| Beltaine 2008: |
| Calibans Wundersame Wandlung |
| Ein Fest des Rabenclan e.V. |
| vom 30. April (Mainacht) bis 4. Mai 2008 |
Die Insel der Welt war voll Lärm, voll Tön und süßer Lieder, die ergötzten und niemandem Schaden taten. Mir klimperten oft viel tausend helle Instrument' ums Ohr und manchmal Stimmen, die mich wenn ich nach langem Schlaf erst eben aufgewacht, zum schlafen wieder brachten. Dann im Traume war mir, als täten sich die Wolken auf und zeigten Schätze, die auf mich herab sich schütten wollten, so daß ich beim Erwachen aufs Neu' zu träumen heulte.
In ihrer Welt war ich der Bastard, ein Halbteufel, sie nannten mich Wechselbalg, Sklave, Erdkloß, Wilder, Mondkalb, Mopsköpfiger, Affe, Bimbo, Mißgeburt, Ding, Untermensch, Primitiver, Barbar, Kanacke, Heide, Kind. Vorlogisch, unreif, abhängig von Aberglauben, Göttern und Scharlatanen soll ich gewesen, in meiner Bewußtseinsentwicklung noch etwas zurückgeblieben. Ein Irrer soll ich gewesen sein, nicht fähig zu unterscheiden, was Wirklichkeit, was Phantasie ist: "Intuitiv" nennen es die wohlmeinenden, "triebgesteuert" die anderen. Wie ein Kind soll ich furchtsam und ängstlich mich vor Blitz und Donner gebückt haben, um dann mit albernem Hokuspokus die Geister gnädig zu stimmen. Eins mit der Natur soll ich gewesen sein, was eigentlich nur meint, daß ich mehr Tier, auf jeden Fall noch nicht Mensch - richtiger Mensch - gewesen sei.
Zu letzterem sollte ich erst werden, wenn ich so denke, wie
sie denken, wenn ich das, was
sie als wirklich betrachten, nun auch als vernünftig erachte, wenn ich zugebe, daß ich ungeschlacht gewesen bin und durch ihre gepflegten Hände Benimm, Zivilisation und Wissenschaft als Morgengabe der Vernunft schlechthin empfange. Daß sie mich mit der Peitsche zu ihren Benimmregeln prügelten, das bereuen sie heute, daß ich aber der Idiot war und sie die Spitze menschlicher Entwicklung sind, das denken sie immer noch.
Prospero nannte mich "Caliban". Natürlich, in seinen Augen konnte ich nur ein Menschenfresser gewesen sein. Er lies durch seine Schreiberstimme
Shakespeare meine Geschichte festhalten. Nein:
Seine Geschichte ließ er aufschreiben. Meine Geschichte kennt ihr nicht. Ihr verleugnet bis jetzt, daß eure Kultur entstanden ist, weil ihr von meiner Kultur lerntet. Ich wies eurem Prospero manche Eigenschaft der Welt: Salzbrunnen, Quellen, fruchtbares Land und dürres, Wissenschaft, Technik, Poesie und schlaues Denken, Toleranz und Gerechtigkeit. Sein Wissen verdankt er meinen Büchern. Zum Dank sperrtet ihr mich in die Katakomben eurer Bibliotheken und in die Unterwelt eurer Zivilisation, derweil den Rest der Weltinsel ihr mir verwehrt. Die sollte durch euer Licht erhellt werden, durch eure Morgensonne, die ihr Aufklärung nanntet. Doch auch die habt ihr von mir gestohlen.
Meine Geschichte werde ich euch nicht erzählen. Meine Welt werde ich zeigen, sie muß wie jede Welt - wie auch eure Welt - erst wahrgenommen, zusammengesetzt, erfunden, gefunden werden. Sie ist schon da, sie war schon immer da, die Fundamente eurer Salons ruhen auf meinen Salons. Wer diese Welt mit zeugen will, wer keine Scheu hat, sich mit Caliban abzugeben, ihm auch noch in die dunkelsten Ecken folgen will, ist herzlich eingeladen, bei diesem Fest mitzugestalten. Auf den kommenden Seiten findet ihr die ersten Imaginationspunkte.
Herzlich eingeladen zum Beltane 2008 - Fest des Rabenclan e.V. Walpurgis 2008 Walpurgisfest 2008 Walpurgisnacht 2008 Beltaine 2008 Belteine 2008