Das Internet-Magazin des Rabenclans
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Heidnische Gedichte
von Anna KühneEibensang
deine worte hallen widerhundertfach das echo tönt
und in meine tiefen nieder
laß ich mich, wo unversöhnt seit langem solche lieder klingen
vernunft verbot mir zuzuhörn
doch auch in mir ist dieses singen
und diesmal kann ich nicht verwehrn daß die götter in mir sich empören
weil ich so lang mich taub gestellt
zu feige war, sie zu beschwören
und mied die eigne unterwelt die ich doch dachte gut zu kennen
die mir doch botschaft oft gesandt
wo doch vertraute feuer brennen
und die ich doch nicht hab erkannt die wilde wucht des eibensangs
erweckt die verzagten gestalten
und macht, daß ob des furiosen klangs
sie ihres amtes walten sie drängen mich ins freie hinaus
in die wahre, die uralte welt
sie jagen mich aus dem bequemen haus
weil's mir die sinne verstellt hier draußen bin ich teil der kräfte
der treibenden, heilenden sinfonie
in meinem körper steigen die säfte
und fluten die äcker der monotonie nie wieder verfall ich dem billigen schein
der kunststoffummantelten süchte
viel lieber verschmelz ich mit feuchtem gestein
und koste vergessene früchte und kehr ich zurück, so bin ich 'ne andre
verwandelt, man erkennt mich kaum
ich küsse den bleichen mond und wandre
fort, zu folgen meinem traum Anna Kühne Zurück zum Anfang
Kupula
Lichter hab ich gesandt,den Fluß hinab, den gezähmten,
Wünsche hab ich gewünscht,
denn es dämmerte des Jahres
kürzeste Nacht. Still trank das Wasser des Abends rote Neige
und ersehnte der Feuerflöße segnende Kraft. Ich trat ans Ufer, grüßte die Weise,
setzte leuchtende Augen ihr ins gütige Gesicht, und die Wellen wiegten die einfache Gabe
wie Ammen ein wiedergefundenes Kind. Lichter hab ich gesandt,
den Fluß hinab, den gezähmten,
Wünsche hab ich gewünscht,
denn es dämmerte des Jahres
kürzeste Nacht. Kupulo, Kupulo, staruszko czcigodno,
niech woda je blogoslawiona,
na zawsze je blogoslawiona!*
- Kupula, Kupula, du ehrwürdiges Mütterchen,
gesegnet sei das Wasser,
gesegnet immerdar. Anna Kühne
