446ff. 67 ebd., S.456ff. 68 ebd., S.461

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Óskmejyar Teil 1 - Die Walküren in der Helgaquiða Hundingsbana I (von Hans Schuhmacher)
Thesen zur Germanischen Frau (von Hans Schuhmacher)
Die unbekannte Tradition: Slawisches Heidentum(von Anna Kühne)

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